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Rassismus, Diskriminierung, Sexismus, Frauen, WM, FIFA oder kurz: Dougans WM-Blog

Zur Frauen-WM:

In Kürze wird ein weiteres Spiel der deutschen Elf angepfiffen. Deutschlands Frauenmannschaft zählt neben Brasilien und den USA zu den großen Favoritinnen des Turniers. Zweimal haben die deutschen Frauen den Titel schon geholt. Die Ausrichtung der Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland kennzeichnet auch einen besonderen Erfolg der Emanzipation und der Menschenrechte.

Während in vielen europäischen Ländern Frauen es den Männern schon lange gleichtaten, war der Frauenfußball in Deutschland jahrzehntelang geächtet. Während des dritten Reiches galt Frauenfußball als nicht erwünscht. Fußball sei ein Kampfsport für Männer und dieser würde der Rolle der Frau als Hüterin des Hauses widersprechen. Dieses mittelalterliche frauenfeindliche Bild prägte auch lange die herrschende Meinung in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik. Fußballspielende Frauen wurden als “Mannweiber” beschimpft und von den Plätzen verjagt. Unter Androhung von Strafen wie Verbandsausschluß hatte 1955 der DFB seinen Vereinen untersagt, Frauenfußballmannschaften zu gründen oder auch nur auf ihren Fußballplätzen spielen zu lassen.

Es waren vor allem Arbeiterfrauen und -mädchen im Ruhrgebiet, die in Eigeninitiative Vereine gründeten und auf kommunalen Sportplätzen den Spielbetrieb organisierten. In den 1970er Jahren unterstützte die kleinbürgerliche Frauenbewegung das Anliegen und der Frauenfußball nahm einen Aufschwung. Rund 60.00 Frauen spielten trotz Verboten und Diffamierungen Fußball. Der DFB gab 1970 seinen Widerstand auf, weil er befürchtete, dass er durch einen unabhängig von ihm organisierten Frauenfußball seine Machtstellung einbüßen und damit auch eine erkleckliche Einnahmequelle verlieren könnte. In der sogenannten DDR war Frauenfußball von Anfang an erlaubt, trotz des Herrschens einer verbrecherischen Clique.

Die Altherrenriege der internationalen Fußballverbände entdeckte die Fußballfrauen als Werbeträger. Der Chef des internationalen Fußballverbandes FIFA, Josef Blatter, erntete breite Empörung, als er 2004 mit dem Vorschlag rüberkam, dass die Frauen doch engere Shorts und Trikots tragen sollten. Sie sollten über sexistische Signale dem Frauenfußball mehr TV-Wirksamkeit liefern.

Zwar hat der Frauenfußball noch nicht die Massenwirkung wie der Männerfußball erreicht, aber er steht heute hinter der WM der Männer und den Olympischen Spielen in der zweiten Reihe der massenwirksamsten Sportereignisse. Es werden mindestens rund 15 Millionen Zuschauer an den Fernsehern erwartet, wahrscheinlich noch mehr, verfüge nur über Schätzungen und keine Zahlen. Kein Wunder, daß sechs Konzerne, darunter Mercedes, Deutsche Bahn, Allianz u.a. als Sponsoren an die 4 Millionen Euro investieren. Das erhöht natürlich den Druck auf die Nationalspielerinnen, unbedingt zu gewinnen.

Echte Sportfreunde lassen sich ihre Begeisterung nicht davon abhängig machen. Sie werden mit Sicherheit weitere hochklassige und spannende Spiele zu sehen kriegen. Die beste Wirkung der WM ist ohnehin eine andere: Wenn sich noch mehr Jungen und Mädchen, sprich ein weiterer großer Anteil der Jugend in der Welt für diesen Sport entscheiden und in die Vereine eintreten. Fußball kann dazu beitragen, Gemeinschaftsgeist, Reaktionsfähigkeit, strategisches Denken und taktische Geschicklichkeit zu entwickeln und fördert darüber hinaus das Selbstbewußtsein der Sportlerinnen und hilft soziale Hemmungen und Diskriminierungen zu überwinden.

Jede WM, ob der Herren oder der Frauen, ist nicht nur ein in regelmäßigem Turnus stattfindendes Kräftemessen von “11 gegen 11″, es zeigt auch die derzeitige Entwickelung, das aktuelle Level und Niveau, in wie weit ein Land fortschrittlich modern und in wie weit rückständig ist, bzw. wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Immer wieder wird auf Menschen- und Bürgerrechtsverletzungen hingewiesen, welche auch am Auftreten der betreffenden Mannschaften zu erkennen sind. Stichwort Nordkorea mit der ewigen zu erfüllenden Parteidoktrin und der Dialektik aus Theorie und Praxis (sie fallen immer wieder auf die Schnauze und nun werden sogar Dopingfälle bekannt), Stichwort Iran mit den Kopftüchern oder mancher afrikanischen Nation, deren Mannschaft sich zum Antirassismus und Antisemitismus bekennt, jedoch über sexuell Desorientierte die Trainerin daherschwafelt.

Die FIFA, nach außen sauber, im innern korrupter als manche osteuropäische Polizei, führt sich regelmäßig als Musterbeispiel für Demokratie, Freiheit und Toleranz auf.

Da gibt es ebenfalls noch erheblichen Veränderungsbedarf, doch unbestritten ist es, daß Sport, egal in welcher Epoche die Menschen länderübergreifend verbindet. Und das ist gut so. Frieden, Völkerfreundschaft, Kompromißbereitschaft und Solidarität – das sind Dinge, mit denen wir uns alle 2 Jahre einen Schritt weiterbewegen, in Richtung einer Welt, wo alljenes für jedes Lebewesen der Erde gewährleistet ist.

„Macht doch Nelkenrevolution“

Dieser junge Mann kommt aus Brasilien. Studiert in Finnland. Ist öfter in Deutschland. Hat seine Liebe zu Spargel und „kleinen Schnitzelchen“ entdeckt. Im Anschluß an ein solches köstliches Mahl am heutigen 1. Mai und Gesprächen auch über Revolutionen, z.B. die „Nelkenrevolution in Portugal“, zeigte er einfach mal, was er uns, den deutschen Freunden, vorschlagen würde:

„Macht doch eine Nelkenrevolution*“. Sprachs und demonstrierte es. Auf portugiesisch.

* Nelkenrevolution 1974 in Portugal. Wir immer am 25. April gefeiert. Ginge aber auch am 1. Mai.