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Frauen-WM-Viertelfinale: Deutschland – Japan 0:1

Habe gerade das Viertelfinale gesehen. Die Niederlage war schon bitter. Sehr schlimm aber war dieser Kommentator! Wo ist bloß Bela Rethy könnte man fragen. Aber was sollte der schon ausrichten? Wenn man zu blöd ist Tore zu schießen, hilft nicht einmal Gerd Rubenbauer (Viertelfinale `98). Mir tut Birgit Prinz leid, Frau Neid sollte dringend Tore schießen trainieren, auch wenns bescheuert und nach Stammtisch klingt, Japan schafft nur noch Platz 4 und Inka Grings ist hübsch.

Sind wir wieder in den 60ern?

Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat den Liberalen eine Öffnung zur SPD empfohlen. Es müsse nun analysiert werden, was die aktuellen Veränderungen im Parteiensystem für die FDP bedeuteten.

Die FDP sei ein verlässlicher Koalitionspartner, sagte Leutheusser-Schnarrenberger. „Aber Fakt ist: Das Parteienspektrum verändert sich.“ Die Parteien änderten ihre Positionen. Bis auf die Linkspartei orientierten sich inzwischen alle an der Mitte. Schnittmengen zwischen SPD und FDP gebe es in der Außen- und Verteidigungspolitik.

Klingt das nicht wieder nach Opportunismus? Man will mit den stärkeren Batallionen mitmarschieren und den alten Partner über Bord werfen? Schon einst in der großen Koalition mit Kiesinger von 1966 – 1969 hatte die SPD es für eine gute Idee befunden, den Kanzlerposten an sich zu reißen, wenn man das Bündnis aufgibt. Kiesinger hat es danach bis zu seinem Lebensende den Liberalen diesen „Verrat“ nicht verziehen. Mir scheint, die derzeitige Justizministerin, welche bereits nach dem Rücktritt von Horst Köhler kurzzeitig neben Frau v. d. Leyen als Bundespräsidentin gehandelt wurde, möchte die Geschichte von `69 wiederholen und will auf diese Weise unbedingt weiterregieren.

Nur gibt es da ein Problem, welches sie offenkundig übersehen hat. Denn die Wählerumfragen belegen, daß die FDP bundespolitisch keine wesentliche Rolle ab 2013 mehr spielen wird. Da bleibt die SPD wohl lieber Juniorpartner der Grünen, als eine instabile Minderheitsregierung zu bilden, welche so gut wie nichts gebacken bekommt. Bevor man über andere Koalitionsvarianten nachdenkt, sollte man sich erstmal ums Wählervotum kümmern.

Wirklich unglaublich…

Mit Ramazotti ein Fußballspiel schöntrinken

Die schönere und bessere Hälfte hatte beschlossen, sich das WM-Vorrundenspiel der deutschen Fußballerinen anzugucken. Sie, sonst gewöhnt an die strammen Waderln von Ballkünstlern wie Gomez, Klose oder Podolski, hatte eine Vorahnung und neben üblicher alkoholischer Kost noch eine Flasche Ramazotti besorgt. Jener Magentröster, der auch schlimmste Grottenkicks noch rosarot tüncht.

Aber auch das half nichts. Fast 50.000 im Frankfurter Stadion pfiffen am Ende. Eine völlig überforderte Schiedsrichterin pfiff auch ab und bereits in der Halbzeit hatte sich die Dame des Hauses in die erste REM-Phase verabschiedet. „Das tue ich mir nicht an“-murmelnd. Da nützte auch des ARD-Pausenmoderators mahnend-fragendes Wort „Ist Frauenfußball von den Medien zu sehr hochgejubelt worden?“ nichts. Grade das Fernsehen sorgt mit seinen ermüdenden Betrachtungen der Akteurinnenn, der Trainerin und der WM an sich für eine mediale Übersättigung.

Immer Ramazotti geht eben auch nicht.Ach so, der Kick der grünen Holzhackerinnen aus Nigeria gegen die weißen Adlerträgerinnen endete 1:0 für die deutschen Elfen.

Mädels. Bei den Männern kommt dann Korso! Üben:

Wo bleiben die deutschen Fahnen?

8:22 Uhr. WDR 2. Minutiös schildert die Reporterin, welche Spielerin vor dem Eröffungsspiel der deutschen Kickerinnen in Berlin welches Brötchen mit welchem Aufstrich gefrühstückt hat. Welche Spielerin an der Seite von Silvia N. welchen Ball zum Spaziergang tragen darf. Und dennoch beschleicht einen das Gefühl, die ganze Geschichte wird von den Medien gewaltig hoch gehypt. Bei real.- stapeln sich die Autofähnchen in den Nationalfarben zu gewaltigen „No“-Pulks. Kein weiblich gesteuertes Auto mit Fahne ist zu entdecken. Aber die Medien füttern uns, bis uns übel wird.

