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Geisterstunde mit Husni

Wer die ZDF-Sonderberichterstattung „Life aus Kairo“ mit dem hektischen Anchorman Klaus Kleber als Moderator zu nächtlicher Stunde erlebte, fragt sich schon, ob das nun journalistische Wirklichkeit oder bereits Fiktion war. Splitscreen: Auf der linken Seite des Bildschirm schwadroniert der greise 82 jährige Staatschef wie in ein einem „Märchen aus TausendundeinerNacht“, rechts zeigt eine Kamera den nächtlichen Tahrir-Platz, auf dem sich Hunderttausende versammelt hatten und viele von ihnen die Schuhe ausgezogen hatten und damit winkten. Eine arabische Geste, die tiefste Missachtung ausdrückt. Wie es nun weitergehe, fragte gestern Autor Dougan.

Offensichtlich weiß es niemand. Oder haben Angela Merkel und Guido Westerwelle noch ein europäisches Ass im Ärmel? Klaus Kleber hätte so gerne „in Echtzeit ägyptische Weltgeschichte geschrieben“. Die Enttäuschung merkte man ihm förmlich an.

Aber: Es geht ja weiter. Husni klebt offiziell wie Pattex am Stuhl und das Militär „garantiert die Ruhe“.

Ob unsere westlichen Werte auch wirklich ein Vorbild sind?

Die Vereinigten Staaten zahlten an Ägypten jährlich 1,3 Milliarden Dollar Militärhilfe und 700 Millionen sonstige Hilfe plus Nahrungsmittelpreishilfen per Annum. Nur um einen Stützpfeiler in der arabischen Welt, eine Art Vorposten zu halten, 30, in Worten dreißig Jahre lang. Für die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten steht wirtschaftlich viel auf dem Spiel.

Und nun reden die US-Regierung und die Regierungschefs von Deutschland, Engelland, Frankreich, Spanien und Italien mit Engelszungen und appellieren an einen geordneten Übergang. Von der paternalistischen Autokratie hin zu den so wundervoll demokratischen Verhältnissen hier bei uns.

Was man von einem Übergang, nach Vorstellung oben genannter Personen, halten kann, offenbart sich in Herrn El-Baradei, Friedensnobelpreisträger und früherer Vorsitzender der Atomenergiebehörde. Eilig nach Kairo gereist, möglicherweise von wem geschickt, um sich dort an die Spitze der Opposition zu stellen. Schon stellte er seine „Einheitsregierung“ vor, mit ihm als Präsidenten, einem Führungsmitglied der Muslimbrüder, Richtern und einem Mann des Militärs. Sie alle haben mit der Organisation der Massenproteste nichts zu tun. „Wir haben die Revolution gemacht und nicht El-Baradei“ skandierten am 31. Januar Demonstranten nach seiner, El Baradeis, Rede auf dem Tahrirplatz in Kairo. Mittlerweile hat er den Präsidentenjob nun doch abgelehnt.

Es wird entscheidend sein, dass die Kräfte des Widerstands, die Kräfte der Selbstorganisation, der Fabrikkomitees und Bürgerwehren an ihrer Selbständigkeit festhalten und dass sich ihr Kampf mehr und mehr mit einer wirklichen Perspektive verbindet. Und daß es auch nach Mubarak nicht so weitergeht wie bisher, daß eine kleine Clique in die eigene Tasche wirtschaftet. Wenn auch vielleicht weniger gewaltlos.

Dafür brauchen die Ägypter, was rede ich, alle Menschen da unten in den betreffenden Ländern und Gebieten jedwede und menschenmögliche weltweite Unterstützung und Solidarität. Welche sich immer weiter und stärker entwickelt.

Selbstverständlich wäre eine Staats-, Verfassungs-, und so weiter-Reform nach Vorbild in Europa und Nordamerika von Vorteil und hätte auch die größtmögliche Verringerung von Korruption, Menschen- und Bürgerrechtsverletzungen zur Folge. Doch perfekt wäre gar nichts und die Gefahr besteht, daß sich, außer vielleicht in humanerer Form, für das ägyptische Volk und den Rest in Arabien und Afrika nichts ändern wird.

Hoffen wir das beste. Ganz im Sinne von Liberte, Egalite und Fraternite.

Von Dschungel über Kairo bis BVB-Sturmlauf

Krasse Mischung auf der Titelseite der Sonntagsedition des Westfalen-Blattes. Die Skala reicht von „Fasziniert das RTL-Camp im Dschungel“? über „In Kairo geht die Angst um“ bis „BVB-Jubellauf“. So wie das Leben eben momentan so ist. Außer man sitzt im Dschungel. Da ist das anders. So, wie die Herrn über die Prekariatssenderschiene in der langweiliglangen Stadt nebenan mit G. das eben bestimmen. Wir dürfen gespannt sein, was die Beantworter der Sonntagsfrage schreiben, wenn es um Manipulation von Votings geht, hinhalten von Zuschauern oder ablästern über die Insassen? Was die so überheblich tuenden Neokonservativen aus der BertelsmannMohnSpringer usw- – Schiene da tun dient doch letztlich nur einem Ziel:

„Panem et circensis“

Sedierte Massen lehnen sich nicht auf. Die fressen, was man ihnen zur Gaudi vorsetzt. Denken die Damen und Herren der Prekariatssender- und Zeilen- schmiererei. Klappt nur nicht mehr so ganz. In Stuttgart gehen die soeben von einem gewissen Heiner G. – CDU-Mitglied -im Sinne der noch herrschenden Mappusjunta scheinbar Geschlichteten schon wieder auf die Straße wegen des unnötigen Hauptbahnhofs. Sowas aber auch. Undankbar diese Leute. In den Villen, die dann auf den bisher oberirdisch durchaus ihren Dienst für die schwäbsche Oisebahne erfüllenden Schinenen gebaut werden, haben sie ohnehin nichts zu suchen. Das begreifen sie sehr gut. Da kann der halslose Mappus noch so sehr nach Mutti Merkel kreischen und Forsa-Güllner die Union hochumfragen. Und in Tunesien, Ägypten, Jordanien usw. klappt das auch nicht mehr. Dumm gelaufen.

Bald wird abgerechnet im Ländle.