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„Respektlosigkeit gegenüber Amtspersonen“?

In den vergangenen Jahren ist die Respektlosigkeit und Aggressivität gegenüber Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungskräften allem Anschein nach gestiegen. Bei Demonstrationen, Volksfesten, Sportveranstaltungen oder auch im ganz normalen Alltag gibt es offenbar eine Spirale der Gewalt. „Immer häufiger und immer schneller wird getreten, geschlagen oder es werden unvermittelt Steine oder Glasflaschen auf die Einsatzkräfte geworfen.“ So steht es in einem Antrag der CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, mit dem sie die rot-grüne Landesregierung unter anderem auffordert, sich auf Bundesebene für die Schaffung eines neuen Straftatbestandes („Tätlicher Angriff auf Amtsträger“) einzusetzen.

Die NW beschäftigt sich mit einem heißen Eisen. „Mangelnder Respekt gegenüber Amtspersonen“. Halleluja. Erinnert irgendwie in der Formulierung an bestimmte dunkle deutsche Zeiten. Oder ist einfach nur unglücklich formuliert. Angesichts der Eskalationen polizeilicher Gewalt, dem Einsatz „schwerer Waffen“ und Knüppelorgien taucht die Frage auf, wann „Respekt vor Amtspersonen“ zu beginnen hat oder was eher wirkt wie das idiotische Grüßen des „Gessler-Hutes“ in Schillers „Wilhelm Tell“.

Man kann Respekt vor einem Amt haben. Trägern rabenschwarzer Roben oder gewählten Präsidenten. Wenn jemand aber partout seinen Namen nicht per Nummer oder Namensschild preisgeben will, ist es schwierig mit dem „Respekt“. Führen wir doch einfach „vorauseilenden Gehorsam“ wieder ein und niederknien vor einer Person, die „amtlich unterwegs“ ist. Die auch schon mal anordnet, das Du „polizeilich behandelt“ wirst, per Wasserwerfer das Auge ausgeschossen bekommst oder von Tornados fotografierend überflogen wirst. Oder so wie das offensichtlich jede Menge Hart 4-Empfänger bei ihrem Bittgang tun müssen. Ach Sie kennen niemand, der mit „Beamtens und Respektspersonen“ zu tun? Dann wirds aber Zeit und das Knie bitte vorauseilend gebeugt. Es ist nun einmal ein schlimmes Merkmal bestimmter konservativer Kreise mit Hang zum leichten Rechtsdrall, auch normalen bürgerlichen Protest, den das GG abdeckt, als „respektlos“ abzutun. Respektlos im Sinne von „normal mit jemand umgehen“, um das auch hier noch festzuhalten, sind wir allerdings gegenüber all denen, die gegen gute Bezahlung und lebenslange Absicherung lediglich ihren Job ausüben. Möge sich jeder denken, wen wir meinen.