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Westfalen-Blatt: „USA kann von uns lernen“. Wirklich?

Viele Amerikaner beneiden uns: Deutschlands Wirtschaft wächst, der Export boomt, die Arbeitslosigkeit sinkt, und die Staats-verschuldung bleibt moderat. Während die USA an schwacher Konjunktur, hoher Arbeitslosigkeit und gefährlicher Verschuldung leiden, ist Deutschland ein Vorzeigeland. Amerika bestaunt das zweite »Wirtschaftswunder« und versucht, von unserem Erfolg zu lernen. Dies war zumindest die Stimmung, als Kanzlerin Angela Merkel jüngst in Washington hofiert wurde. Wie soll man nun die Panik verstehen, die inzwischen auch unsere Börse nach unten reißt? Denn die Daten hierzulande sind doch prächtig: Mit 3,5 Prozent Wachstum steht Deutschland gut da, und auch die chinesische Nachfrage bleibt stark. Ein rationaler Grund zur Panik ist nicht zu erkennen. Bleibt das Irrationale, das Psychologische und Spekulative. Blasen und Crashs gehören zum Wesen der Börse. Das System kennt keine Logik und wird von Zufall, Spekulation, Hoch- rechnungen und Trends bestimmt. Oft verhalten sich die Börsen anders als erwartet, wobei Neid und Gier die Spekulation anheizen. Doch nicht alles ist unlogisch: So kann man gut nachvollziehen, warum die Rating-Agentur Standard & Poor’s die Bonität der USA herabstuft. Denn die USA befinden sich tatsächlich im Niedergang: Die Schulden, militärische Überdehnung und schlechte Konjunktur bedrohen seit langem die wirtschaftliche Stabilität der Welt. Beim Streit um die Neuverschuldung hat der radikale Flügel der Republikaner den Staatsbankrott in Kauf genommen und sich wie Politpiraten verhalten. Derart viel Verantwortungslosigkeit kann in der Tat die Welt, Europa und die Börsen in Angst und Schrecken versetzen. Ein Staat USA, der in den Bankrott geht, wird zur Bananenrepublik und verliert seinen seriösen Status als Weltmacht.

Präsident Barack Obama versucht, politisches Kapital aus der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit zu schlagen: Das Etat-Gerangel habe zu lange gedauert, die Republikaner seien schuld am Debakel. Doch die Opposition wehrt sich und meint, der Präsident hätte sofort mehr Kürzungen genehmigen sollen. Während somit die politische Schlammschlacht weitergeht, sinkt das Vertrauen von Anlegern und Märkten. Amerikas Ruf ist beschädigt: Die schlechte Konjunktur und hohe Verschuldung verringern den Glauben an die politische und wirtschaftliche Kraft der letzten Supermacht. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen die USA für dekadent halten. All dies gibt keinen Grund zur Schadenfreude: Die schwachen USA schaden auch uns. Doch wir können aus dem US-Debakel lernen: Sinnlose Verschuldungen und ideologische Blockierungen beschädigen die Demokratie, den Wohlstand und die europäische Einheit. Somit sollten wir den Gürtel enger schnallen, rational denken und unseren Idealen treu bleiben – und das heißt primär: Europa, den Euro und die europäische Solidarität vor dem Niedergang bewahren. So könnte auch Amerika von uns lernen.

Liebes Westfalen-Blatt. Es gibt da einen Spruch: „Knapp daneben ist auch vorbei“. Wie lesen wir doch heute Morgen:“E.on will 10.000 Leute los werden“, „Media-Saturn: Stellenabbau hat begonnen“, „Zahl der prekär bezahlten Stellen steigt immer mehr“, „Künstlich aufgeblähter Fachkräftemangel bei gleichzeitiger Rückstufung von Fachkräften“, „Streiks bei Zeitungsredakteuren wegen zukünftiger Rückstufung geht weiter“. Klar. Wenn man einer kleinen Gruppe zu Lasten vieler Großer immer mehr zuschanzt, bleibt eine Waage nicht im Gleichgewicht. Da gibt es also für die USA gar nichts zu lernen von unseren „Helden“. Apropos Staatsverschuldung: Moderat?