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„Die verlorene Ehre der Katharina Blum“

Die ZEITUNG stellt den Verdacht gegen Götten als Tatsache hin. Tatsächlich ist der Verdacht falsch; Götten hat einen Safe der Bundeswehr ausgeplündert, Bilanzen gefälscht und Waffen gestohlen, aber keinen Mord oder Bankraub begangen.

Die ZEITUNG stellt Katharina als Göttens Mittäterin und „Flittchen“ hin. Sie behauptet, Katharina habe Götten schon seit Jahren gekannt, da andere Hausbewohner gegenüber der Polizei angeben, sie habe „Herrenbesuche“ empfangen. Tatsächlich ist dieser „Herrenbesuch“ ein bekannter Industrieller, den Katharina bei ihrem Arbeitgeber kennengelernt hatte; obwohl sie ihn stets abwies, hörte er nicht auf, sie zu bedrängen.

Die ZEITUNG verfälscht Aussagen von Personen, die Katharina kennen. So wird etwa aus dem Satz „Katharina ist eine sehr kluge und kühle Person“ in der ZEITUNG die Beschreibung „eiskalt und berechnend“. Die Charakterisierung „Wenn Katharina radikal ist, dann ist sie radikal hilfsbereit, planvoll und intelligent“ (S. 42) wird durch die ZEITUNG verdreht in „Eine in jeder Beziehung radikale Person, die uns geschickt getäuscht hat“ .

Der ZEITUNGsreporter Werner Tötges behauptet, Katharinas sterbende Mutter im Krankenhaus aufgesucht zu haben, wo er sie mit den Vorwürfen gegen ihre Tochter konfrontiert habe. Am darauffolgenden Tag stirbt die Mutter.

Infolge der Berichterstattung der ZEITUNG wird Katharina mit beleidigenden, hasserfüllten und obszönen Anrufen und Zuschriften bombardiert. Die zu Beginn gesellschaftlich voll integrierte junge Frau wird zu einer verachteten Außenseiterin. Auf den tröstenden Hinweis, dass es auch andere Zeitungen gebe, die korrekt berichteten, erwidert sie: „Alle Leute, die ich kenne, lesen die ZEITUNG!“

Nachdem Götten verhaftet ist, verabredet sich Katharina mit Tötges unter dem Vorwand, ihm ein Interview geben zu wollen, und erschießt ihn, als er ihr – wie viele andere Männer vorher – „an die Kledage“ (S. 135) (Kleid) geht: „Was guckst du mich denn so entgeistert an, mein Blümelein – ich schlage vor, daß wir jetzt erst einmal bumsen“ (ebd.). Danach streift Katharina durch die Stadt, „um Reue zu finden, habe aber keine Reue gefunden“ (S. 9), und stellt sich schließlich der Polizei.

In einer Entwurfsniederschrift der Erzählung hatte Böll einen Schluss mit einem Selbstmordversuch Katharinas konzipiert.

Nichts anderes macht aktuell die Verblödungspostille der Nation und schiebt scheibchenweise Bekanntes für die Masse des lechzenden, bereits extrem verdummten Volkes der DSDS und „Schwiegermutter gesucht“-Zuschauer nach. Vergessen Sie mal die Ungeschicktheiten eines durch eine Intrigantin und Machttaktikerin in das höchste Amt Geschobenen und völlig Überforderten ehemaligen Provinzpolitikers und braven Schweijk einer verkommenen „christlichen“ Partei und ersetzen Sie einfach „Zeitung“ durch beliebige Namen wie Diekmann, Döpfner, Springer, BILD, Spiegel usw. Würden Sie nicht auch Bölls Katharina Blum verstehen?

Deshalb würde OBPit niemals zum Bundespräsident gemacht werden wollen, selbst wenn die rote, von Madsack in Hannover gesteuerte Parteipresse das so wollte und ihn ins höchste Amt schrübe….

(Heinrich Böll: „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“. 1974)

Heute schon Ge-EHECT?

