Schlagwort-Archiv: Joseph Haydn

Gurken-Siggi

Wir gingen schon ganz früh in uns. Und führten ein virtuelles Telefonat mit der Stadträtlichen Speerspitze des „Grünen an sich“. Inge „Lutterturbine“ Schulze. Sie zeigte Verständnis für unsere häufige Aufmüpfigkeit, riet uns aber zu mehr „Demut im Geiste“ mit dieser kleinen großen Metropole an der Autobahn A2, die soft übersehen werde, weil sie eben „im blitzenden Windschatten von Hamm nach Hannover“liege. „Gut“, überlegten wir uns, Inge zuliebe, „machen wir was über Gurken, Tomaten, Salat. Wo finden wir die ? Na, auf dem Freitags-Siggi, wo es an der U-Bahnrotunde aus Glas immer Markt hat.

Auf dem Weg dahin durften wir ein seltenes Phänomen beobachten. Auf dem Platz mit den im Kreis drapierten Betonsteinen – böse Zungen wie wir sagen dazu „Dem Polizeipräses sein Ting-Platz“ – leuchteten die Steine gar lieblich. Sollte man grad aus Berlin Gurken-Tomaten-Salat-Entwarnung gegeben und sich nun ganz der gemeinen Sprosse auf der Seuchenleiter widmen? Vor unserem geistigen Auge (Ampel auf der Stapenhorster war grad rot) sahen wir schon liebliche Maiden in weißen Jöllenbecker Linnengewändern Gurken/Tomaten/Salat mit Olivenöldressing in Plasteschalen nebst Plastegabeln austeilen. Die Ampel sprang um. Die Maiden weg.

Siggi empfing uns wie immer an Markttagen. Geschäftig. Gurkig. Salatig. Diese ältere Dame („I bin vo Züri weg, odder?“) hatte bereits ihr Schweizer Spezialgurkeneinkaufstäschchen über der Schulter. Gleich würde sie zuschlagen. Wie übrigens fast alle. „Natürlich essen wir Gurken. Kommen doch alle von der Gechend hier wech“. Gechend ist Babenhausen und andere Outback-Gemeinden, wo Gemüse angebaut wird.

Ein paar mußten solch eine Schmacht haben, daß sie sich gleich gierig direkt am Gemeindehaus vom Siggi auf die Scheiben stürzten. „Keine Angst vor EHEC?“ fragten wir. „Komm geh mich wech“, blubberte einer, der den Mund schon gurkig voll hatte.

Wo aber war der Holländer, wegen dessen Matjesspur wir ja eigentlich auffn Siggi wollten. „Pardon, Mijnheer“, schallte es von seitens, wo das Kehlmsser unermüdlich wehrlose Matjes ausweidete, „lekker Matjes? Wil jij proberen?“. Leider noch zu früh.

Und noch mal leider mussten wir wieder los. Es werden also Gurken, Tomaten und Salat reichlich gekauft. Nur Sprossen, da muckten die meisten. Die Rückfahrt an den heimischen Desktop gestalteten wir dann niedlich.

Warum machte dieser Baum vor der IHK eigentlich angesichts stürzender Neubauten gegenüber so ein Gesicht? Hatte man den Baudezernenten verewigt?

Dabei war doch der Gagaufsteller gegenüber dem „Rats“ angesichts der laufenden Entkernung des brandgeschädigten Lehners im Hintergrund gradezu von ostwestfälischer Komiktragik: „Josef Haydn. Die Schöpfung. An Pfingsten“

Man gönnt es der größten Stadt zwischen Hannover und Hamm. Aus vollem Herzen. Lekker die Gurke.