Voll die Dramatik

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Während die Eltern eines Eingeschulten zur Feier des Tages zum Italiener luden dürften einigen Kids die Mägen geknurrt haben. Aber wie sagt doch Thilo Sarrazin so nett? „Sie haben das falsche Gen“. Oder meinte er, „ein Einkauf bei Aldi oder Lidl deckt alle Begehrlichkeiten ab“?.

15 Gedanken zu „Voll die Dramatik

  1. rainman

    Der Gegensatz zwischen Bild und Text erzeugt bei mir kognitive Dissonanzen.

  2. Dougan

    Jetzt übertreibst Du genau so wie Herr Sarrazin mit den mosaischen Genen.

    Hungern muß niemand, der das nicht will bei uns, und wenn er zur Tafel geht. Was das Integrationsproblem angeht, so gibt es wie üblich und immer solche und solche. Zur Zeit beklagen die Arbeitgeber den Fachkräftemangel und werben lieber Leute aus dem Ausland an. Tja, wieso schrauben sie auch die Vorraussetzungen so hoch? Schließlich sollen die Bewerber ausgebildet werden und weniger sich selbst schon vorher. Sarrazin redet von Volksverdummung. Klar, wer DSDS und ähnlichen Schwachsinn sich reinzieht, ausschließlich die Bildzeitung und nicht mal die örtliche Tageszeitung wenigstens, Museen als Altersheim bezeichnet usw., usw., auf den trifft das zu. Aber wie hoch ist der prozentuale Anteil an solchen Leuten? Welche Fehler haben die Eltern begangen, mit denen das rebellieren schon in der Hippiezeit anfing und dann noch mal in den 80ern? Und die Kids der Neunziger, welche jetzt schon wieder Eltern werden??? Wer hat schuld? Hat überhaupt jemand schuld? Sind alles nur Opfer der Medien oder die Politik oder das Individuum? Falsch verstandene oder ausgelegte Religion oder mangelnde Völkerverständigung?

    Ich sage: Jeder ein bißchen. Alle Faktoren zusammengenommen ergeben eine Gesamtschuld. An Sarrazins Thesen ist etwas wahres dran, aber auch wiederum nicht. Er redet offen, was vielen nur unbewusst ist oder die, dies ahnen oder wissen, reden nicht davon. Doch er bringt es falsch rüber, sofern die Medien da nicht ihre Finger im Spiel haben. Wie oft sagte einer: „Ausländer raus aus dem Abseits“.

    In der Zeitung steht dann nur die ersten beiden Wörter.

    http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-19648/thilo-sarrazin-niemand-wird-beleidigt-niemand-wird-diffamiert_aid_546182.html

  3. Dougan

    So schnell kann´s gehen…

    Ein Mann geht im Central Park in New York spazieren. Plötzlich entdeckt er ein Mädchen, welches von einem Hund angegriffen wird. Nach einem wilden Kampf kann er den Hund töten, das Mädchen befreien und so ihr Leben retten. Ein Polizist hat die Situation beobachtet. Er geht zu dem Mann, klopft diesem auf die Schulter und sagt: „Sie sind ein Held! Morgen wird in der Zeitung stehen: „Mutiger New Yorker rettet Mädchen das Leben!“. Der Mann schüttelt den Kopf und meint: „Ich bin kein New Yorker.“

    „Oh“, erwidert der Polizist, „dann steht morgen in der Zeitung: „Mutiger Amerikaner rettet Mädchen das Leben!““. Wieder schüttelt der Mann seinen Kopf und spricht: „Ich bin kein Amerikaner.“ Verblüfft schaut der Polizist den Mann an und fragt: „Was sind Sie dann?“ „Ich bin Pakistani!“

    Am nächsten Tag steht folgende Schlagzeile in der Zeitung: „Islamistischer Extremist tötet amerikanischen Hund. Verbindungen zu Terrornetzwerken vermutet.“

    Einer der vielen Gründe. Kann einem Ami oder Europäer auch in Pakistan passieren, nur da wären die Konsequenzen schlimmer, oder?

