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„Ab 70+ ging die Luzy richtig ab“. Per Rollator durch NW´s „Lust am Leben“

Die größte Stadt zwischen Hannover und Hamm hat ja bekanntlich eine neue Messegesellschaft. NW („Neues Wundern“) heißt sie und macht buchstäblich alles. Jetzt also auch „Messe“. Ort war am Wochenende der Nissenhüttige Gerkan-Anbau und das Foyer der Stadthalle. Zwei wirklich mitten im Leben stehende propere Damen waren dort und berichteten uns von ihren Eindrücken des neuesten Erzeugnisses des unter Geschäftsführer Wolfgang Kaller extrem umtriebigen Verlages, der nebenbei auch noch eine Tageszeitung (NW) herausgibt. Also der Generalversammlung der Anzeigenkunden:

„Am Eingang empfing uns eine Armada von Rollatoren, die von der Zielgruppe 70+ begeistert angenommen wurde. Weiter ging es an „Stressless-Liegestühlen“ der Zurbrüggen vorbei direkt zu den Hörgeräteakustikern. Hier schauten wir interessiert zu, wie der Zielgruppe die Hörrohre angepasst wurden. Besonders eindrucksvoll war ein vom Habitus her mit Migrantenhintergrund versehener Aussteller mit extrem der Zielgruppe 70+ angepassten Schals. Eine von uns wurde beschimpft, weil sie partout bei ihm nicht fühlen wollte“.

Ausstellungsmacher Hinrichsen (Lübeck), NW-Verlagsleiter Kaellein und Hans-Rudi H., der Mann, durch dessen Ideen die Stadt überhaupt erst zu dem Kleinod wurde, daß die meisten Besucher vorbeifahrend nicht finden, wurden beim Anschlagen der Sektgläser allerdings nicht gesichtet. Donna Lüttchen sagte später bei der Anhörung des Zielgruppenguckens: „Doll, doll. Gabs Hüpfburgen für die Enkel der Zielgruppe? Früher blieben die Schuster bei ihren Leisten“.

Wie schreibt die Messegesellschaft NW heute? „3.000 Besucher“. Tja, die OWL-Familien sind schon ziemlich klein und die – hinter vorgehaltener Hand maulenden – Aussteller standen sich die Beine in die Bäuche….

… weil es in der Zeitung stand

Der Buchautor Marco von Münchhausen, ein Ur-Ur-Ur-Ahn des „Lügenbarons“ gleichen Namens, war auf Einladung der NW in der Stadthalle zu Bielefeld zu Gast und referierte über sein Buch* Dabei fiel wohl auch der Satz, warum „wir“ wissen, dass Osama bin Laden tot sein. Es „stünde in der Zeitung“.

Nun wollte ich nicht näher auf die Veranstaltung eingehen, der ich nicht beiwohnte, aber genau diesen Satz aufgreifen. Schließlich steht er ja so in der Zeitung. Folglich ist er so wahr, wie der Berichtsschreiber Mattias Tonhäuser ihn verstanden hat und zitiert.

Woher weiß die Zeitung das mit Bin Laden? Weil „dpa/AFP/ANSA/Reuters/ITAR-TASS“ und wie sie alle heißen, das ja gemeldet haben.
Frage: Waren die dabei? Antwort: Nein.
Warum schreiben sie dann so, als ob es die einzige Wahrheit wäre? Weil sie Regierungsnachrichten verbreiten.

Brechen wir das mal runter auf hiesige Verhältnisse, hiesige Zeitungen. Die bekanntlich zu ganz großen Teilen ebenfalls aus bearbeitetem Material der Agenturen bestehen, über die es bei „Wikipeda“ heißt:

Nachrichten- und Presseagenturen (nicht zu verwechseln mit Nachrichtendiensten) liefern Nachrichten, die Informationen über aktuelle Ereignisse enthalten, als vorgefertigte Meldungen für Massenmedien zur Verwendung in Zeitungen, Internetportalen und Nachrichten-sendungen. Die Presse- und Nachrichtenagenturen spielen im weltweiten Nachrichtenfluss eine zentrale Rolle. Heutiger Journalismus wäre ohne Nachrichtenagenturen kaum möglich. Über 180 Nachrichtenagenturen gibt es zurzeit weltweit; die meisten von ihnen beliefern nur den Pressemarkt ihres eigenen Landes. In Deutschland gibt es aus historischen Gründen besonders viele Presseagenturen.

