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Ein Beitrag zur Reichsprogromnacht vom 9. auf den 10.11.1938

Eine eher kleine Geschichte aus Bielefeld bringt vielen vielleicht die Geschehnisse vor nunmehr 73 Jahren näher. Sie zeigt, wie ich finde, exemplarisch wie die jüdischen Mitbürger erst ruiniert und dann weggeschafft und letztendlich physisch vernichtet wurden. Sie zeigt aber auch, dass die oft gehörte Entschuldigung: „Davon haben wir nichts gewusst,“ nicht stimmen kann. Waren die jüdischen Menschen doch Teil unserer Stadt, Nachbarn, Geschäftsleute, aber auch Konkurrenten denen man sich, zum eigenen Vorteil, im Namen des Gesetzes entledigen konnte.

In In diesem Haus, in der Stapenhorststraße, lebte das Ehepaar Irmgard, geb. am 14.04.1895 in Mönchengladbach, und Bernhard Buchholz, geb. am 20.04.1888 in Detmold. Bernhard Buchholz betrieb die Lederwarenhandlung Gottlieb Vogt in der Ritterstraße 75.

In einem Schreiben vom 21. Dezember 1938 bittet der Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld den Regierungspräsidenten in Minden im Rahmen der „Arisierung“ um die Genehmigung zur Übernahme des vorhandenen Warenlagers durch den Kaufmann Karl Michaelis, der „bereits eine Lederwarenhandlung in kleinerem Umfang“ in der Ritterstraße 33 betreibt.“ Weiter schreibt der Oberbürgermeister: „Sein Sohn soll in das Geschäft eintreten und den Umsatz durch die Übernahme des Kontingents der Firma Vogt gesteigert werden.“ Weiter heißt es: „Die Firma Vogt betrieb in dem Hause Ritterstraße 75 früher auch ein Einzelhandelsgeschäft. Dieses Geschäft ist jedoch aufgegeben und wird vom Käufer nicht übernommen. Für die Übernahme kommt nur das Großhandeslgeschäft in Frage.“ Man nimmt sich nur was man gebrauchen kann das Warenlager und die Kundenkartei des Großhandels. Das Einzelhandelsgeschäft wird liquidiert. Die Verträge zur „Übernahme“ sind nur wenige Tage nach der Reichsprogromnacht am 09.11.1938, nämlich am 15.11.1938 und ein Nachvertrag am 28.11.1938 vor dem Notar Gustav Landmeyer geschlossen worden.

Am 13.12.1941 ist das Ehepaar Buchholz mit einem Transport ab Münster – Osnabrück – Bielefeld nach Riga deportiert worden, wo sie am 16.12.1941 angekommen sind. Am 09.08.1944 wurden die Buchholz’s mit vielen anderen vor den herannahenden sowjetischen Truppen auf dem Seeweg in das Konzentrationslager Stutthof bei Danzig gebracht. Hier wurden sie getrennt. Irmgard Buchholz verstarb am 09.10.1944. Bernhard Buchholz wurde am 16.08.1944 in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt. Sein Todestag ist der 16.12.1944.