  4. Dougan

    Auf Pro7 (Volksverdummung ;-)) gibt es einen Telefonted, welchen man über den Videotext einsehen kann. Die Teilnahme, an welcher ich nicht teilgenommen, kostet 50 Cent pro Festnetzanruf, Mobilfunk max. 42 Cent pro Minute. „Die SPD will Sarrazin rausschmeißen. Was halten Sie davon?“

    Stand von 20:00 Uhr

    13 % Ja, 40 Anrufer
    83,4 % Nein, 256 Anrufer
    2,9 % Weiß nicht, 9 Anrufer
    0,7 % Mir egal, 2 Anrufer

    Was sagt man zu dieser Variante von Volkes Stimme?^^^^

  5. Ghostwriter

    Da sagt man, das CDU/FDP Anhänger noch zu viel Geld haben, um an so einer Abstimmung teil zu nehmen.

  6. Dougan

    Gerade dann müßten die 83,4 %, welche gegen den Ausschluß sind, ja für diesen sein. Auch wenn es sich nicht um eine repräsentative Umfrage handelt, so zeigt sie doch, daß Sarazins Thesen, wenn schon nicht zu 100 % unterstützt, aber doch zu einem guten Teil befürwortet werden.

    Wie gesagt, er übertreibt, hat aber teilweise auch recht. Siehe Beitrag zwo mit der Gesamtschuld.

  7. Kritiker

    Viel lustiger finde ich ja die Fragestellung:
    “Die SPD will Sarrazin rausschmeißen. Was halten Sie davon?”

    Antwort: „Ja“/“Nein“…

    also mal rein grammatikalisch/didaktisch. Ja oder Nein ist doch keine Antwort auf eine Frage nach meiner Meinung….

    „Morgen soll es regnen. was halten Sie davon?“ „Ja“????

  8. Dougan

    Mal abgesehen von diesen Abstimmungsmöglichkeiten ist ja auch der Inhalt mehr relevant. Die meisten der Teilnehmer sind offenbar gegen den Rausschmiß und wünschen sich andere Sanktionen, wenn überhaupt.

    Gleichwohl, „Was halten sie davon?“, als Antwort „Ja, ich stimme dem zu“ und „Nein, ich stimme dem nicht zu.“ können diese Ja und Neins gelten, nur müßte man die Antworten entsprechend ausschreiben. Für uns Betrachter sieht es auf den ersten Blick natürlich nach Vandalimus in den Bereichen Syntax und Grammatik aus. Doch ist es das schlimmste, was man in einer Polemik oder Blogdiskussion machen kann, sich allein an den Schreib- und Feinheiten anderer zu fixieren. Das beweist schon der Friendsblog, wenn es nur um reine Körpervolumen, und nicht um die Firma, usw. an sich geht.

    Viel wichtiger ist doch der Inhalt selbst, oder Kritiker? Was hälst Du denn von Sarrazin und seinen Thesen?

  9. Kritiker

    @Dougan:
    „Doch ist es das schlimmste, was man in einer Polemik oder Blogdiskussion machen kann, sich allein an den Schreib- und Feinheiten anderer zu fixieren.“

    Ich fixiere mich keineswegs auf die Schreibheiten anderer. Mein Kommentar bezog sich ausschließlich auf Deinen Eingangskommentar zu „Pro7 (VOLKSVERDUMMUNG)“, also auf die Eloquenz mit der solche Umfragen geschehen. Der Vorwurf, inhaltlich nichts dazu beitragen zu wollen, ist schlicht falsch, aber man wird ja auch nicht gezwungen, zu jedem Aspekt eines Themas etwas sagen bzw. schreiben zu müssen, oder Dougan?

    Inhaltlich ist der besagt Herr aufgrund seiner zur Schau gestellten Rassenidiologie nicht diskutabel.

  10. