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Gurken-Siggi

Wir gingen schon ganz früh in uns. Und führten ein virtuelles Telefonat mit der Stadträtlichen Speerspitze des „Grünen an sich“. Inge „Lutterturbine“ Schulze. Sie zeigte Verständnis für unsere häufige Aufmüpfigkeit, riet uns aber zu mehr „Demut im Geiste“ mit dieser kleinen großen Metropole an der Autobahn A2, die soft übersehen werde, weil sie eben „im blitzenden Windschatten von Hamm nach Hannover“liege. „Gut“, überlegten wir uns, Inge zuliebe, „machen wir was über Gurken, Tomaten, Salat. Wo finden wir die ? Na, auf dem Freitags-Siggi, wo es an der U-Bahnrotunde aus Glas immer Markt hat.

Auf dem Weg dahin durften wir ein seltenes Phänomen beobachten. Auf dem Platz mit den im Kreis drapierten Betonsteinen – böse Zungen wie wir sagen dazu „Dem Polizeipräses sein Ting-Platz“ – leuchteten die Steine gar lieblich. Sollte man grad aus Berlin Gurken-Tomaten-Salat-Entwarnung gegeben und sich nun ganz der gemeinen Sprosse auf der Seuchenleiter widmen? Vor unserem geistigen Auge (Ampel auf der Stapenhorster war grad rot) sahen wir schon liebliche Maiden in weißen Jöllenbecker Linnengewändern Gurken/Tomaten/Salat mit Olivenöldressing in Plasteschalen nebst Plastegabeln austeilen. Die Ampel sprang um. Die Maiden weg.

Siggi empfing uns wie immer an Markttagen. Geschäftig. Gurkig. Salatig. Diese ältere Dame („I bin vo Züri weg, odder?“) hatte bereits ihr Schweizer Spezialgurkeneinkaufstäschchen über der Schulter. Gleich würde sie zuschlagen. Wie übrigens fast alle. „Natürlich essen wir Gurken. Kommen doch alle von der Gechend hier wech“. Gechend ist Babenhausen und andere Outback-Gemeinden, wo Gemüse angebaut wird.

Ein paar mußten solch eine Schmacht haben, daß sie sich gleich gierig direkt am Gemeindehaus vom Siggi auf die Scheiben stürzten. „Keine Angst vor EHEC?“ fragten wir. „Komm geh mich wech“, blubberte einer, der den Mund schon gurkig voll hatte.

Wo aber war der Holländer, wegen dessen Matjesspur wir ja eigentlich auffn Siggi wollten. „Pardon, Mijnheer“, schallte es von seitens, wo das Kehlmsser unermüdlich wehrlose Matjes ausweidete, „lekker Matjes? Wil jij proberen?“. Leider noch zu früh.

Und noch mal leider mussten wir wieder los. Es werden also Gurken, Tomaten und Salat reichlich gekauft. Nur Sprossen, da muckten die meisten. Die Rückfahrt an den heimischen Desktop gestalteten wir dann niedlich.

Warum machte dieser Baum vor der IHK eigentlich angesichts stürzender Neubauten gegenüber so ein Gesicht? Hatte man den Baudezernenten verewigt?

Dabei war doch der Gagaufsteller gegenüber dem „Rats“ angesichts der laufenden Entkernung des brandgeschädigten Lehners im Hintergrund gradezu von ostwestfälischer Komiktragik: „Josef Haydn. Die Schöpfung. An Pfingsten“

Man gönnt es der größten Stadt zwischen Hannover und Hamm. Aus vollem Herzen. Lekker die Gurke.

Spanische Gurken, Deutsche Schlafmützen

Ich kann mir nicht vorstellen, daß in einer Großmarkthalle, welche seit Jahren existent, auf einmal so ein Fauxpas passieren kann. Deutschland hat mit die strengsten Kontroll- und Hygienevorschriften, daher muß der Fehler, wenn nicht in Spanien, so aber doch auf dem Transportweg geschehen sein.

Interessant ist jedoch der wissenschaftliche Umgang mit dem Bakterium. Es handelt sich dabei um den Typus Bakterium E.coli. Das ist schon lange bekannt und befindet sich vor allem in Tiermägen von Wiederkäuern, z. B. Kühe und kann auf Menschen übertragen werden.

Mal wieder mußte was passieren, bevor man etwas gegen die Gefahr unternimmt. Prävention ist scheinbar stellenweise ein Fremdwort für Wissenschaft und Staat.

Übertragungen sind sowohl durch Tröpfchen-Infektion von Tier zu Mensch oder dann von Mensch zu Mensch möglich, aber auch durch Schmierinfektion, d.h. Verunreinigung, sich nicht die Hände zu waschen, nach Berühren von infizierten Tieren, Pflanzen oder halt Gurken.

Eher unwahrscheinlich ist, daß Düngen von Gemüse verantwortlich ist. Denn in der Regel werden die Pflanzen nicht mit Gülle gedüngt, das erfolgt vor der Aussaat. Und bis zur Ernte vergeht viel Zeit u.ä.

Es sind vor allem Frauen und jüngere Menschen betroffen, die normalerweise am robustesten gegen die Krankheit sind. Vor allem gelten bisher eher Kleinkinder und Immunschwache als stärker gefährdet. Warum? Eine mögliche Erklärung: Aus dem Stamm der E.coli-Bakterien hat sich ein neuer gefährlicherer Erregertyp gebildet, weswegen er auch nicht oder nur geringfügig auf Antibiotika anspricht. Die Antibiotika selbst als krankheitsverschlimmernd auftreten können. Dazu kommt, daß seit Jahren Antibiotika auch in Tierfutter verwendet wurde. Das trägt auch die die Gefahr mit sich, daß resistente Bakterien sich entwickelt haben.

Man sollte zum jetzigen Zeitpunkt sich vor Spekulationen und Schuldzuweisungen hüten. Man kann nicht ausschließen, daß hier ein zufälliges Zusammenkommen von besonderen Umständen eine Rolle spielt. Der Gipfel des Berges könnte durchaus auch schon überschritten sein, was die nächsten Tage zeigen werden.

Man muß das selbstverständlich ernst nehmen, darf aber nicht in Panik verfallen. Normale Hygiene reicht aus, man sollte Lebensmittel vor Zubereitung und Verzehr reinigen, die Hände vor dem Essen waschen und vor allem nach Kontakt mit Tieren. Jedoch auch vorerst, zumindest keine spanischen Gurken essen. Schälen und waschen reicht nicht, da die Bakterien auch in der Gurke drin sind.