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Jahrzehntelang mitgemurkst

Der „Lotse“ ging von Bord. Jahrzehntelang hatte er in diversen wichtigen Gremien des kleinen Clubs von der grünen Alm mitgemurkst. Dann meinte er, unbedingt Präsident diese Clubs werden zu müssen. Er, der – obwohl Chef der Stadtwerke – ungestraft zu einem der wichtigsten roten Strippenzieher dieser seltsamen an Possen reichen Metropole an der reißenden Lutter gezählt werden darf. Er kneift jetzt den Arsch nicht mehr zusammen. Er läßt sich das „nicht mehr gefallen“. Er fühlt sich „hintergangen“. Er mag nicht mehr. Bäääääääääääääääää. Längst zeigen andere der ofenfrischen Stadt, wie das geht mit einem Erstligaverein. Mainz. Augsburg. Sinsheim. Freiburg.

Die wirklich Beschissenen sind die knapp zehntausend glühenden Anhänger der Schwarzblauen. Die treu und brav ihre Kohle auf die Alm schleppen. Jeden Humburg von Liga 1 bis jetzt 3 mitmachten. Immer in der Hoffnung, es werde mal besser. Die sogar die Kentschen Haupttribünenfürze umrahmt von Schalmeiengesängen billigten, die das versenkbare Schwick-Memorial („Begrabt mich einst im Mittelkreis der Alm“) bejubelten. Die auch in Liga 3 gegen Sandhausen wieder jubeln, hoffen und bangen. Die sogar in Liga 4 oder 5 bei Wind und Wetter da stehen würden, obwohl sie die Namen der Adidas-beschuhten Legionäre schon gar nicht mehr zählen oder gar nennen können.

Wo bleibt eigentlich der journalistisch sorgfältig recherchierte Hintergrund dieser Alt-Bielelefelder Männertragödie?

Westerwelles Rückzug auf Raten

Dr. Westerwelle möchte nun auch auf die Position des Vizekanzlers verzichten.

„Es ist völlig klar, dass der nächste Parteivorsitzende, wenn er dem Kabinett angehört, auch Vizekanzler wird“, so sagte er.

Nun ja, damit dürfte klar sein, daß Rösler den Job übernimmt. Doch ob es besser wird? Der Krawatten-Samurai, der das Gesundheitssystem ziemlich beschissen gestaltet, ist nicht gerade beliebt beim Volk und sorgt für viel negative Schlagzeilen.

Selbst mit Christian Lindner darf man nicht allzu viel erwarten. Als dieser ins öffentliche Blickfeld gelangte, wurde er als „Wunderwaffe“ stilisiert. Gebacken gekriegt hat er aber noch nicht viel. Mag auch an dem langen Schatten der alte FDP-Garde liegen, doch Skepsis ist angebracht.

Gutti geht. Für immer?

Er ziehe sich von seinen politischen Ämtern zurück, erklärte der 39-Jährige. Er wolle damit „politischen Schaden“ abwenden. „Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens.“ So rauscht es über die Pressedienste.

Nun, ein wirkliches Wunder ist es nach dem sehr doof angesetzten Versuch, eine Hängepartie „auszusitzen“ und der phantastischen „Unterstützung“ durch Kanzlerin Merkel ja nun wirklich nicht. Aber keine Angst. Jetzt wird sein Chef, der BILD-Redaktor K. Diekmann als Dank für gesteigerte Auflagen seine „Einnerungen eines Lügenbarons“ promoten, was das Zeug hält. Im garstigen Ingolstadt hört Seehofer, Horst auf den Kasematten stehend gar nicht mehr auf, sich die Schenkel zu klopfen und Gutti-Weibchen „Barbie“ Stefferl kann nun endlich durchstarten.

Aber jede Wette. In zwei Jahren steht der wieder auf und lässt sich zum boarischen Minipräses wählen. Bis dahin ist das ganze zu einer Marginale politischen Marginale verkommen und das Gedächtnis der Menschen kurz. In Bierzelten oder fränkischen Äbbelwoikneipen hohle Reden zu schwingen kann er fürwahr.

