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Ihre Sprache verrät sie

Ralph Schulze, NW-Korrepondent in Madrid ist ein schlimmer, ein böser Journalist. Ein Journalist, der Gift in die Köpfe der Menschen spritzt. Es ist das feine Gift der Sprache, das er injiziert. Schulze zeichnet weich, wo es gilt, Schuld zu verschleiern, und er schärft Bilder, wenn es darum geht unliebsame Gegner zu diskreditieren. Ganz im Sinne der Herrschenden, in vorauseilendem Gehorsam.

Wenn er in seinem Kommentar „Stich ins Herz“ in der NW schreibt: „Dies lässt hoffen, dass das Blutvergiessen in Libyen wirklich bald beendet ist. und das möglichst schnell eine neue, friedliche Ära anbricht“, dann scheint das alles ohne handelnde Personen zu geschehen. Wir lernen niemanden kennen, der Blut vergiesst. Es gibt keine Personen oder Parteien, die schiessen, bomben morden. Es geschieht einfach. Durch diesen stilistischen Trick vermeidet er, die Verantwortlichen für das Blutvergiessen, die Nato, England, Frankreich und die USA zu nennen.

Auch eine friedliche Ära bricht einfach so an, ohne das zuvor jemand Krieg geführt hat. Kein Wort über die Umstände, wie dieser Frieden zustande gekommen ist (wenn er denn überhaupt jemals zustande kommt) und wer davon profitiert, bzw. wer dafür bezahlen muss.

Diese Taktik der Verharmlosung des Kriegsgeschehens setzt er fort, wenn er von „einer nervenzermürbenden Schlacht“ spricht, „die ohne Rückendeckung durch tausende Luftangriffe der Nato vermutlich anders ausgegangen wäre.“

Was für eine schöne Schlacht, die nur Nerven zermürbt, wie beim Daddeln am Computer. Auch haben die Nato-Luftangriffe nur Rückendeckung gegeben. Kein Wort von Bomben, kein Wort von Verwüstung, Zerstörung, grauenhaften Verletzungen, Verstümmelungen und Tod. Nein alles nur Rückendeckung. Schulze malt geradezu das Bild de edlen Fliegers im Nato-Kampfjet, der von hoch oben dem gemeinen libyschen Fußvolk selbstlos Freiheit und Demokratie bringt. „Flieger grüß mir die Sonne.“ „Über den Wolken …“

Ganz anders wenn er über Gaddafi richtet. Da lernen wir, dass dieser „zunehmend Züge eines Wahnsinnigen an den Tag legte,“ und „drohte sein eigenes Volk und die ganze Region mit ins Verderben zu ziehen.“ Ein durch nichts zu stoppender blindwütiger Hund, der nur mit einem finalen Schuss zu stoppen ist.

Merkwürdig nur, dass dieser Wahnsinnige nicht die Waffen einsetzte, die er angeblich zur Verfügung hatte: Scudraketen und chemische Waffen, die er „hortete.“ Mein Bild von einem Wahnsinnigen, der auf sein eigenes Volk schießt, ist ein deutlich anderes.

Auch hält sich Schulze, wenn es denn um die Rache der Sieger geht, gar nicht erst mit einem gerechten Gerichtsverfahren gegen Gaddafi auf. Schulze übergeht einfach die Verhandlung und fordert mal direkt eine gerechte Bestrafung „für seinen grausamen Krieg, gegen die stolze libysche Nation und seine Menschenrechtsverletzungen“. Er suggeriert so, bereits bevor man Gaddafi überhaupt habhaftig geworden ist, dass dessen Schuld erwiesen ist.

Schulze ist in diesem Krieg nicht Beobachter, nicht Berichterstatter. Er ist Handelnder. Er ist Täter und er bereitet den nächsten Krieg bereits vor. Den nächsten postkolonialen Raubzug von Nato, EU und USA gegen ein armes Volk, dass das große Pech hat, auf Rohstoffen zu sitzen, die der Westen dringend benötigt und für die er nicht bereit ist, einen gerechten Preis zu zahlen. Irgend ein Diktator, der sein Volk unterdrückt und deshalb beseitigt werden muss, wird sich schon finden.