Selbst Silvana Koch-Mehrin (FDP) ist es in Brüssel so schlecht geworden, daß sie den Forschungsausschuss freiwillig wieder verlassen hat.

Schönen Sonntag noch. Ab 18 Uhr geht der Rummel mit den Deutschen übrigens im TV los 🙂

Schuldenkaiser reißt die Klappe auf

Deutschland hat über 2 Billionen Euro Staatsschulden. Beim Fingerzeigen auf Griechenland steht das Merkel-Land ganz vorne am Zaun und hetzt, was das Zeug hergibt. Natürlich machen die Medien ebenso fröhlich wie hirnlos mit. Ausgerechnet das Land, das im vergangenen Jahrhundert gleich 3 Staatspleiten hinlegte, zeigt mit dem Finger auf andere Länder und gibt sich mal wieder als Oberlehrer. Warum die Situation eigentlich eine ganz andere ist, erläutert der Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl auf Spiegel.online:

Ritschl: Gemessen jeweils an der Wirtschaftsleistung der USA war allein der deutsche Schuldenausfall in den dreißiger Jahren so bedeutsam wie die Kosten der Finanzkrise von 2008. Im Vergleich dazu ist das griechische Zahlungsproblem eigentlich unbedeutend.

Fingerspitzengefühl war allerdings noch nie das herausstechende Merkmal des weiblichen Rambos und Wendehalses aus Templin.

„Deutschland ergreift Partei“

Groß machen sie heute früh auf, unsere Zeitungen. Vornedran prangt das Label „dpa“, also „Deutsche Presseagentur“. Durch die Bank schreiben sie ab, was die Herren Westerwelle und Niebel, ihres Zeichens Bundesminister einer Splitterpartei, in den Block der zuständigen Korrespondenten diktiert haben. „…den Aufständischen demonstrativ den Rücken gestärkt“ hätten sie. Den „Übergangsrat“ besucht. Sie, die vor noch gar nicht langer Zeit an der Seite des schillernden Exoten an der libyschen Staatsspitze in die Kameras lächelten und „unsern Freund Gaddafi“ tätschelten, sind nun also auf Kriegsmission.

Wer genau die „Aufständischen“ sind, wer genau dahintersteckt, wie die genauen Zusammenhänge sind: All das erfährt der geneigte Leser der durchgängigen dpa-Meldung natürlich nicht. Dabei wäre es ganz einfach. Libyen hat noch jede Menge Öl, liegt strategisch günstig am Mittelmeer und hat per UN eine „Flugverbotszone“. Um die es schon länger nicht mehr geht. Jetzt müssen mal langsam Bodentruppen rein. Thomas die Misere hat da schon mal argumentativ vorgebaut, indem er von „Aufbauhilfe“ schwadroniert. Vielleicht wollen sie aber auch nur die angeblich tonennweise verteilten Viagra-Pillen da rausholen und für den Eigenbedarf nutzen? Es liegt aber – wir widerholen uns – auch noch reinlich Öl unterm Wüstensand. So wie sie damals im Irak die Atomwaffen, die chemischen Waffen, die biologischen Waffen tonnenweise suchten und nichts fanden.

Es ist schon eine sehr verschwommene Gemengelage, die unser lieben, treuen, zuverlässigen Medien da abdrucken. Es ist, wie es ist ist: Die politische Lage, die man in Berlin will, braucht und herbeischreiben läßt. Nicht mehr. Nicht weniger.

Und das ist nicht gut so.