Ist also der Tod von Bin Laden nun wahr, „weil er in der Zeitung stand“? Wohl kaum. Das Puzzlebild, das schnelle Medien wie TV, Radio und vor allem Internet zeichnen, zeigt letztlich nur: Keiner weiß wirklich etwas wirklich Wahres. Keiner hat wirkliche, authentische Bilder. Nahezu jeder unterliegt der Macht der Bilder, die einen in szenierten Obama am Ground Zero zeigen und vor allem einen Eindruck erzeugen sollen:

„Leute atmet auf. Der Präsident hat die Wahrheit“

Wie widersprüchlich die minutenschnell sich änderenden Meldungen der Agenturen, der Nahrichtens enden usw. wirklich sind, wird debei verdrängt. Wiederum übertragen auf lokale Verhältnisse: Das Interesse der meisten heutigen Zeitungen ist zu allererst dem wirtschaftlichen Erfolg des Verlages geschuldet. Die Reportage, das Bild, das Interview mit z.B. einem Ladeninhaber an der Obernstraße zieht wie das Amen in der Kirche den Anzeigenvertreter des Verlages auf den Plan. Man kann sicher sein, der soeben porträtierte Mensch tut genau das, was Zeitungen schon ewig tun: Er schaltet seine teure Anzeige im Blatt, das am anderen Tag zum Gemüseeinwickeln verwendet wird. Möglichst 3 mal, weil er dann Wiederholungsrabatt bekommt.

Warum tut er das? „Ich stand schließlich in der Zeitung. Da glaubt man mein schönes Angebot jetzt“.

Nun gut. Glauben wir das einfach mal. Oder? Unglaublich ist, daß es aus den „Verlagen der Wahrheit“ auch Tassen mit Logo, Rabattkarten, T-Shirts. Kalender und sonstiges „Merchandising-Material“ gibt.

Extrem glaubwürdig.

* Marco von Münchhausen

Über den Webauftritt der Metropole


Der
„etwas andere“ (schüchterne) Bielefeld Blog (Eigene Aussage) beschäftigte sich vorgestern mit dem Relaunch der Homepage der Metropole und merkt richtig an, es habe sich „kaum etwas verändert“. Stimmt. Schauen wir doch mal hinter die Kulissen. Laut Impressum des Bielefelder Auftrittes ist ein gewisser „Pit Clausen“, wohl als Peter Clausen zur Welt gekommen, verantwortlich. Die gewohnt bösen Zungen sagen, er sei Oberbürgermeister dieser Stadt. Was die nun starke Verwendung der offiziellen Stadtfarbe „rot“ erklärt. Schließlich trägt der berühmte Clausensche Bollerwagen, dem demnächst auf der renovierten Detmolder Straße ein Denkmal a la „Friedrich der Große unter den Linden“ erbaut wird, diese Farbe. Ferner mischt Hans-Rudilis H´s Stadtmarketing mit und gestaltet hat wie so vieles, wo Bielefeld-Marketing mit drin ist, MESHiNE | Digitale Mediengestaltung Dipl.-Des. Marko Löbel, hiesig ansitzend. Konzeption, Programmierung und Betrieb liegen in den Händen der Düsseldorfer IT-On.NET GmbH. Der „etwas andere Bielefeld Blog“ merkt ferner an, „es fehlte wohl der Mut, einen größeren Schritt zu gehen“.

Das, liebe Freunde, wäre auch seitens einer Stadt wohl nicht zu erwarten, die zwar die Größte zwischen Hannover und Hamm ist, aber demnächst drittklassig Fußball spielen läßt, regelmäßig nicht nur in Fernsehkrimis aus Münster auf den Roller genommen wird und ansonsten nach der Devise vor sich hin lebt: „Laßt uns bloß in Ruhe. Bielefeld ist viel schöner als ihr behauptet, den Männern geht es hier besser als in den meisten deutschen Städten und in der geistigen Kleintierhaltung sind wir auch viel weiter als anderswo“.

Lieber „etwas anderer“ Bielefeld Blog. Wenn das arschitektonische Kleinod Kesselbrink erst mal „AufgeMosst“ ist, dann geht es voran in dieser Stadt. Wahrscheinlich werden dann die berühmten „Drei Sparren“ gegen Pitis Bollerwagen ausgetauscht und das Stadtmotto in „Holprig in alten Mauern“ umformuliert. Und überhaupt: auf alten Bildern des heutigen Retortenstadtteils Stadtbezirks Senne sieht man „Nissenhütten“ als Bebauung. Welche Stadt dieser Größe kann sich schon rühmen, nun so etwas aus berühmter Architektenhand neben seiner Stadthalle stehen zu haben? Da gehört wahrlich der geballte Mut der Provinz dazu.