Archiv für den Autor: Laura Depping

Es steckt immer noch Mist in jedem Optimisten

Woher ich das weiß? Ich bin Laura, 26 und hauptberuflich Optimistin.

Wie man hauptberuflich Optimist wird und was das überhaupt bedeutet?
Schön, dass du fragst.

Wenn man sich traut, meinen Fall zu verallgemeinern, dann macht man sich folgendermaßen als Optimistin selbständig: Nach der Schule und einem „Orientierungsjahr“ in Australien -wie man diese Zeit so gekonnt umschreibt, in der man herausfinden will, warum alle anderen wissen, was sie vom Leben wollen und man selber nicht; nur um dann tatsächlich herauszufinden, dass es alle anderen auch nicht wissen, sie aber allesamt wirklich gut als Schauspieler im Theater anfangen könnten- beginnt man ein Psychologie-Studium. Denn als sich besagtes Auslandsjahr dem Ende neigt und man bisher lediglich die Erkenntnis gewonnen hat, für immer am anderen Ende der Welt bleiben zu wollen, ist der Ernst des Lebens ja noch keinen Schritt weiter gekommen. Der kleine Ernst steckt sozusagen noch in den Kinderschuhen. Und um dann zu lernen, warum manche dies witzig finden und manche stattdessen mit einem kleinen Seufzer ihr Mitleid ausdrücken, suchte ich mir das Menschenkunde-Fach an der Uni aus: Psychologie.

Was mir bereits nach zwei Semestern allmählich dämmerte, gestand ich mir dann schon dreieinhalb Jahre später, im neunten Semester, ein: Meine mittlerweile sehr in die Nähe gerückte Aussicht auf eine Festanstellung in einer Klinik mit täglichen Gesprächen über Süchte, Selbstzweifel und Suizid war nicht so rosig wie das Bild, das ich mir für mich wünschte. Ich wusste, dass ich das gut kann, denn nach den fünf Jahren Studium war ich am Ende meines Masters gut ausgebildet und wirklich für den Beruf der Psychologin geeignet. Jedenfalls nach außen. Ich könnte die Anforderungen in meinem Job erfüllen -ohne dass er mich erfüllt. Und statt nur die Zeit zu füllen bis ich damit anfangen dürfte, füllte ich ein Formular aus, das genau diesem Weg ein Ende setzte. (Ich finde faszinierend, wie oft man ein und dasselbe Wort hintereinander benutzen kann, ohne dass der Sinn des Satzes verzerrt wird. Im Folgenden ersetze ich jedes Verb durch Füllen -du wirst so Teil eines Feldexperiments mit der Frage, ob man den Sinn dann immer noch versteht.) Statt in einer Klinik als Psychologin anzufüllen, füllte ich nun stattdessen nach meiner wahren Passion. (Okay, das ist blöd, füllen wir das und füllen normal weiter.) Wenn du das schonmal versucht hast, weißt du, vor welch schwieriger Aufgabe man an diesem Punkt steht. Weil ich am besten auf Papier denken kann, schrieb ich kurzerhand ein Buch. Das wollte ich sowieso schon immer machen, weil ich wusste, dass ich gut schreiben kann. Dieses Buch trägt den Titel „Wie Optimismus alles möglich macht – 10 Schlüssel zu deinen neuen Gewohnheiten“ -somit war mein Thema schonmal gefunden.

Natürlich ist es nicht vom Himmel gefallen. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass ich wirklich eine Optimistin bin, als ich 2010 in unserer Abizeitung als „Optimistin“ auf Platz 1 gerankt wurde. Zwar nicht so eine spaßige Kategorie wie „fährt am besten betrunken Auto“ oder „Unterstufenschwarm“, aber immerhin etwas. By the way, das war ein ganz typischer Optimismus-Gedanke: „Immerhin etwas.“ Optimisten fragen sich in jeder Situation: „Wie kann ich jetzt das Beste aus dieser Situation machen?“ Sie heulen nicht rum, sondern löffeln den Pudding so lange aus bis sie beim Schokokern angekommen sind. (Haben Dicke deshalb immer einen witzigen Spruch auf den Lippen?)

Statt mich also zu beschweren, dass ich kein Unterstufenschwarm war, bedankte ich mich für die tolle Platzierung und musste sechs Jahre später drüber schmunzeln, dass die Antwort auf meine weltbewegende Frage nicht in Australien zu finden war, sondern in unserer Abizeitung stand. Auch gut. Wie das in diesem Fall bezogen aufs Alphabet zutrifft („Abizeitung“ vor „Australien“) ist es auch oft im Leben. Wenn wir einfach mal etwas weiter zurückschauen würden, könnten wird die Antworten deutlich schneller finden. Und manchmal wäre es einfach sehr hilfreich und zeitsparend, etwas genauer hinzuschauen.

Wer sich nun aber denkt, dass meine Berufung gefunden und mein Leben seitdem rosarot ist, denkt vielleicht ein bisschen zu optimistisch. Zu optimistisch? Gibt’s das überhaupt? Oh ja! Zu optimistisch sind für mich Menschen, die naiv mit rosaroter Brille durch die Welt tanzen und so tun, als gäbe es all die Dinge nicht, die ihre Augen hinter der rosaroten Brille trüben könnten. Das zählt für mich nicht zu Optimismus, sondern zu Ignoranz. Einfach all das zu ignorieren, was nicht ins eigene Bild passt, ist keine Antwort auf die Frage „Wie kann ich jetzt das Beste aus dieser Situation machen?“. Deshalb sollst du wissen, was ich von meinem Lieblingsrapper Alligatoah gelernt habe: Es steckt immer noch Mist in jedem Optimisten. Und das ist auch gut so!

Nur weil ich als Optimistin im Oktober 2016 den Sprung in die Selbständigkeit gewagt habe, heißt das noch lange nicht, dass die Anfangszeit bei mir das reinste Zuckerschlecken war. Hell no!
Als Psychologin habe ich mindestens so viele Gedanken im Kopf herumschwirren wie der durchschnittliche Deutsche; das heißt mindestens 50.000 – 60.000 Gedanken pro Tag. Manchmal sogar mehr glaube ich. Und wie bei den meisten anderen Menschen auch sind manche dieser Gedanken nicht so positiv wie es sich für einen waschechten Optimisten gehört. Viele dieser Gedanken drehen sich darum, wie ich Optimismus optimieren kann und warum ich manchmal so ganz und gar nicht optimistisch sein kann. Oder auch nicht sein will? Vom vielen Optimieren habe ich dann nach kurzer Zeit die Schnauze voll und bin einfach wieder ich selbst. Das zieht eh am besten. Also finde ich mich nicht nur damit ab, sondern mittlerweile schmunzele ich drüber:
Es steckt immer noch Mist in jedem Optimisten
Neben diesem Mist (absolut niemand ist perfekt!) stecken aber vor allem eine Menge positiver Impulse sowie Humor, Entertainment, psychologisches Fachwissen, Motivation, Begeisterung, die eigene Story und auch eine gewisse Weisheit in einem Optimisten.

Glaubst du nicht? Dann überzeug dich selbst und folge mir auf den Social Media Plattformen (facebook und Instagram) oder stelle einfach den direkten Kontakt zu mir her, zum Beispiel bei meinen öffentlichen Events -das nächste ist am 22.07.2017 im Ravensberger Park in Bielefeld! Infos und Tickets dazu bekommst du hier

Denn praktischerweise bin ich neben meiner Haupttätigkeit als Optimistin ebenso Speakerin.
So lässt sich mein Optimismus leichter in die Welt tragen.
Ich freu mich auf dich!

Bleib optimistisch,