Schlagwort-Archiv: Mubarrak

BILD Dir Deine Meinung

„Deutsche Tradition“ im Sinne des „Stürmer“ oder „Völkischer Bebachter“ ist doch eigentlich die klassische Bücherverbrennung. Aber Mubarraks Schuhe? Andersrum gefragt: Hat ein Volk, das in Mehrheit vor der Mattscheibe sitzt und sich an Elisabeth M.`s und Anke S.´s „Inszenierungen für die blöde Masse mit Dieter Bohlen“ und „Im Dschungel mit der 5. Garnitur“ ergötzt, Besseres verdient? Will es das überhaupt, wenn es nicht im Hetzblatt stünde?

Die weiße Wucht

Mubarrak hat hingeschmissen und der Winter schlägt zurück. Ratzfatz liegen ein paar Zentimeter Schnee auf Bäumen, Sträuchern, Wiesen und ein scharfer Wind peitscht die Teutohänge hoch. Die Queller Skilehrer haben noch mal die Latten ausgepackt und freuen sich schon wieder auf die Jagerteeabende mit den Skihaserln beim Olson auf der Carl-Severing. Ja, so ist das, wenn man an den Bergen wohnt, die manche zügige Abfahrt bedeuten. Hatten wir schon erwähnt, dass der Vorsitzende der hiesigen CDU, der Herr Landgraf, die Stadtwerke der Glitzerstadt verlässt und jenseits des Teuro, im Osnabrückerischen angeheuert hat?

Geisterstunde mit Husni

Wer die ZDF-Sonderberichterstattung „Life aus Kairo“ mit dem hektischen Anchorman Klaus Kleber als Moderator zu nächtlicher Stunde erlebte, fragt sich schon, ob das nun journalistische Wirklichkeit oder bereits Fiktion war. Splitscreen: Auf der linken Seite des Bildschirm schwadroniert der greise 82 jährige Staatschef wie in ein einem „Märchen aus TausendundeinerNacht“, rechts zeigt eine Kamera den nächtlichen Tahrir-Platz, auf dem sich Hunderttausende versammelt hatten und viele von ihnen die Schuhe ausgezogen hatten und damit winkten. Eine arabische Geste, die tiefste Missachtung ausdrückt. Wie es nun weitergehe, fragte gestern Autor Dougan.

Offensichtlich weiß es niemand. Oder haben Angela Merkel und Guido Westerwelle noch ein europäisches Ass im Ärmel? Klaus Kleber hätte so gerne „in Echtzeit ägyptische Weltgeschichte geschrieben“. Die Enttäuschung merkte man ihm förmlich an.

Aber: Es geht ja weiter. Husni klebt offiziell wie Pattex am Stuhl und das Militär „garantiert die Ruhe“.

Was geschieht nun…?

Das Chaos wird offenkundig immer größer. Die Armeeführung fühlt sich nicht mehr in der Lage, Recht, Ordnung und Gesetz aufrechtzuerhalten, geschweige denn die reguläre Polizei. Ist nur die Frage, wie Herr Mubarak einen relativ würdigen Abgang bekommt. Ins Ausland wollte er nicht gehen, da ihm dann wahrscheinlich das selbe Schicksal in Deutschland erwartet hätte, wie einst Herrn Arafat in Paris. Dieser starb in einem Krankenhaus, Mubarak will in Ägypten sterben und wird selbst das wohl nicht mehr können. Und so wird er die Macht an Suleiman vorraussichtlich abtreten und irgend wo ins Exil gehen. Geld genug hat er. Die Frage ist, ob das Volk den Suleiman akzeptiert, oder nur als Übergang bis zur nächsten Wahl duldet.

Und wenn Neuwahlen, wie frei werden sie sein und wie wenig Manipulation. Ein zweites Teheran, wegen Wahlfälschung? Wir werden sehen.

Das Militär jedenfalls wird nur dann putschen, wenn Suleiman entweder nicht akzeptiert wird, was aber unwahrscheinlich ist, oder falls die Wahlen in den kommenden 60 Tagen nichts vernünftiges bringen. Es ist nicht unklar, was Mubarak vor hat, sondern wie es nach ihm nun weitergeht. Und dies ist das Probleme. Wer hat nach 30 Jahren und in der westlichen Welt Bock auf eine, wenn auch zeitweilige Militärdiktatur und schleichendem Übergang? Solche Erfahrungen machte man schon mit Franco in Spanien.

Es besteht natürlich die Möglichkeit, daß Mubarak ein letzes Mal versuchen wird, das Militär auf seine Seite zu ziehen und den Aufstand doch noch mit Panzern niederzuwalzen, aber das ist absurd.

Bald abgestempelt

Es fällt mehr und mehr schwer, über diese seltsame Kommune am Teuro mit ihren abgeklebten Schaufenstergalerien und dem bald drittklassigen früheren Erstbundesligisten im Fußball einigermassen positiv zu schreiben. Es reicht ja schon, wenn sich die Spitzenfiguren der Junta im Rathaus am Niederwall bald aufblasen und von der „Zukunft“ der Stadt am Kesselbrink und den Planungen für das „dringendst“ benötigte Technische Rathaus schwefeln, was das Zeug hergibt. Sie wissen: Die Medien tun ihnen nichts an. Die stimmen höchstens noch das „Halleluja“ mit an. Dabei haben wir hier schon die Briefmarke liegen, die wir Herrn Mubarrak zwecks Rücksendung des Briefs aus den USA „Nehmt ihn auf, Behandelt ihn würdevoll. Gedeiht ihm allen Gute an, was Ihr medizinisch in der Herzklinik und den Heilbädern könnt“ aufkleben wollen. Denn die Gerüchte aus dem Idiotenstadl Berlin – Mitte verdichten sich. Ist diese Regierung allen Ernstes bereit, einen arabisch-afrikanischen Potentaten aufzunehmen? Haben Menschen vom Schlage Merkel, Westerwelle und Co. überhaupt keine Achtung vor dem, was hier die Mehrheit der Menschen denkt? Wohl nicht, wenn es schon hier in der Möchtegernmetropole an der reißenden Lutter nicht klappt.

Berät Mubarrak jetzt Merkel, Mappus und Clausen?

Der alte Typ, der sich noch an die Spitze der Regierung Ägyptens klammert, soll angeblich zum „Check up“ nach Deutschland ausgeflogen werden und „länger“ bleiben. Da wüßte ich in der Nähe schon gutes Quartier, Entertainment und nette Gesprächspartner. Er könnte ja adhoc „Member of the board“ der Deutschen Bank, von Roland Berger und McKinsey werden. Bis vor kurzem gute Geschäfte mit dem Westen und jetzt gehts eben z.B. in Bad Oeynhausen weiter. Abends eine Mubarrak-Gala im GOP mit Angela Merkel und Zampano Mappus als „Wahlkampfopener“, dann Güldnes Buch der Glitzermetropole, in der er sich sicher schnell heimisch fühlen würde. Der West tut schon was, um seinen Freund und Waffenkäufer „bis eben“ würdevoll abgehen zu lassen. Warum soll da die hiesige Region nichts davon abbekommen. Krönung wäre ein Besuch in der VIP-Loge der Alm beim mehrfachen Westfalenmeister DSC ARMinia. So Spitzen Fußball gibt es ja in Kairo nicht.