Schlagwort-Archiv: Nachdenkseiten

Thatchers Saat geht auf

Es wäre zu einfach, die in Großbritannien sichtbare Gewalt und die Plünderung einfach auf die schlimmen sozialen Verhältnissen zurück zu führen. Da kommt einiges zusammen. Aber die so genannte Eiserne Lady hat mit der Zerstörung des Zusammenhalts, mit dem Predigen von ökonomischem Egoismus und der Kommerzialisierung aller Lebensverhältnisse, mit der systematischen Schwächung der Arbeitnehmerschaft und damit der weiteren Trennung der britischen Gesellschaft in oben und unten den Boden für die Gewaltwelle bereitet. Albrecht Müller schreibt auf den „Nachdenkseiten“ über das böse Erbe der Margaret Thatcher. Ähnlich denkende Typen wie diese „Dame“ gibt es hierzulande auch. Man sollte sie sich genauestens anschauen.

Bald Überbeschäftigung in Schland?

Anmerkung unseres Lesers J.A.: Unseren täglichen “die Wirtschaft läuft toll”-Jubelartikel gib uns heute… der SPIEGEL behauptet sogar wahrheitswidrig, “Mehr als eine Million Jobs bleiben unbesetzt” … Dann könnten ja die Löhne endlich mal richtig steigen, stattdessen sinken sie weiter. Kein Wort zu den unglaublichen Risiken der Exportorientierung und der Austeritätsprogramme in unseren Hauptabnehmerländern in der EU. Die Unterschiede zur DDR-Jubelpresse sind bestenfalls noch graduell. Diese Anmerkung findet sich heute in den „Nachdenkseiten“ zu einer kritischen Betrachtung des Jubelartikels „Exporte brechen alle Rekorde“ auf Spiegel-online.

Auch unsere NW kommentiert diese „Jubelarien“, bleibt aber merklich nachdenklicher. Alles ist gut. Wenn da nicht bei Stefan Schelp der letzte Satz im Kommentar zu finden wäre: „Ostwestfalen holt auf. Darüber freuen wir uns. Diesmal ganz ohne Sorgen“.

Oh Mann.

Gutti unter Beschuß

Offener Brief der Stammbesatzung der Gorch Fock

Sehr geehrter Herr Minister,
mit diesem Brief möchten wir uns als Stammbesatzung zu den Behauptungen, die in der Presse kursieren, äußern. Des Weiteren soll dieser Brief Ausdruck und Zeichen sein, wie sehr die Stammbesatzung hinter ihrem Kommandanten steht. […

Das Feuer auf den so hochgejazzten „Politstar“ ist freigegeben. Ein hinter der Fassade doch ziemlich inhaltsleerer Politeleve wird enttarnt. Auf den TV-Kanälen: „Gutti“. In den Printmedien „Gutti“. Auf den „Nachdenkseiten„: Gutti. In einem Brief hat die Stammbesatzung jetzt dem Superforschen („Ich? Ich mache keine Fehler. Die machen nur die Anderen“) ihre Stellungnahme übermittelt. Was war er noch mal in der skandalumwitterten Mittenwalder Gebirgsjägerkaserne? Was war er da noch gleich?

Die verdummte Republik

Noch findet ja die wundersamste aller großen Städte zwischen Hamm und Hannover und umgekehrt relativ selten im öffentlich-rechtlich oder privat-werbebezahlten Fernsehen statt. Noch. Und zum Glück. Wer über das reflektiert, was da allabendlich auf der Mattscheibe geboten wird, kann sich eines gewissen Brechreizes nicht entziehen. Dennoch erwischt man sich dabei, nahezu „automatisch“ einzuschalten. Bis man sich dabei erwischt, nicht einmal hinzugucken, was da an Abstrusitäten ablaufen.