Auch auf den „Nachdenkseiten“ beschäftigt sich Jörg Berger mit dem Rücktritt und bezeichnet ihn als „unaufrichtig“. Ach was, er instrumentalisiert in seiner unnachahmlich verschwurbelten Sprechweise (Wie verstehen das BILD-Leser übehaupt?) die Soldaten in Afghanistan für sein Fehlverhalten:

„Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht“, so zu Guttenberg in seiner Rücktrittsrede. Guttenberg setzte alles auf die Karte „Aussitzen“ und verlor. Da er aber nur noch alleine mit der BILD-Zeitung im Bunker saß und die kritischen Einschläge immer näher kamen, blieb ihm nur noch die Kapitulation. Wer so wenig Einsicht in sein persönliches Fehlverhalten zeigt, hat sich auch eine „zweite Chance“ verbaut.

Schattenkanzler Diekmann läßt abstimmen

Das bei dem Ex-Bielefelder Kai Diekmann im Oberstübchen nicht alles so ganz fest verschraubt ist wie notwendig, wissen wir ja. Aber nachdem neulich in der „Gorch-Fock-Affäre“ ein Redaktionsmitglied bei Herrn Lügenbaron mitfuhr und er daraufhin per BLÖD den Kapitän des Segelschulschiffes suspendierte, das hat neue Qualitäten. Von Herrn Diekmann möchten wir uns nun wirklich nicht „regieren lassen“. Wer Freunde wie dieses Plebejer-Blatt hat, der braucht keine Feinde mehr.

Ach so, bevor wir es vergessen: 12 Stimmen von hier für „Rücktritt“. Die 12 x 14 Cent für die Anrufe waren es uns wert.

Es tut mir ja auch leid, wenn wir Bielefelder und Ostwestfalen noch ein wenig Karl-Theodor Barn von zu Guttenberg-Münchhausen etragen müssen. Aber wer ihn nicht als näcjhsten Kanzler einer CSU-geführten Banananrepublik haben will, muss ihn eben sezieren und seine Hohlheit entlarven. So wie das Hans Hütt auf „Carta“ mit der Kelkheimer Rede vor bedingungslos Huldigenden getan hat. Da kommt dann schön zu Tage, wes hohlen Geistes Kind der junge Herr aus der fränkischen Provinz wirklich ist:

Hier inszeniert sich der Narziss in einem Naturbild, das ihn als Solitär, als standhaft, in uralter Tradition von Schutz und Gehorsam stehend, überhöht. Das Bild versetzt zugleich die durch Geschäftsordnung der Bundesregierung und geltende Gesetze definierte Funktion seines Amtes in eine post-zivile Höhenluft, die ihm, wie die folgende Passage belegt, nicht gut bekommt. Er hyperventiliert. Kommt vom Weg ab. Vergreift sich in der Metapher. Begeht Bergfrevel. Kann also nicht einmal in der familialen rhetorischen Domäne reüssieren, ohne Spuren zu hinterlassen, die den Täuschungsversuch – oder sollte ich besser sagen: den Selbsttäuschungsversuch? – offenbaren.

Gutti haut schon wieder auf die Kacke

Der beginnt mit einem Paukenschlag. Denn der Freiherr verzichtet auf seinen Doktortitel, die Prüfung der Universität Bayreuth wartet er gar nicht mehr ab. Zu erdrückend offenbar findet er nun selbst die Plagiatsvorwürfe. „Ich habe mich am Wochenende noch mal mit meiner Doktorarbeit beschäftigt und feststellen müssen, dass ich gravierende Fehler gemacht habe“, gesteht Guttenberg ein. Das seien Fehler, die den wissenschaftlichen Kodex nicht erfüllten. Er habe aber nicht bewusst getäuscht, versichert er. Quelle: Spiegel.online von heute

So, jetzt kommt „der neue Guttenberg“. Der angesichts der erdrückenden Belege seiner Plagiatorentums – unter den Abgeschriebenen auch der Bielefelder Juraprofessor Franz C. Mayer – sich hinstellt, den „Reumütigen“ spielt und dann auf die verbale Pauke haut. „Kampfansage an die Medien“. Muster: Franz Josef Strauß, Roland Koch, und ähnliche „Größen“. Wer sich immer noch wundert, warum das Image von Berufspoilitikern noch unterhalb von Zuhältern und Mafiosi rangiert, bekommt hier den neuesten Beweis. Und wie regiert die breite, doofe Masse des Wahlvolkes? Stellt sich hin, breitet die DOOF aus und steckt den leeren Kopf dahinter: „Ha. Ein Aufrechter. Ein Ehrlicher. Verzichtet sogar auf den Doktortitel. Den kann ich wählen“. Vor allem sein beginnender Rechtsdrall („Ich habe Sarrazins Buch gelesen und finde die Ansätze sehr interessant“. Eine neue „Deutsche Tea-Party“ mit tosendem Beifall?) gibt zu denken.

