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Was für eine Verarsche

So salopp kann man es ausdrücken.

Nach dem Bericht leben 13 Prozent der Deutschen unter der Armutsgrenze. Und das selbst nach geschönten Zahlen der Bundesregierung, auf die sich der UN-Ausschuss bezieht. Denn schon 2008, d.h. vor Beginn der Weltwirtschaftskrise und Finanzkrise, waren laut Statistischem Bundesamt rund 12,5 Millionen Menschen und damit etwa jeder Sechste in Deutschland von Armut bedroht – rund ein Drittel mehr als 1998. Als armutsgefährdet gilt man, wenn man mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen muss. 2008 waren das 929 Euro monatlich. Während der Wirtschaftskrise ist aber wegen sinkender Löhne und der rasanten Zunahme von Teilzeit- und Leiharbeitsverhältnissen die Zahl der armen Menschen noch deutlich gestiegen.

Von allen 19- bis 25-Jährigen galten schon 2008 knapp ein Viertel als arm. Arbeitslose sind mit deutlich über 60 Prozent am meisten von Armut bedroht. In Haushalten von Alleinerziehenden, also überwiegend Frauen, leben fast 40 Prozent an oder unter der Armutsgrenze. 2,5 Millionen Kinder sind in Deutschland von Armut betroffen. Laut dem UN-Ausschuß sind viele Familien in Deutschland so arm, daß jedes vierte Kind ohne Frühstück zur Schule gehen muss und häufig mangelhaft ernährt wird. Die Mehrheit der Kinder armer Familien würde keinen Schulabschluß erreichen. 1,3 Millionen Menschen benötigen trotz Arbeit die „Aufstockung“ durch Hartz IV. Dabei gewährt die monatliche Grundsicherung von 365 Euro Arbeitslose „keinen angemessenen Lebensstandard“ (UN-Ausschuss). Kritisiert wird auch, daß Arbeitslose „jeden zumutbaren Job“ akzeptieren oder unbezahlte Arbeit leisten müssen. Der UN-Ausschuß rügte außerdem die Benachteiligung von Frauen und Behinderten auf dem Arbeitsmarkt. Er bestätigt auch die Kritik vieler Sozialverbände, daß Menschen mit Migrationshintergrund selbst in der zweiten und dritten Generation stark benachteiligt sind bei der Ausbildung und weit überdurchschnittlich oft arbeitslos sind. Asylbewerbern in Deutschland fehlt es an einer grundlegenden sozialen und gesundheitlichen Versorgung, sie müssen in mangelhaften Unterkünften leben und haben kaum Möglichkeiten zu arbeiten.

Die Kritik des UN-Ausschuss ist ein vernichtendes Urteil  über die Lebenslüge vom sogenannten „Sozialstaat“ Deutschland, den alle Bundesregierungen der Nachkriegszeit als mustergültig in der Welt zur Schau stellen. Es hat ihn nie gegeben. Auf die UN-Schelte hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hektisch reagiert. Dem Bericht sei kein Glauben zu schenken, da außer den UN-Experten auch Nichtregierungsorganisationen mitgearbeitet hätten. Dann behaupteten sie, daß die Zahlen veraltet seien.  Dabei hätten die neuesten Zahlen den Bericht sicher noch schärfer ausfallen lassen. So hat sich die Quote der Arbeitslosen unter den 15- bis 25-Jährigen seit Beginn der Weltwirtschaftskrise bis heute dreimal so stark entwickelt wie in allen anderen Altersgruppen.

Spanische Gurken, Deutsche Schlafmützen

Ich kann mir nicht vorstellen, daß in einer Großmarkthalle, welche seit Jahren existent, auf einmal so ein Fauxpas passieren kann. Deutschland hat mit die strengsten Kontroll- und Hygienevorschriften, daher muß der Fehler, wenn nicht in Spanien, so aber doch auf dem Transportweg geschehen sein.

Interessant ist jedoch der wissenschaftliche Umgang mit dem Bakterium. Es handelt sich dabei um den Typus Bakterium E.coli. Das ist schon lange bekannt und befindet sich vor allem in Tiermägen von Wiederkäuern, z. B. Kühe und kann auf Menschen übertragen werden.

