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Vom deutschen Traum doch noch in Libyien mitzumischen

Manchmal denke ich, mein Kurzzeitgedächtnis verlässt mich so langsam und dann ergreift mich grosse Furcht vor Alzheimer. So gings mir heute mal wieder, als ich las, das die Nato ein deutsches Angebot, Bombenteile für den Krieg in Libyen zu liefern, abgelehnt hat. Nun war ich bisher der festen Überzeugung immer wieder gelesen und gehört zu haben, die Nato habe um deutsche Hilfe und gerade um Lieferung dieser Bombenbauteile gebeten. – Also schnell mal gegoogelt.

Gott sei es gedankt mein Gedächtnis funktioniert noch. Am 27. Juni schreibt, zum Beispiel, Welt Online und bezieht sich dabei auf Spiegel online (auf wen denn sonst): „Anfang vergangener Woche sei eine Bitte der Nato für die Lieferung von Technik und Bauteilen für Bomben und andere Militärtechnik in Berlin eingegangen…. Diese Anfrage der Nato-Versorgungsagentur Namsa sei inzwischen positiv beantwortet worden.“ Selbst die Tagesschau berichtet in den frühen Morgenstunden des 29.Juni noch einmal von der höchst ministerlichen Genehmigung unseres Kriegsministers de Maiziere.

Ja, was denn nun? Hat die Nato oder hat sie nicht? Ich lese in meinem Bielefelder Käseblättchen, per paste and copy von dpa übernommen, die Namsa habe „bereits vor Wochen entschieden, das Angebot einer andern Nation in Anspruch zu nehmen“. Also hat sie, die Namsa, doch wohl nicht vorige Woche um Hilfe gebeten. Denn da hatte sie ja schon ein anderes Angebot angenommen, also gar keinen Bedarf mehr.

Da hatte wohl in Berlin jemand einen feuchten Traum und hat der ganzen kriegsgeilen Journaille gleich mit zu einer Ejakulation verholfen.

Bagdad? BILD läßt grüßen

Das war gestern der große Tag des Jens Reichenbach. Seines Zeichens Lokalreporter bei der größten Gazette der größten Stadt zwischen Hannover und Hamm. Wo so wenig passiert – außer ARMinia-Petitessen – daß der Brand eines Dachstuhles in der Altstadt gleich seitenweise das Blättchen füllt. Mit schwerem Atemzeug muß Jens von Brandherd zu Brandherd gehastetet sein, das schwere Löschrohr nach Öffnung des Eternit-versiegelten Daches des ehemaligen Dixi-Stalles geführt haben und eigenhändig geschmierte „heiß geräucherte“ Bürenkemper-Brötchen mit Rauchschinken-Auflage von Damisch aus der Obernstraße nebenan an Helfer und Schaulustige verteilt. Nicht ohne einen Werbeflyer „NW als Erste am Löschort“ zu verteilen. Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache und erinnern in ihrer Aussagekraft verflucht an jenes Boulevard-Altpapier mit der Ekelattitüde:


Screenshot NW. Opus 2 „Brand“

Da Jens aber noch ganz viel Raum hatte im Text- und Layoutprogramm der Zeitung, haute er noch mal Dramatisches raus. So hatte er endlich geschafft, was nicht so einfach ist: 1 Ereignis. 3 Aufmacher. Vorne drauf. Vorne im Lokalen. Dann nochmal eine Seite Vertiefung. Mit Menschen und Gasmasken. Und Hintergrund.


Screenshot NW. Opus 3 „Brand“

Spätabends, als Jens alle Brandnester aufgespürt und noch ein letztes herrliches Herforder mit den Männern der Brandwehr genippelt hatte, trat er endlich den Heimweg an. Im Wohnzimmer, als er schweres Atemgerät und Schutzkledung abgelegt hatte, inspizierte die wahrscheinliche Liebste ihren Helden:

„Schatz. Dein Bleistift riecht aber stark nach Rauch“

In wenigen Minuten halten wir ein Streichholz an Jensens mühevolle Arbeit. „Burn, Baby burn“. Ob es im Handverkauf heute mehr Auflage bringt? Wenn nicht, müssen die Bilder dramatischer werden. Vielleicht noch ein paar Crashtest-Dummies auf Reifen dabei? Stripte grad kein Mäuschen auf der Kunsthalle-Wiese? Vielleicht diente das alles aber auch nur als Umfeld für eine Bankanzeige? Irgend wer muß ja schließlich die Wiederaufbau-Kohle geben:


Wirbt im Brandgeruch. Screenshot NW. Opus 4

Nun bomben sie wieder

Nun bomben sie wieder. Schon nach einer Nacht ist die Flugverbotszone angeblich durchgesetzt. Also alles gut.

Die zweite Nacht des Lybienkrieges beginnt. Und schon kommen sie wieder, die Tarnkappenbomber und die Cruise Missiles. Tripolis liegt unter Flugabwehrfeuer. Wenn doch alles erledigt ist, was zerbomben die denn jetzt?

Könnte es sein, dass man wie in Serbien damals, ein wenig die gesamte Infrastruktur des Landes zerstören möchte? Könnte es sein, dass der Westen die Chance, die ihm die Resolution 1973 des Weltsicherheitsrates bietet, nutzen möchte um Lybien vorzubereiten für den Einsatz von Bodentruppen, für eine dauerhafte Besatzung?

Die Zusammenarbeit mit der Arabischen Liga, deren Unterstützung man als unbedingte Voraussetzung für ein Angreifen angeblich brauchte, ist schon nach nur einer Bombennacht zerbrochen, weil die „Koalition der Willigen“ auch Ziele bombadierte die nichts mit dem Einrichten einer Flugsverbotszone zu tun haben.

Ein altes Sprichwort sagt: Die Katze lässt das mausen nicht.