Die Deutschen und die Demokratie

Der Schrecken ist mir in die Glieder gefahren, Schrecken und Angst. Hatte ich doch immer geglaubt in einer halbwegs funktionierenden demokratischen Gesellschaft zu leben. Warnungen, die Demokratie in Deutschland sei nicht wirklich angekommen im Volk der Hacken-zusammen-Schlager, hielt ich zumindest für übertrieben. „Warte nur, da muss nur der Richtige kommen und die Massen laufen wieder grölend und Fahnen schwenkend hinter dem Rattenfänger her, bis hinein, in ihren eigenen Untergang.“ Den Deutschen ist die Demokratie von den Alliierten nach dem zweiten Weltkrieg übergestülpt worden wie ein altes, gebrauchtes Hemd, das nicht passt, viel zu groß ist. „Werden schon reinwachsen mit der Zeit!“
Sah ja auch danach aus eine ganze Weile. Die Deutschen rackerten, um ihr zerstörtes Land wieder aufzubauen und sich ein wenig Wohlstand zu erarbeiten. Sie waren brav, riefen nicht mehr „heil“, gingen in ihrer überragenden Mehrheit alle vier Jahre zur Wahl, ihre Soldaten nannten sie jetzt Staatsbürger in Uniform und fanden sich sogar immer mehr mit der Teilung ihres Landes ab.
Dann kam die Wiedervereinigung, oder besser der Zwangsanschluss der DDR an die BRD und der Deutsche entdeckte plötzlich wieder die eigene Stärke. In der verquasten Sprache der Politiker hiess es, man müsse nun seiner internationalen Verantwortung gerecht werden. Sollte heißen, ab jetzt sind wir wieder dabei, wenn es darum geht ein bisschen Krieg zu spielen. Wobei wir natürlich immer auf der Seite der Guten sind, auch wenn die Guten gar nicht so gut sind. Motto: „Und möchtest du mein Freund nicht sein, dann schlag ich dir den Schädel ein!“ Ausgerechnet die zwei Parteien, mit zumindest pazifistische Wurzeln, SPD und Grüne, brachen unter fadenscheinigen Gründen den Krieg um das Kosovo vom Zaun.
Auch ließ mich das Bild das sich die Deutschen offenbar von ihrer Führung machten am politischen Verstand meiner Mitbürger immer öfter zweifeln. Wenn die überwiegende Mehrheit der Deutschen auf die Frage, wer denn die beste Besetzung für das Amt des Bundespräsidenten sei, mit Günter Jauch antworteten, dann konnte das doch nur durch kollektiven Schwachsinn erklärt werden.
Immer öfter hörte man jetzt auch wieder, und nicht nur von dem unverbesserlichen braunen Bodensatz von Rechtsaussen, nun müsse aber endlich mal wieder einer richtig durchgreifen.
Aber das alles schienen nur kleine Fehler in einem ansonsten durchaus funktionierendem demokratischen System zu sein.
Dann kam der Tag, an dem herauskam, das der deutsche Verteidigungsminister Karl Theodor von und zu Guttenberg sich seinen Doktortitel ergaunert hatte. Das Volk wird sich entrüsten und den Hochstapler, Lügner und Betrüger mit Schimpf und Schande aus dem Amt jagen, so dachte ich. Aber genau das Gegenteil trat ein. Die breite Masse jubelte ihrem Idol weiter uneingeschränkt zu. Alles sei ja nicht so schlimm, der Mann ein guter Verteidigungsminister und schliesslich auch nur ein Mensch und Menschen machen nun mal Fehler. Dagegen wurde Presse, Opposition und Wissenschaftler, die den Rücktritt des Heilsbringers forderten auf das unflätigste beschimpft, als weltfremde Intellektuelle, Schmierenjournalisten, und vaterlandslose Sozialisten und Kommunisten. Ich war erschrocken welcher Hass aus vielen Beiträgen in Internetforen und Leserbriefen sprach. Wie viele Menschen ihre demokratische Maske fallen liessen und offen zur Jagd auf anderes Denkende bliesen. Argumente wurden als Diffamierungen des neuen „Führers“ gegeisselt und es schien als habe kollektiver Schwachsinn das gesamte Volk erfasst.
Die Führer der Regierungsparteien befeuerten Volkes Zorn aus opportunistischen Gründen. Glaubten sie doch ein klein wenig vom Glanz des fränkischen Barons würde auch sie erstrahlen lassen.
Mir fuhr, wie gesagt, der Schrecken in die Knochen. Plötzlich sah ich mich zurückversetzt in die letzten Jahre der Weimarer Republik. Die Massen waren geradezu hysterisch, hielten diesem Lügner, Betrüger und Hochstapler ohne Fragen zu stellen, die Treue. Ich fragte mich, was wäre, wenn Guttenberg, jetzt nicht nur Verteidigungsminister, sondern Bundeskanzler wäre und die Machtfrage stellen würde? Was würde dann passieren, wenn er die Leute auf die Straße triebe, wenn er sie gegen die Institution unseres Staates marschieren liesse, die Notstandsgesetze als Ermächtigungsgesetz nutzen würde? Intellektuelle, Opposition und gegnerische Presse als vaterlandslose Gesellen brandmarken und sie in Schutzhaft nehmen würde. Würden die Massen ihm folgen?
Ich habe diese Frage für mich beantwortet. Ja sie würden ihm folgen,. Sie würden Bücher verbrennen, Redaktionen anzünden und anders denkende ins Exil treiben. Sie würden das Internet zensieren, Telefone überwachen und Briefe öffnen, alles mit der Begründung, Terroristen zu jagen. Und Terroristen sind dann alle, die es wagen eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu äußern.
Ein Gedanke lässt mich nicht mehr los: Was ist, wenn der Freiherr sich eines Tages gerufen fühlt? Wenn er zurück kommt, getragen auf einer Welle der Sympathie. Schon hört man ja Stimmen, Guttenberg müsse, nach einer gewissen Zeit zurückkehren in die Politik, man könne auf ein solches Talent nicht verzichten.