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„Deutschland ergreift Partei“

Groß machen sie heute früh auf, unsere Zeitungen. Vornedran prangt das Label „dpa“, also „Deutsche Presseagentur“. Durch die Bank schreiben sie ab, was die Herren Westerwelle und Niebel, ihres Zeichens Bundesminister einer Splitterpartei, in den Block der zuständigen Korrespondenten diktiert haben. „…den Aufständischen demonstrativ den Rücken gestärkt“ hätten sie. Den „Übergangsrat“ besucht. Sie, die vor noch gar nicht langer Zeit an der Seite des schillernden Exoten an der libyschen Staatsspitze in die Kameras lächelten und „unsern Freund Gaddafi“ tätschelten, sind nun also auf Kriegsmission.

Wer genau die „Aufständischen“ sind, wer genau dahintersteckt, wie die genauen Zusammenhänge sind: All das erfährt der geneigte Leser der durchgängigen dpa-Meldung natürlich nicht. Dabei wäre es ganz einfach. Libyen hat noch jede Menge Öl, liegt strategisch günstig am Mittelmeer und hat per UN eine „Flugverbotszone“. Um die es schon länger nicht mehr geht. Jetzt müssen mal langsam Bodentruppen rein. Thomas die Misere hat da schon mal argumentativ vorgebaut, indem er von „Aufbauhilfe“ schwadroniert. Vielleicht wollen sie aber auch nur die angeblich tonennweise verteilten Viagra-Pillen da rausholen und für den Eigenbedarf nutzen? Es liegt aber – wir widerholen uns – auch noch reinlich Öl unterm Wüstensand. So wie sie damals im Irak die Atomwaffen, die chemischen Waffen, die biologischen Waffen tonnenweise suchten und nichts fanden.

Es ist schon eine sehr verschwommene Gemengelage, die unser lieben, treuen, zuverlässigen Medien da abdrucken. Es ist, wie es ist ist: Die politische Lage, die man in Berlin will, braucht und herbeischreiben läßt. Nicht mehr. Nicht weniger.

Und das ist nicht gut so.

MerkelRöslerKlatschen gehen auch in Bremen weiter

Bis auf Rheinland-Pfalz ist die Ostfrau, die die schlechteste CDU-Politik macht, die jemals die Schwarzen gemacht haben, nun Schlag auf Schlag aus der Kurve getragen worden. Den gelben Hampelmann hintendrauf (den Sozius) – nun heißt er Rösler statt Westerwelle – trägt es aus einem Parlament nach dem anderen. Man nimmt das Leichtmatrosengeschwätz nicht mehr wahr.

In Bremen konnten erstmals auch 16 jährige wählen. Angela und Röslein wählten sie nicht.

Westerwelles Rückzug auf Raten

Dr. Westerwelle möchte nun auch auf die Position des Vizekanzlers verzichten.

„Es ist völlig klar, dass der nächste Parteivorsitzende, wenn er dem Kabinett angehört, auch Vizekanzler wird“, so sagte er.

Nun ja, damit dürfte klar sein, daß Rösler den Job übernimmt. Doch ob es besser wird? Der Krawatten-Samurai, der das Gesundheitssystem ziemlich beschissen gestaltet, ist nicht gerade beliebt beim Volk und sorgt für viel negative Schlagzeilen.

Selbst mit Christian Lindner darf man nicht allzu viel erwarten. Als dieser ins öffentliche Blickfeld gelangte, wurde er als „Wunderwaffe“ stilisiert. Gebacken gekriegt hat er aber noch nicht viel. Mag auch an dem langen Schatten der alte FDP-Garde liegen, doch Skepsis ist angebracht.

Schweinegrippe-Rösler soll nun die Welle machen

Gesundheitsminister Philipp Rösler soll neuer FDP-Vorsitzender werden. Darauf haben sich nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstagsausgabe) die wichtigsten Landesverbände der Liberalen in einer telefonischen Absprache geeinigt. Wie es in Führungskreisen von Partei und Bundestagsfraktion heißt, soll das Parteipräsidium diese Entscheidung am Montag offiziell fassen. Parteichef Guido Westerwelle werde nach seiner Asienreise an der Sitzung teilnehmen. Wenn er nicht von sich aus auf sein Amt verzichte, werde man ihn damit konfrontieren, dass er auf dem Parteitag nicht mehr mit einer Mehrheit rechnen könne. Der ebenfalls als Kandidat für den Vorsitz gehandelte Generalsekretär Christian Lindner soll auf seinem Posten bleiben. Nach Angaben des „Stadt-Anzeiger“ war er wegen seines Vorpreschens für einen Atomausstieg auf dem wirtschaftsliberal gesinnten Flügel der Partei nicht mehr durchsetzbar. Rösler, der lange gezögert habe, habe sich dem Druck aus den Landesverbänden schließlich geschlagen gegeben.

