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„Abstrus“, ich betone „abstrus“


Leserbriefe zum Thema „Guttenberg“ in der NW

Teflon ist in der Politik der beliebteste Werkstoff. Mit ihm rutscht man galant und locker durch Dämlichkeiten, Dummheiten, kompensiert fehlende Intelligenz durch Naßforschheit und lügt selbst eine kopierte Doktorarbeit in ein „kleines, abstruses Versehen“ um, das die liksgerichtete Presse von FAZ bis Süddeutsche Zeitung „untergeschoben“ hat. Teflon ist auch hilfreich, wenn man in einer Sitzung beim BDI als Politiker genau den Blödsinn erzählt, den man von seiner Person gewohnt ist. Nur entsprach es wohl diesmal der Wahrheit über Angela M. Immer noch geistert der fränkische Freiherr Guttenberg mit dem überaus plapperfreudigen Barbiepüppchen an der Seite durch die Leserbriefe nicht nur hiesiger Gazetten. Der abstrusen Zustimmung wird es weniger, aber es gibt noch „Fans“.

Da ist der wunderbare Bundeswirtschaftsminister aus Noch-Mappusland, Rainer Brüderle, doch aus ganz anderem Teflon geschnitzt. Ihm springt sogar der aus bayerischen Landen in die weite Welt gesandte Geschäftsführer des BDI, Dr. Werner Schnappauf bei, indem er andere Dinge verbreiten läßt als sie wohl gesagt wurden:

Teilnehmer an der fraglichen Sitzung berichten jedoch, Brüderle habe sich genauso geäußert wie es berichtet worden war. „Die Sätze sind so gefallen, sie sind im Protokoll zwar verkürzt, aber richtig wiedergegeben“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ ein Präsidiumsmitglied des BDI. Quelle: Die Welt.

Shit happens, Rainerle. So erfährt dann die Wählerschaft so ganz nebenbei mal wieder etwas über das großartige „Kaliber“ jener Menschen, die sich „Volksvertreter“ nennen. Würden sie endlich zugeben, sie verkauften eigentlich „Den kleinen politischen Kobold“ von Vorwerk an bundesdeutschen Haustüren, es wäre ehrlicher.

Dann um 13:14 Uhr die BDI-Pressemitteilung:

Werner Schnappauf stellt sein Amt als Hauptgeschäftsführer des BDI auf eigenen Wunsch zum 31. März 2011 zur Verfügung. Werner Schnappauf: „Ich übernehme die politische Verantwortung für die Folgen einer Indiskretion, an der ich persönlich nicht beteiligt war, um möglichen Schaden für das
Verhältnis von Wirtschaft und Politik abzuwenden.“ BDI-Präsident Hans-Peter Keitel: „Ich zolle Werner Schnappauf hohen Respekt für seine Entscheidung und danke ihm ausdrücklich für die seit November 2007 geleistete vertrauensvolle und erfolgreiche Arbeit.“ Werner Schnappauf wird für den BDI auch künftig Gremienmandate wahrnehmen und dem Verband beratend zur Verfügung stehen. Die Aufgaben von Werner Schnappauf werden bis auf weiteres auf die Mitglieder der Hauptgeschäftsführung des BDI, Dieter Schweer und Stefan Mair, aufgeteilt.

Wie geht eigentlich „Schnappatmung“? Warum geht jetzt nicht Schwätzer Bürderle? Und streichen sie jetzt dem ehemaligen bayerischen „Problembärbruno-Abknallenlasser“ auch den Zapfen für seinen Märtyrerehaften Abgang?

Peinlichste Inszenierung in der ARD

Karl-Thedor zuG, dem zurückgetreten wordenden Plagiator und Scheibchenlügner wird heute Abend vor den Kameras der ARD – von Zwangseingetriebenen Gebühren bezahlt – der Zapfen gestrichen. Es kann einem nur schlecht werden, falls man es nicht schafft, rechtzeitig die Glotze umzuschalten.

