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Zapfenstreich für einen Spitzbuben

Smoke on the Water; Keine Spur von Scham, Guttenberg feixt.

Gespenstige Bilder hat uns die ARD geliefert. Im Hof des Bendler Blocks in Berlin. Männer in Uniformen sind angetreten in Reih und Glied. Sie tragen Fackeln, die die Szenerie in ein gespenstiges, unstet flackerndes Licht tauchen. Am 7. Mai werden es 66 Jahre, dass das dritte Reich, mit der bedingungslosen Kapitulation gegenüber den Alliierten, zusammenbrach. Gute neun Monate zuvor wurden an gleicher Stelle die Widerständler des 20. Juli hingerichtet. Sicher war das Szenarium nicht das gleiche, aber in meiner Vorstellung vermischt sich beides. Ich weiß nicht, ob es an diesem Tag schon dunkel war. Ich weiß nicht, ob Fackeln brannten, wahrscheinlich eher nicht. Aber diese dunklen, düsteren Bilder von Soldaten mit versteinerten Mienen produzieren in meinem Hirn Assoziationen zu jenem Tag im Juli 1944. Für mich könnte es so ausgesehen haben.

Im Geiste höre ich Stiefel auf dem Pflaster, Trommelwirbel, ich sehe in ein Gesicht unter einem Helm, sehe wie der Soldat den Mund öffnet: „Feuer!“ Eine Gewehrsalve, – Stille.

„Helm ab zum Gebet!“ Das absurde Treiben, dieses archaische Ritual von Ehre Blut und Tod , erreicht seinen Höhepunkt. Die Soldaten nehmen ihre Helme ab und halten sie vor der Brust.

Guttenberg der eitle Geck in seinem albernen, kurzen Mäntelchen faltet locker die Hände, aber irgendwie sieht das nicht nach Gebet, nach Demut aus. Auch diese letzte große Geste misslingt dem Ministerdarsteller. Eher erinnert mich die Haltung seiner Hände an das alte Kinderspiel, das wir immer spielten, wenn uns langweilig war. Wobei man bei verschränkten Fingern die Daumen umeinander dreht und dazu reimt: „Lieber Gott, ich bin nicht dumm, ich kann es auch noch anders ‚rum!“ Darauf dreht man die Daumen entgegengesetzt umeinander.

Zum Abschluss die Nationalhymne, mir liegt nichts an diesen Ritualen, Hymne, Fahne, ausschliesslich dazu gedacht, den Menschen nationalistischen Sand in die Augen zu streuen. Hier aber? Die Nationalhymne für einen Spitzbuben? Ein Hohn für alle Menschen, denen diese Hymne etwas bedeutet.

Die Soldaten marschieren ab. Es beginnt die Zeit der Hofschranzen. Das Ehepaar Guttenberg hält Hof. Soldaten mit hohen Dienstgraden beugen das Haupt  und machen den Kratzfuß vor einem Lügner und Betrüger und seiner aufgekratzt wirkenden Frau Steffanie, die das alles zutiefst zu geniessen scheint. Selbst die Kanzlerin wirkt nicht wie eine Vorgesetzte die einem unfähigen Mitarbeiter entlässt. Eher macht es den Anschein, als empfehle sie sich für einen späteren Zeitpunkt. Mir ist, als würde hier eine alte venezianische Komödie gegeben. Alle Darsteller versteckt hinter Masken mit hässlichen, verzerrten Gesichtszügen. Oder, Alemannische Fastnacht vielleicht.

Endlich,- Guttenberg rauscht vom Hof, in gepanzerter Limousine mit großer Polizeieskorte. Auf dem Bildschirm erscheint Mietmaul Deppendorf (hier ist der Name aber so was von Programm).

Ich bin restlos bedient und  wechsele zu SAT 1: Fußball, Bayer Leverkusen gegen Villarreal. Der zweite Reinfall des Abends. Die Zeit für den großen, roten Knopf auf der Fernbedienung ist gekommen.

(Alle Bilder Screenshots aus der ARD-Sendung: Karl-Theodor zu Guttenberg geht – Großer Zapfenstreich für den Ex-Verteidigungsminister)