Der Grad seiner politischen und menschlichen Verkommenheit lässt sich aber bereits ablesen, wenn er laut Spiegel.online selbst den Tod dreier Bundeswehrsoldaten in Afghanistan instrumentalisiert für seine perversen Spielchen:

Es sei in der letzten Woche „mit Sondersendungen und allem Pipapo“ über seine Dissertation berichtet worden, gleichzeitig aber der Tod dreier Soldaten in Afghanistan zur „Randnotiz verkommen“.

Nein, dieser Mann mit dem Gelhelm hat wahrlich nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Das war so. Das ist so. Das wird immer so sein. Weil „die Medien“ vom Schlage BUNTE. BILD, Focus, RTL, SAT-Gruppe aus bestimmten Häusern leider die Lufthoheit in Sachen Volksdummheit haben, wird der Vogel bald wieder als „Hoffnungsträger und Lichtgestalt“ dastehen. Mal sehen, was er als Nächstes plagiiert. Seine Geburtsurkunde? Der Lebenlauf ist ja schon angepasst. Da wird aus einem läppischen kleinen Praktikum bei der „Welt“ eben flott ein „Freier Journalist“ und aus Praktika in Frankfurt und NY werden „Berufsstationen“.

Vielleicht möchte die Masse aber auch nur getäuscht und geblendet werden. Die daraus entstehende gärende Suppe solcher zwielichtigen Gestalten müssen wir aber leider mit auslöffeln. Siehe die bereits jetzt völlig verkorkste „Bundeswehrreform“.

Max Steinbeis analysiert auf seinem „Verfassungsblog“, warum sich bestimmte Schichten mit dem plagiierenden Freiherrn solidarisch erklären und nennt das den „Sarah-Palin-Effekt“. Ich glaube, der Bub aus dem Fränkischen ist zwar bauernschlau, aber wie der Umgang mit seiner eigenen Doktorarbeit und seine überaus schlappe Verteidigungsstrategie zeigt, letztlich nicht intelligent genug, diese Scharade durchzuziehen. Mutti Merkel wird ihn dann fallen lassen, wenn die Felle endgültig davon geschwommen sind. Was sich momentan ja schon klar abzeichnet. Es gab bekanntlich auch bei der letzten Bundestagswahl über 14%, die ihr Kreuz bei den hohlen Nieten der FDP gemacht haben und den zum Gespött degradierte Guido Westerwelle „Klasse“ fanden. Meist dauert es nicht lange, bis das Volk seine Fähnchen wieder woanders hin schwenkt.

Was geschieht nun…?

Das Chaos wird offenkundig immer größer. Die Armeeführung fühlt sich nicht mehr in der Lage, Recht, Ordnung und Gesetz aufrechtzuerhalten, geschweige denn die reguläre Polizei. Ist nur die Frage, wie Herr Mubarak einen relativ würdigen Abgang bekommt. Ins Ausland wollte er nicht gehen, da ihm dann wahrscheinlich das selbe Schicksal in Deutschland erwartet hätte, wie einst Herrn Arafat in Paris. Dieser starb in einem Krankenhaus, Mubarak will in Ägypten sterben und wird selbst das wohl nicht mehr können. Und so wird er die Macht an Suleiman vorraussichtlich abtreten und irgend wo ins Exil gehen. Geld genug hat er. Die Frage ist, ob das Volk den Suleiman akzeptiert, oder nur als Übergang bis zur nächsten Wahl duldet.

Und wenn Neuwahlen, wie frei werden sie sein und wie wenig Manipulation. Ein zweites Teheran, wegen Wahlfälschung? Wir werden sehen.

Das Militär jedenfalls wird nur dann putschen, wenn Suleiman entweder nicht akzeptiert wird, was aber unwahrscheinlich ist, oder falls die Wahlen in den kommenden 60 Tagen nichts vernünftiges bringen. Es ist nicht unklar, was Mubarak vor hat, sondern wie es nach ihm nun weitergeht. Und dies ist das Probleme. Wer hat nach 30 Jahren und in der westlichen Welt Bock auf eine, wenn auch zeitweilige Militärdiktatur und schleichendem Übergang? Solche Erfahrungen machte man schon mit Franco in Spanien.

Es besteht natürlich die Möglichkeit, daß Mubarak ein letzes Mal versuchen wird, das Militär auf seine Seite zu ziehen und den Aufstand doch noch mit Panzern niederzuwalzen, aber das ist absurd.