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Fall Kachelmann: NW schräg vorbei

Die Weisheit der NW

Was für ein Glück, daß es Jörg Kachelmann und die sensationelle Prozeßführung in Mannheim gibt. Da konnte unser Fastlieblingsblatt mit dem übergroßen Hang zum Boulevard doch noch mal schwelgen, ausbreiten, verurteilen und Leute in Stadtmitte befragen, was sie davon halten. Grandios. Die Bielefelder Juraprofessorin Ulrike Mönig wurde sogar gefragt, ob sich denn „Frauen nun noch trauten, Vergewaltiger anzuzeigen“. Schräg. Sehr schräg. Da folgt man der haltlos hirnlosen Begründung der ziemlich chaotisch operierenden Landgerichtskammer ja glatt in der Schelte, die es ausbrachte. Kein Wort von den bezahlten „Zeuginnen“, die sich nicht scheuten, im Vorfeld zehntausende bei BUNTE und BILD abzukassieren, um dann von einer extrem verwirrten Staatsanwaltschaft in der „Zeugenstand“ gerufen zu werden.

Das Ganz ist, was es ist: Eine traurige Provinzposse mit einer völlig überforderten Staatsanwaltschaft, die absolut nichts in der Hand hatte aber auf Teufel komm raus den Strohhalm suchte, an dem man Schuld festmachen könnte und einem wunderlichen Gericht, das diese Posse über 40 Verhandlungstage mitspielte. Schade nur, daß diese Schmierenkomödie nicht in Bielefeld stattfand. Was hätten die wunderliche Stadt am Teuto und ihre Blättchen für einen grandiosen Auftritt mit Sendeminuten ohne Ende haben können. Schwarzer vor dem Landgericht, Uli Zwetz als Reporter, der Niederwall voll von Menschen.

Da hat uns Jörg Kachelmann wirklich einen Bärendienst erwiesen. Den nächsten Promiprozeß bitte im Prozeßzentrum Ecke Detmolder/ Niederwall. Es gibt auch Götterspeise kostenlos. In rot von den Promotionzwergen der NW. Das Westfalen-Blatt wird wohl „Ofenfrische“ beisteuern.

Kein Wort auch über die Lächerlichkeit, den Namen der Anzeigerin (Claudia Simone Dinkel) zu nennen, obwohl er schon am erste Tag in einer Schweizer Zeitung nebst Bild stand und die Frau zu verpixeln was das Zeug hielt, während Kachelmann regelrecht „vorgeführt“ wurde und den Schreiberlingen des Boulevards der Geifer aus den Mäulern tropfte. Dazu hätten wir gerne noch mehr in der NW gelesen als den Kommentar links oben auf Seite 2. Wir steuern mehr und mehr auf amerikanische Verhältnisse zu, wo Menschen in Handschellen vorgeführt werden, obwohl nicht einmal eine Anklageschrift besteht.

Klare Kante bezieht das Westfalen-Blatt in einem Kommentar, der sich mit der Rolle der unsäglichen Schwätzerin Alice Schwarzer beschäftigt:

Ach, Frau Schwarzer… Bei Bild.de lamentierte die zur Gerichtskolumnistin avancierte Frauenrechtlerin gestern: »Ein männlicher Angeklagter ist gesellschaftlich, medial, ja sogar juristisch viel stärker als so eine weibliche Nebenklägerin.« Das ist natürlich Humbug. Für jene, die die 43 Verhandlungstage im Fall Kachelmann einigermaßen unvoreingenommen verfolgt haben, war der Freispruch des Wettermoderators nur folgerichtig. Nicht, weil der Prozess die Unschuld des 52-Jährigen erwiesen hätte, was er definitiv nicht hat. Sondern weil es viel zu viele Ungereimtheiten gibt – auch im Verhalten des angeblichen Opfers. In den meisten Vergewaltigungsanzeigen tauchen nur zwei Zeugen auf: Der mutmaßliche Täter und sein mutmaßliches Opfer. Und wenn die beiden dann auch noch eine Beziehung haben, wie im Fall Kachelmann, wird es noch schwieriger für die Ermittler, weil Spuren wie Sperma und blaue Flecken eben nicht zwingend auf ein Verbrechen schließen lassen. Trotzdem stellt sich die Justiz dieser schwierigen Aufgabe. Seit 1997 können Frauen ihren Ehemann wegen Vergewaltigung anzeigen, seit 2004 muss die Staatsanwaltschaft sogar ohne Anzeige ermitteln, wenn sie von einem solchen Verdacht erfährt. Naturgemäß steht in vielen dieser Prozesse Aussage gegen Aussage. Das allein führt aber nicht dazu, dass im Zweifelsfall für den Angeklagten entschieden wird. Entscheidend ist, wie das Gericht die Aussagen beider Seiten wertet und gewichtet. Und da kann der Glaubwürdigkeit eine alles entscheidende Rolle zukommen. Kachelmanns Ex-Geliebte hatte ihre Glaubwürdigkeit bereits vor Prozessbeginn bei vielen verspielt, als sie behauptet hatte, im Briefkasten Flugtickets für Kachelmann und eine fremde Frau sowie einen Zettel mit dem Text »Er schläft mit ihr« gefunden zu haben. Denn anschließend musste sie zugeben, den Satz selbst geschrieben zu haben. Später kamen weitere Punkte hinzu, die die Aussage der Frau in Frage stellten: Ein vom Gericht bestellter Psychiater bezweifelte die angeblichen Erinnerungslücken der Zeugin, und eine Aussagepsychologin kam zu dem Schluss, eine Lüge könne nicht ausgeschlossen werden. Bei dieser Beweislage konnten die Richter den Wettermoderator nicht verurteilen. Die Klage von Opferverbänden, der Freispruch sei »ein falsches Signal«, ist eine populistische Äußerung im Affekt, mehr nicht. Denn der Fall Kachelmann hat ganz klar gezeigt, dass das System funktioniert: Anders, als es derzeit in Frankreich den Anschein hat, wird Vergewaltigung in Deutschland nicht heruntergespielt. Wer unter dringendem Tatverdacht steht, kommt vor Gericht – ohne Ansehen der Person. Und wenn ein Opfer glaubhaft ist, wird der Täter in der Regel auch verurteilt. So ist es im vergangenen Jahr bundesweit etwa 1700 Mal geschehen – allen Unkenrufen Alice Schwarzers zum Trotz.

Freispruch für Kachelmann

Da haben BILD, „Scheisserles“ BUNTE und die sonstige Medienmischpoke ähnlicher Couleur mitsamt ASchwa (Alice Schwarzer), dem häßlichsten, durchtriebensten, unsympathischsten „Journalistchen“ mit dem unsäglichen Drang, jeden Mann zu verfolgen, noch so sehr hetzen und Details, die lediglich Kachelmann und die Beteiligten etwas angehen, offenlegen können. Das Mannheimer Gericht hat doch grad die Kurve gekriegt und den Wettermann „aus Mangel an Beweisen“ freigesprochen.

Mal sehen, was jetzt mit der Frau wird, die diese anscheinend unsägliche Lüge in die Welt gesetzt hat. Geht diese völlig beknackte Staatsanwaltschaft, die ja „über 4 Jahre“ gefordert hatte, gegen sie los?

Wer den staatsanwaltlichen Verbalamoklauf bezahlt, beschreibt das Westfalen-Blattt in einem Kommentar:

Wenn der Freispruch im Fall Kachelmann rechtskräftig wird, muss der Staat den Wettermoderator für die mehr als vier Monate Untersuchungs- haft entschädigen. Das sagte Mirko Roßkamp, der Vorsitzender des Vereins „Deutsche Strafverteidiger“, dem WESTFALEN-BLATT (Online). Roßkamp erklärte, Kachelmann stehe nicht nur die gesetzliche Pauschale von 25 Euro pro Tag zu, sondern er könne auch seinen Verdienst- ausfall als Unternehmer geltend machen. Auch die Anwaltskosten, die für die Berechnung und das Geltendmachen dieses Verdienstausfalls anfielen, habe der Staat zu übernehmen. Das ergebe sich aus dem Gesetz über die Entschädigung für Strafver-folgungsmaßnahmen. „Herr Kachelmann hat sechs Monate Zeit, dieses Geld jetzt vom Staat zu fordern.“ Über den Antrag habe zunächst die Staatsanwaltschaft Mannheim zu entscheiden, die sich aber möglicherweise erst einmal querstellen werden: „Nachdem im Prozess zunehmend klar wurde, dass es keine Beweise gegen Herrn Kachelmann gibt, hat es von wenig Größe gezeugt, dass die Staatsanwaltschaft stur geblieben ist und eine Verurteilung gefordert hat“, sagte der Strafrechtsexperte. Deshalb sei zu erwarten, dass Kachelmanns Anwälte die Schadens-ersatzansprüche einklagen müssten.