Er wird sich zackig sonnen. Der Staat mit den höchsten militärischen Ehren die kürzeste Amtszeit eines Verteidigungsministers würdigen. Würde nicht wundern, wenn er durch die Hintertür den Bentelerblock gleich wieder betritt.

Erbärmlich.

Volksverdummung auf Klopapier

Gestern hatten wir Kontakt mit ungefähr 50 Menschen, mit denen wir über das Thema Guttenberg diskutierten. Nicht ein einziger hatte Verständnis für Aktion, Haltung und Attitüde des flotten Lügners aus der fränkischen Provinz. Der seit über 20 Jahren in Deutschland lebende niederländische Geschäftsführer eines weltweit agierenden Yachtausrüsters meinte lakonisch: „Mein gutes Bild von Deutschland hat Risse bekommen. Damals die Dolchstoßlegende der Nazis, jetzt die angebliche Medienkampagne gegen einen Hochstapler. Wenn wir jetzt Mitarbeiter beim Lügen ertappen, haben wir schlechte Karten. Ab sofort sind das alles nur noch Kavaliersdelikte. Die Bild wurde in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat für unsere 600 Mitarbeiter aus den Firmenräumen verbannt“. Lassen wir mal das Elaborat von Guttis Bruder im Geiste, dem Bielefeld-affinen Herrn Diekmann, einfach so stehen als das was es ist:

Auf den Gipfel getriebene Beknacktheit und Persilschein für zukünftige Gauner dieser Art in der Bananenrepublik Deutschland

Da die Universität Bayreuth jedoch auf eine nähere Prüfung der Plagiatsvorwürfe verzichtet, hat sie sich als akademische Lehrstätte sehr wohl unmöglich gemacht. Und da soll es „keinerlei politischen Einfluss“ (Unipräses Bormann) gegeben haben? Ob das jetzt so lauthals für ihren Hero plärrende geistige Prekariat wirklich weiß, worum es geht? Es ist sehr zu bezweifeln. Die tumbe Masse erregt sich über angebliche „Jagd in den Medien“ und feiert gleichzeitig das Diekmannsche Brechelaborat auf Klopapier. Das ist der Boden, auf dem schwarze Dummheit prächtig gedeiht. Jetzt noch eine „Promi-im-Dschungel“- Sonderserie auf RTL mit Gutti, Stefferl und dem feisten CSU-Generalsekretärsgrinser, und die Krönung zum Kaiser im Bamberger Dom ist nicht mehr aufzuhalten. Sammelt schon mal Bananen für die Röckchen und übt „Bunga-Bunga beim Weißbier“.

Blogger „Don Alphonso“ zieht auf „Rebellen ohne Markt“ eine nicht einmal weit hergeholte Parallele zum „phantastischen“ TV-Auftritt eines Herrn Mubarrak zum Auftritt des Lügenbarons aus Franken. Die Kommentare dazu – insbesondere zur BLÖD – sind entsprechend.

Narrahallamarsch!

PS: Eine Frage an die Universität Bielefeld, so sie denn einen ähnliche gelagerten prominenten Fall hätte. Würde sie sich öffentlich von Frau Bundeskanzlerin i. G. (im Niedergang) bescheinigen lassen, der „Empfehlung von Herrn Guttenberg gefolgt“ zu sein?