Boa nej, oder? Jetzt hatten wir uns so an die Westerwelle gewöhnt und seinen gelinde gesagt außergewöhnlichen Politikstil und jetzt soll der Langweiler aus Hannover mit dem Migrationshintergrund kommen? Kinners, das geht dann final in die Hose. Das tragen Apotheker, Ärzte, Hoteliers und andere Lobbyguttaten Empfangende nicht lange mit. Was auch nicht schlimm wäre. Wer braucht schon so eine FDP, deren Aufgaben die Grünen auch noch locker mitmachen werden, wenn es Regierungssesselchen gibt. Die haben ein bis auf die Atomfrage ebenso wendiges Rückgrat wie CDU/CSU/SPD. Und bei der Frage des Atomausstiegs hat sie ja das Traumduo Merkel/Röttgen ultralinks panisch überholt. Gestern mal gesehen, wie der Röttgen sein Sicherheitskäppi trägt? Enormen Rechtsdrall der Junge, was verbal mit dem Gegenteil rüberkommt. Aber wahrscheinlich hat er heimlich an der Berliner „Komischen Oper“ geübt.

Guido. Wir werden Dich vermissen. Soviel Brutto vom Nutto bot sonst niemand.

Blechorden für KTzG

Einfaches kann jeder, Unmögliches offensichtlich nur einer: Karl-Theodor zu Guttenberg. Smart und stark sorgt er für Glanz im grauen Politikeralltag. Als Antityp des staatstragenden Politikers sagt er, was er denkt – nachdem er vorher nachgedacht hat. Die Fähigkeit, dabei über sich selbst zu lachen, macht ihn zum Überflieger, der das Kunststück vollbringt, nicht abzuheben. Klarer Fall für höhere Weihen, munkeln die Medien und sehen in ihm bereits den künftigen Kanzler. Die Zeichen dafür stehen gut, denn der Aachener Karnevalsverein (AKV) macht schon mal den Weg frei: Mit der Verleihung des 61. Ordens Wider den Tierischen Ernst rückt er den unkonventionellen Freiherrn an die Seite von Konrad Adenauer und Helmut Schmidt.

Diesen Platz nimmt er jedoch nur aus der Ferne wahr. Denn der Verteidigungsminister kommt nicht selber zur Ordensverleihung, sondern schickt seinen Bruder Philipp. In der Rolle des Knappen, der ihn im Narrenkäfig vertritt, revanchiert sich der ehrenamtliche Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzer getreu dem Motto „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück“. Ein Schelm, wer unter Brüdern Böses dabei denkt. Die ARD überträgt die Ordensverleihung am 21. Februar ab 20.15 Uhr. Mit einem furiosen Feuerwerk aus Musik, Humor und so vielen Rittern wie lange nicht mehr feiert der AKV den närrischen Staatsakt. Vor ausverkauftem Saal geben sich Spitzenkünstler des regionalen Karnevals und bundesweit bekannte Kabarettisten ein spritzig-witziges Stelldichein. An erster Stelle Jürgen Rüttgers, der als wortgewaltiger Laudator die Gunst der Stunde nutzen wird. Fürstin
Gloria brilliert in einem heiter-hoheitlichen Zwiegespräch mit Kabarettist Jürgen Beckers. Als bundesweit beliebte Botschafter mit Oecher Herz begeistern Josef, Jupp und Jüppchen, Dirk von Pezold als Lennet Kann sowie die 4 Amigos.

Nein, nein, das ist nicht die große Prunksitzung aus dem Gürzenich zu Kölle mit dem Papst als Heiligsprecher. Das ist die Pressemeldung der Aachener Jecken zur Verleihung des komischen Ordens „Wider den tierischen Ernst“ an KTzG, die Lichtgestalt aus der fränkischen Provinz. Jener Mann, der in Begleitung seiner zu Höherem strebenden Gattin Kundus mit Kerner im deutschen TV rockte. Seltsam nur, das er nicht selbst in den Karnevalskäfig zu Ooche steigt. Da würde er nämliche eine glänzende Figur als bunter Geck abgeben. Wie weiland unsern Guido. Ach ja. Die Gloria TT wird auch da sein. Hoffentlich „schnakselt“ sie nicht zu heftig mit einem „Schwarzen“.

Geisterstunde mit Husni

Wer die ZDF-Sonderberichterstattung „Life aus Kairo“ mit dem hektischen Anchorman Klaus Kleber als Moderator zu nächtlicher Stunde erlebte, fragt sich schon, ob das nun journalistische Wirklichkeit oder bereits Fiktion war. Splitscreen: Auf der linken Seite des Bildschirm schwadroniert der greise 82 jährige Staatschef wie in ein einem „Märchen aus TausendundeinerNacht“, rechts zeigt eine Kamera den nächtlichen Tahrir-Platz, auf dem sich Hunderttausende versammelt hatten und viele von ihnen die Schuhe ausgezogen hatten und damit winkten. Eine arabische Geste, die tiefste Missachtung ausdrückt. Wie es nun weitergehe, fragte gestern Autor Dougan.

Offensichtlich weiß es niemand. Oder haben Angela Merkel und Guido Westerwelle noch ein europäisches Ass im Ärmel? Klaus Kleber hätte so gerne „in Echtzeit ägyptische Weltgeschichte geschrieben“. Die Enttäuschung merkte man ihm förmlich an.

Aber: Es geht ja weiter. Husni klebt offiziell wie Pattex am Stuhl und das Militär „garantiert die Ruhe“.