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Der tiefe Hang der NW zum Boulevard

Wir haben das Thema ja hier schon häufiger angerissen, aber es muß was Manisches in der Niedernstraße vor sich gehen. Immer wenn sich vom Volks- und Regierungshetzmitteilungsblatt BILD was rührt oder Karl-Theodor die neuesten ministeriellen Entscheidungen per im ministeriellen Auto beifahrender Chefredaktion eingetrichtert bekam („Fregattenkommandant beurlauben….) , ist die NW mit Heidi Hagen-P. ganz vorne mit dran und widmet dem ehemaligen Bielefelder Herrn über max. 500 Worte BILD und seiner „bezaubernd“ aufdringlichen vielschreibenden Gattin Katja Kessler reichlich viel Zeitungsplatz. Der selbst zur Cheflockerschreiberin ernannten gebürtigen Kielerin ist ihr Bielefelder Gatte „Bruder im Geiste des Gel mit Loddar und Karl-Theodor“ das meistgeliebte Objekt ihrer Romanschreibwut. „Schatzi“ nennt sie den Typ, der immer noch überdimensional eine Wand der Berliner „taz“ ziert.

Ach Kesslerin, ach Heidi H.-P. Eben ist ein Sack Reis in Beijing umgefallen und BILD hat die Schlagzeile des Tages: „Wumm. Hat es Katja, Kai und Heidi H-P erwischt?“

Vielleicht sollte man aber mal angesichts des neuesten „journalistischen“ Ergusses von Kesslers „Schatzi“ darüber nachdenken, wo Volksverhetzung beginnt?

Welche Formen die „Hetze von oben“ mittlerweile mal wieder annimmt, zeigt die Startseite des Providers Telekom, dessen „T-online“ bekanntlich von BILD befeuert wird:

Die Zahl der Strafen gegen Hartz-IV-Empfänger ist im vergangenen Jahr laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung auf ein Rekordniveau gestiegen. Insgesamt wurden 828.708 Sanktionen verhängt, das waren rund 14 Prozent mehr als 2009, wie die „Bild“ unter Berufung auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit berichtete. Der Trend hatte sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet.

Na, immer noch der Meinung, „Völkischer Beobachter“, „Der Stürmer“ und selig-DDR´s „Neues Deutschland“ könnten sich journalistisch nicht wiederholen? BILD lancierte es, dpa pinselte ab und alle, alle pinselten hinterher…. Jetzt wird es aber so kurz vor Ostern wirklich wieder Zeit, so einen Hartz 4-Schmarotzer auf Malle aufzutun und den auf Bertelsmann-RTL´s „Stille Treppe“ der Frau Saalfrank zu setzen, gell? Wenn Volk das dann in der 500-Buchstaben-Postille in schönstem Diekmann-Deutsch liest, regt es sich nicht über das auf, was wirklich aufregenswert wäre. Und davon gibt es jede Menge.

Siehste, der gefährliche „V-Mann“ Ackermann

Simon Johnson: Der deutsche Finanzsektor ist sehr problematisch, und die Deutsche Bank ist besonders gefährdet, sich selbst in die Luft zu jagen. Ihr Chef Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Bankmanager der Welt, weil er darauf besteht, eine Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent zu erzielen. Ein so hoher Gewinn ist nur möglich, weil er genau weiß, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstellt und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht. Also wird auf Gewinn spekuliert – was dann auch die Boni der Manager maximiert. Aus einem Interview in der taz mit dem ehemaligen Chefökonomen des IWF.

Komm geh. Das Ackermännchen ist doch nicht gefährlich. Erst war ein bißchen dämlich und mediengeilte nach einem Prozeß wegen Zahlungen an einen „Maximierer“ namens Esser im Mannesmann-Prozeß (dümmliches V-Zeichen), dann behauptete er allen Ernstes, die Deutsche Bank habe keinerlei Staatshilfe gebraucht (was hintenrum dann doch bewiesen wurde) und nun spricht einer Klartext über den Mann, der in den Räumen des Kanzleramtes Geburtstagsparties auf Kosten der Steuerzahler veranstaltet. Schade, daß die Schweiz den immer noch nicht gerne zurücknehmen möchte.