Auf „Nachdenkseiten“ hat Klaus Ulrich Spiegel dieses Kommerzmonster, seine Einflüsse und die Absurditäten des GEZ-zwangsfinanzierten Öffentlich-Rechtlichen seziert:

Beispiele: Die Selbstpreisgabe und Selbstauslieferung an den Kirch-Sender PRO7 im “Neukonzept” des (ohnehin sinnfreien) Song-Contest “Grand-Prix de la Chanson” mit der Schöpfung einer deutschen Tralala-Biene, vor allem aber der Integration des dümmlich-frechen Kommerz-Moderators und Privatsender-Machthabers Stefan Raab als Programm-Macher der ARD. Oder, noch skandalöser, das Engagement des Quizmasters Jauch als angeblicher “Doyen des deutschen TV-Politikjournalismus” ins Prime-Program der ARD. Dies für unverantwortlich schamlose Gebührenmillionen und dazu noch Produktionsverträge mit dessen privat-eigenen Sub-Unternehmen – und dies bei weiterdauernder Top-Position des (in seiner drögen Provinzialität m.E. ohnehin unerklärlich hochgejubelten) Moderators als Star-Quizer bei Bertelsmanns RTL. Und das bedeutet: Ein langfristig substanzzerstörendes Go-In des Bertelsmann-Konzerns übers “Erste” in den Verbund der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.

Nur mal so zu Stefan Raab. Wer die letzten „Schlag-den-Raab“-Sendungen auf Pro 7 in ihrer unendlichen, langweiligen, von bescheuerten Werbespots unterbrochenen Monotonie zumindest quergesehen hat, der hat „die Zukunft“ gesehen. Aktuell wird so grade umgesetzt mit der Lenaschen Allpräsenz, mit der Stefan Raab und die ARD „Grand Prix Eurovision“ zu einem Megahampelevent in Düsseldorf aufputschen. Früher musste man noch Morphium, Schlaftabletten oder viel Alk schlucken, um sich „in Stimmung“ zu bringen. Heute schafft das Commerz-TV das auf ständig sinkendem Niveau.

Deshalb: Glitzermetropolen-TV jetzt! Der Konzern B. aus der langen langweiligen Nachbarstadt G. hat sicher schon was Fertiges in der Schublade.

Mit spitzem Stift die Betonfrisur gekämmt


Gut getroffen hat Karikaturistin Christiane Pfohlmann auf den „Nachdenkseiten“ die intimen Stunden auf der Burg in der fränkischen Provinz

Die „Nachdenkseiten“ sind ganz sicher keine Freunde des fränkischen Topmodels mit der Betonfrisur, dessen „politische Künste“ derzeit ziemlich krass zum Vorschein kommen. Wo nichts ist wird auch nichts werden. Da muss eben Kinderpo…Barbie Stefferl in die Lücke springen. Wie wäre es mit einer „authentischen“ Show vom Hindukusch mit Durchquerung der Wüste Doofi per Gorch Fock?

Aber machen wir uns nichts vor. Es ist traurig. Der Schwanengesang auf diese beiden Lichtgestalten hat läöngst das Finale erreicht. Wie das aussieht, wenn die „Qualtätsmedien“ den wie weiland Guido Westerwelle zu Unrecht Hochgeschriebenen demontieren, liest man sehr schön hier. Wer den ebenso lächerlichen wie politisch gefährlichen Wallstreet-Auftritt mit Armen wie Opel-Jesus niemals verdrängt bekommen hat, der wusste, was den Phantasten mit dem Hang zum dozieren eines Tages erwartet. Horst „Halsdreher“ Seehofer wird ihn ganz gewiß nicht retten.

So macht man „moderne“ Politik nach Herrenmenschenart

Wie sehr wir hier an der Blitzerschlagbaumbewachten A2 im geistigen und politischen Rückstand leben wird deutlich, wenn man auf „Nachdenkseiten“ liest, wie der Herr Kriegsminister seine „Politik für die Menschen da draußen gestaltet“. Bitteschön. Einfach lesenswert. Immerhin hat der Chefredakteur des Springerschen Kampfblattes mal diese wunderschöne Metropole unsicher gemacht, bevor er zu Höherem berufen wurde:

Denn nach Medienberichten war der Kapitän der „Gorch Fock”, Schatz, am späten Freitagabend während einer gemeinsamen Auto fahrt des Ministers mit einem Reporter der Zeitung „Bild am Sonntag” abberufen worden. Ein Bericht des Blattes erweckt den Eindruck, als habe der Minister während der Fahrt („der gepanzerte Audi A8 schießt mit knapp 200 Kilometer pro Stunde durch die Freitagnacht… als Guttenberg der Kragen platzt.”) seine Entscheidung getroffen, nachdem „immer neue Einzelheiten über seltsame Rituale und Quälereien” auf der „Gorch Fock” bekannt geworden waren.

Jetzt wünsche ich mir einen Kommentar von Urban Priol oder Volker Pispers.