Wie weiland bei Adolf

Die Stilisierung als Opfer: Seit der Opel-Krise vor zwei Jahren hat sich Guttenberg immer wieder als Anti-Politiker in Szene gesetzt, als der Unabhängige unter den Angepassten. Es ist seine Art des Populismus. Am Montagabend in Kelkheim ein ähnliches Muster, diesmal bezogen auf die Medien: Hier das Volk, dort die böse „Hauptstadtpresse“. Man müsse aufpassen, dass sich im Land nicht einige „Maßstäbe“ verschöben, sagt Guttenberg: „Dass am vergangenen Freitag das Hauptaugenmerk mit Sondersendungen und allem Pipapo auf die Fußnoten in einer ministeriellen Doktorarbeit gelegt wurde, gleichzeitig aber der Umstand, dass in Afghanistan drei Soldaten gefallen sind, zur Randnotiz verkommen ist, das ist kein Beispiel exzellenten Journalismus.“ Jubel im Saal. Am Ende sagt Guttenberg, dass er an diesem Abend in Kelkheim „Kraft getankt“ habe – für den „Zinnober“, der ihn nun wieder erwarte. Wir gegen die. Jetzt applaudieren die Leute stehend. Spiegel.online 23.02.2011

Danke, Karl-Theodor. Tiefsten Dank. Endlich ist Deutschland auch offiziell da angekommen, wo wir schon lange die Vermutung hatten: Provinzielle Bananenrepublik, wo verblendete Idioten (war gestern Abend auf hr3 im TV zu besichtigen) einem offensichtlichen Lügner, Betrüger und Lebenslaufanpasser zujubeln. Zwar geschah das im hessischen Heimatort eines gewissen Roland Koch, der das ja alles auch nicht genau nahm, aber es lässt tief blicken. Muttchen wurden mit Tränen in den Augen gezeigt, die verzückt den Ärmel des feschen Lügenbarons streichelten, verklärte Rentner im seidenen KiK-Blouson warfen IHM Kußhändchen zu, Trampeln, ekstatische Schreie. Schon mal gesehen? Klar. Anfang der dreißiger Jahre, als ein gewisser Anstreicher mit Braunhemdbewährten Schlägern um sich herum ähnlich idiotische Gesten auslöste. Schwarzweiß, Wochenschau. Statt AC/DC „Horst-Wessel-Lied“. Unterschied: Jetzt kann man das in Farbe sehen und in bestem Ton erleben und sie spielen AC/DC und den „Bayerischen Defiliermarsch“.

Geschichte wiederholt sich. Betrug ist jetzt ministrabel und befähigt zu höchsten Ämtern. Hört also auf, Ihr Pharisäer, Euch über Italien, den Kongo oder Tunesien oder Libyens Schwachmat zu echauffieren. Hier ist das sogar – gedeckt von der Regierungschefin – ganz „demokratisch“ möglich.

Und noch einmal Spiegel: Das ist die Gefahr für Guttenberg. Sollte sich herausstellen, dass er nicht nur schlampig gearbeitet hat, sondern seine Dissertation in Teilen vorsätzlich zusammengeklaut hat, dann wäre das ganze nicht mehr einfach nur unendlich peinlich für den politischen Überflieger. Dann wäre nicht mehr nur die Glaubwürdigkeit des Ministers beschädigt. Dann wäre Guttenberg ein Betrüger und müsste zurücktreten.

Zurücktreten? Der „beliebteste deutsche Politiker?“. Der „Konzernherr“? Liebe Freunde aus jenem Magazin, das ein bayerischer „Herrscher“ schon einmal Knall auf Fall „ausräuchern“ ließ. Das würde der Lügenbaron aus der tiefsten Provinz auch locker bringen. Vorher muß er aber noch Rektor, Dekan und seinen emeritierten Doktorvater von „Buyreuth“ entlassen. Zackzack, damit Muttchen und Vati was zu klatschen haben in ihrer besoffenen Blödheit. „So ein fescher Mensch. Und so ehrlich. Er verzichtet freiwillig auf seinen mühevollst erarbeiteten Doktortitel. Er benutzt nur noch goldenes Klopapier, was Stefferl-Barbie ihm bestickt hat mit AC/DC-Reimen“. Wie es eigentlich gehen muss, dokumentiert die Lippische Landeszeitung.

Gut, das ich noch nicht gefrühstückt habe.