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Nun, also…

Gestern bei einer Talkrunde auf Phoenix wurde, nach den dramatischen Bilder in Ägypten diskutiert, daß auf jeden Fall Israels Sicherheit gewahrt sein muß. So manch einer beklagt sich sicher da drüber. Israel sei vollkommen nebensächlich. Es ginge um eine Demokratiebewegung in Ägypten. Es kommen dort Menschen ums Leben und der Westen hat dann nur als Thema die Bequemlichkeit von Israel? Hm…

Uns ist die Situation in Ägypten voll und ganz bewußt. Doch ist Israels Geschichte und Schicksal untrennbar mit diesem Land verbunden, und so ist es nicht verwunderlich, daß wir bei dieser heißen Sache, welche gerade in Kairo passiert, auch auf Israel zu sprechen kommen. Was sollen wir noch groß debattieren, Menschen sterben und werden verletzt, dort ebenso wie in Galiläa und Jerusalem und Gaza. Selbstverständlich ist die Regierung Mubarack und die ganzen Cliquen und Konsorten, welche das Land ausgebeutet haben und es jetzt noch tun verachtenswert. Das selbe geschieht freilich auch in Deutschland, nur in humanerer Form und nicht so direkt, daher auch die Unruhe um dieses Thema. Die Herrschenden sind ratloser als damals mit Afghanistan und Irak. In Afghanistan wurden die Taliban unterstützt aufgrund des kalten Krieges und nachher toleriert, da keine wesentliche Gefahr für den Westen, bis zum Bin-Laden-Terror-Boom. In Bagdad spielten vor allem wirtschaftliche Interessen eine Rolle, daher auch die Neutralitätserklärung von Schröder, durch welche er ziemlich gefährlich mit Cowboybush aneinandergeriet. Dieser drohte mit dem vollständigen Abzug sämtlicher US-Truppen, also de Facto mit wirtschaftlichen Konsequenzen gegenüber Germany. Ägypten wurde toleriert aufgrund der relativen Stabilität, für welche es sorgte. Nun kann es das nicht mehr und daher wird die dortige Regierung fallengelassen, man weiß nur nicht, was danach kommt und wie es weitergeht. Einen einfachen Militärschlag können sich die Amerikaner nicht erlauben, da kein Geld mehr für so was übrig. Die UNO und die EU beschränken sich auf Gelabere, teilweise noch schlimmer als der Völkerbund. Daran erkennt man, daß die UNO nur zum Teil für den Weltfrieden sorgt, und doch aber nur für die Herrschenden. In keinem Fall fürs normale Volk. Kirgisien wurde nur durch Beobachter abgefertigt, nicht aber durch Blauhelme. Jugoslawien war ein anderer Fall, auch Bürgerkrieg, aber wesentlich wichtiger, der Balkan war immer der Krisenherd Europas.

Ob wir nun über Ägypten oder Israel oder über die geplante Wirtschaftsregierung der EU bloggen – das Ergebnis ist doch immer dasselbe: Die herrschende Klasse ist in einem ständigen Krisenmanagement mit dem Kapitalismus. Mal mehr wie jetzt, mal weniger. Es ist die Frage wie wir „Normalos“ damit umgehen und was wir von diesem und jenem haben. Ägypten wird noch sehr interessant werden, vor allem, da, was wirklich selten vorkommt, sogar Journalisten attackiert werden. Die Ägypter sind wirklich ein Präzedenzfall, daß es passieren kann, daß das Volk wirklich mal von allem die Schnauze voll hat. Doch hoffen wir, daß es nicht in Anarchie ausartet und ab nun Opfer vermieden werden. Hoffen wir, daß alles glatt geht und nichts passiert. Und daß bald wieder Frieden einkehre und niemand mehr zu Schaden kommt. Bis zur nächsten Krise.

Wie es mit Ägypten wohl weitergeht?

Der Westen war froh Mubarrak zu haben. Außenpolitisch mäßigend, Hilfestellung für eine relative Stabilität im arabischen Raum. Nun beginnt er zu wackeln, versucht aber weiter, zumindest über seinen Sohn, die Fäden in der Hand zu behalten und lässt Herrn Baradei verhaften und stellt ihn unter Hausarrest in einer Moschee. Internet- und Mobilfunkzensur runden das ganze ab.

Doch selbst wenn ein voller Machtwechsel stattfinden sollte, wobei die Chancen im Moment fifty-fifty stehen, so kann nur derjenige sich als Präsident halten, welcher ein arbeitsfähiges Parlament mit konsequenter Exekutive kombinieren kann, und so an die Probleme Ägyptens herangeht. Uneigennützig, als wahrer Mann des Volkes. Da dies selbst bei El Baradei nicht der Fall sein wird, bleibt es spannend, was für Folgen der Westen mit einem „neuen“ Ägypten haben wird. Gute oder schlechte…