Lang haben sie nicht gehalten, die „Sprossen“ als Verursacher der schrecklich-schönen Nahrungsseuche. Mal sehen, welche Sau heute durchs Dorf getrieben wird…wir haben ja wieder die Hightime derer, die mit ständig neuen News-Spekulationen ihre Anzeigengeschäfte machen und jener Selbstdarsteller, die den künstlichen Medien-Hype nutzen, um sich öffentlich ins Gespräch zu bringen. Offenbar leben wir nun im Zeitalter der „Annahmen und Vermutungen“, die von debil vor sich hin sabbernden „Experten“ von RTL bis Robert-Koch-Institut ins Volksbewusstsein entsorgt werden. Irgendwann haben Sie es geschafft, die hauptberuflich Vermutenden von „BILD-BLÖD“ bis „Spiegel-wichtig-wichtigtu“: Dann sind wir alle tatsächlich so geistig verarmt, wie sie uns gerne hätten…oder retten uns noch die Bielefeld- und andere-Blogs dieser Welt?!

Müssiggang auf dem Siggi

Während ein paar hundert Meter weiter getrommelt, gepfiffen, Gesambat, Gesalsat und bunt flaniert wurde, herrschte auf dem Siggi eher Müssiggang. Wenn nicht diese beiden Till Eulenspiegels jungen Männer einen Rahmen mit Spiegel über die Straße trugen. Fast hätte sich die erst kürzlich von der Fotografin porträtierte und im Laden ausgestellte junge Dame darin gespiegelt. Aber eben nur fast.

Die älteren „Steckerlpieseler“ (Münchner Ausdruck für ältere männliche Biergartenbesucher) unter gelbem Schirm kriegten es nicht mit.

Gefährlicher wurde es schon für unsere erkennbar asiatischen weiblichen Besucher der Metropole, als sie in der gläsernen Rotunde in den Abgrund der kleinsten U-Bahn der Welt fuhren, wo „Siegfrieds Tod“ lauert.

So ist das eben auf dem Siggi, wenn das Nachtens Reste zusammengekehrt auf Abfuhr warten….

Nur mal so. Welche Biermarke präferiert eigentlich unser NW-Rouven, bei seinen „Streifzügen mit Notebook“ im Westen?

„Im Fegefeuer der Eitelkeiten“

Im „Der Freitag„, jenem publizistischen Kind des – angeblich/nicht angeblichen – Sohn des ehemaligen „Mr. Spiegel“, Rudolf Augstein („Ne Abjrund von Landesverrat“, Konrad Adenauer damals anläßlich der Durchsuchung der Spiegel.-Redaktion) schreibt Michael Angele über eine zeitlich sehr seltsame Verkettung der Ereignisse. Da hat Frankreichs Mininapoleon Sakotzy Probleme, ist seine holde Angetraute plötzlich schwanger und IWF-Chef Strauss-Kahn wird ein angeblicher/nicht angeblicher Vergewaltigungsversuch in einem New Yorker Luxushotel vorgeworfen und er von einer überaus lächerlich-bigott-rigorosen US-Justiz vorgeführt.

Aber was echauffieren wir uns. Heute der Jörg Kachelmann öffentlich -im Radio über WDR 2 gehört – zu den Anschuldigungen der angeblichen Vergewaltigung einer Provinzradiomoderatorin gesprochen Jawoll, er hat noch Stimme und die ganze anrüchige Geschichte bis hin zu BURDA- BUNTEBudda „Scheisserle“ Hubert B. stinkt von den per Mediengeschwafel vorliegenden „Fakten“ her erstaunlich in Richtung Vorwürfe Strauss-Kahn.

Nun, das kann alles auf der Insel der Seligen, Pizzafeld, nicht passieren. Da sind die Leute diskret. Affairen werden eher im Schatten des Johannisberg gewispert oder bei den Eseln in Olderdissen nachts diskutiert, wenn NW-Heidi HP grad die Taschenlampe ausgeknipst hat und unser Westen-Rouven das Notebook. Ausserdem: Was bitte soll in dem Stadtrat an der Niedernstraße schon passieren, wo man eher Ingeborgs grüne Turbinen surren hört.