Mal wieder mußte was passieren, bevor man etwas gegen die Gefahr unternimmt. Prävention ist scheinbar stellenweise ein Fremdwort für Wissenschaft und Staat.

Übertragungen sind sowohl durch Tröpfchen-Infektion von Tier zu Mensch oder dann von Mensch zu Mensch möglich, aber auch durch Schmierinfektion, d.h. Verunreinigung, sich nicht die Hände zu waschen, nach Berühren von infizierten Tieren, Pflanzen oder halt Gurken.

Eher unwahrscheinlich ist, daß Düngen von Gemüse verantwortlich ist. Denn in der Regel werden die Pflanzen nicht mit Gülle gedüngt, das erfolgt vor der Aussaat. Und bis zur Ernte vergeht viel Zeit u.ä.

Es sind vor allem Frauen und jüngere Menschen betroffen, die normalerweise am robustesten gegen die Krankheit sind. Vor allem gelten bisher eher Kleinkinder und Immunschwache als stärker gefährdet. Warum? Eine mögliche Erklärung: Aus dem Stamm der E.coli-Bakterien hat sich ein neuer gefährlicherer Erregertyp gebildet, weswegen er auch nicht oder nur geringfügig auf Antibiotika anspricht. Die Antibiotika selbst als krankheitsverschlimmernd auftreten können. Dazu kommt, daß seit Jahren Antibiotika auch in Tierfutter verwendet wurde. Das trägt auch die die Gefahr mit sich, daß resistente Bakterien sich entwickelt haben.

Man sollte zum jetzigen Zeitpunkt sich vor Spekulationen und Schuldzuweisungen hüten. Man kann nicht ausschließen, daß hier ein zufälliges Zusammenkommen von besonderen Umständen eine Rolle spielt. Der Gipfel des Berges könnte durchaus auch schon überschritten sein, was die nächsten Tage zeigen werden.

Man muß das selbstverständlich ernst nehmen, darf aber nicht in Panik verfallen. Normale Hygiene reicht aus, man sollte Lebensmittel vor Zubereitung und Verzehr reinigen, die Hände vor dem Essen waschen und vor allem nach Kontakt mit Tieren. Jedoch auch vorerst, zumindest keine spanischen Gurken essen. Schälen und waschen reicht nicht, da die Bakterien auch in der Gurke drin sind.

Die Deutschen und die Demokratie

Der Schrecken ist mir in die Glieder gefahren, Schrecken und Angst. Hatte ich doch immer geglaubt in einer halbwegs funktionierenden demokratischen Gesellschaft zu leben. Warnungen, die Demokratie in Deutschland sei nicht wirklich angekommen im Volk der Hacken-zusammen-Schlager, hielt ich zumindest für übertrieben. „Warte nur, da muss nur der Richtige kommen und die Massen laufen wieder grölend und Fahnen schwenkend hinter dem Rattenfänger her, bis hinein, in ihren eigenen Untergang.“ Den Deutschen ist die Demokratie von den Alliierten nach dem zweiten Weltkrieg übergestülpt worden wie ein altes, gebrauchtes Hemd, das nicht passt, viel zu groß ist. „Werden schon reinwachsen mit der Zeit!“
Sah ja auch danach aus eine ganze Weile. Die Deutschen rackerten, um ihr zerstörtes Land wieder aufzubauen und sich ein wenig Wohlstand zu erarbeiten. Sie waren brav, riefen nicht mehr „heil“, gingen in ihrer überragenden Mehrheit alle vier Jahre zur Wahl, ihre Soldaten nannten sie jetzt Staatsbürger in Uniform und fanden sich sogar immer mehr mit der Teilung ihres Landes ab.
Dann kam die Wiedervereinigung, oder besser der Zwangsanschluss der DDR an die BRD und der Deutsche entdeckte plötzlich wieder die eigene Stärke. In der verquasten Sprache der Politiker hiess es, man müsse nun seiner internationalen Verantwortung gerecht werden. Sollte heißen, ab jetzt sind wir wieder dabei, wenn es darum geht ein bisschen Krieg zu spielen. Wobei wir natürlich immer auf der Seite der Guten sind, auch wenn die Guten gar nicht so gut sind. Motto: „Und möchtest du mein Freund nicht sein, dann schlag ich dir den Schädel ein!“ Ausgerechnet die zwei Parteien, mit zumindest pazifistische Wurzeln, SPD und Grüne, brachen unter fadenscheinigen Gründen den Krieg um das Kosovo vom Zaun.
Auch ließ mich das Bild das sich die Deutschen offenbar von ihrer Führung machten am politischen Verstand meiner Mitbürger immer öfter zweifeln. Wenn die überwiegende Mehrheit der Deutschen auf die Frage, wer denn die beste Besetzung für das Amt des Bundespräsidenten sei, mit Günter Jauch antworteten, dann konnte das doch nur durch kollektiven Schwachsinn erklärt werden.
Immer öfter hörte man jetzt auch wieder, und nicht nur von dem unverbesserlichen braunen Bodensatz von Rechtsaussen, nun müsse aber endlich mal wieder einer richtig durchgreifen.
Aber das alles schienen nur kleine Fehler in einem ansonsten durchaus funktionierendem demokratischen System zu sein.
Dann kam der Tag, an dem herauskam, das der deutsche Verteidigungsminister Karl Theodor von und zu Guttenberg sich seinen Doktortitel ergaunert hatte. Das Volk wird sich entrüsten und den Hochstapler, Lügner und Betrüger mit Schimpf und Schande aus dem Amt jagen, so dachte ich. Aber genau das Gegenteil trat ein. Die breite Masse jubelte ihrem Idol weiter uneingeschränkt zu. Alles sei ja nicht so schlimm, der Mann ein guter Verteidigungsminister und schliesslich auch nur ein Mensch und Menschen machen nun mal Fehler. Dagegen wurde Presse, Opposition und Wissenschaftler, die den Rücktritt des Heilsbringers forderten auf das unflätigste beschimpft, als weltfremde Intellektuelle, Schmierenjournalisten, und vaterlandslose Sozialisten und Kommunisten. Ich war erschrocken welcher Hass aus vielen Beiträgen in Internetforen und Leserbriefen sprach. Wie viele Menschen ihre demokratische Maske fallen liessen und offen zur Jagd auf anderes Denkende bliesen. Argumente wurden als Diffamierungen des neuen „Führers“ gegeisselt und es schien als habe kollektiver Schwachsinn das gesamte Volk erfasst.
Die Führer der Regierungsparteien befeuerten Volkes Zorn aus opportunistischen Gründen. Glaubten sie doch ein klein wenig vom Glanz des fränkischen Barons würde auch sie erstrahlen lassen.
Mir fuhr, wie gesagt, der Schrecken in die Knochen. Plötzlich sah ich mich zurückversetzt in die letzten Jahre der Weimarer Republik. Die Massen waren geradezu hysterisch, hielten diesem Lügner, Betrüger und Hochstapler ohne Fragen zu stellen, die Treue. Ich fragte mich, was wäre, wenn Guttenberg, jetzt nicht nur Verteidigungsminister, sondern Bundeskanzler wäre und die Machtfrage stellen würde? Was würde dann passieren, wenn er die Leute auf die Straße triebe, wenn er sie gegen die Institution unseres Staates marschieren liesse, die Notstandsgesetze als Ermächtigungsgesetz nutzen würde? Intellektuelle, Opposition und gegnerische Presse als vaterlandslose Gesellen brandmarken und sie in Schutzhaft nehmen würde. Würden die Massen ihm folgen?
Ich habe diese Frage für mich beantwortet. Ja sie würden ihm folgen,. Sie würden Bücher verbrennen, Redaktionen anzünden und anders denkende ins Exil treiben. Sie würden das Internet zensieren, Telefone überwachen und Briefe öffnen, alles mit der Begründung, Terroristen zu jagen. Und Terroristen sind dann alle, die es wagen eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu äußern.
Ein Gedanke lässt mich nicht mehr los: Was ist, wenn der Freiherr sich eines Tages gerufen fühlt? Wenn er zurück kommt, getragen auf einer Welle der Sympathie. Schon hört man ja Stimmen, Guttenberg müsse, nach einer gewissen Zeit zurückkehren in die Politik, man könne auf ein solches Talent nicht verzichten.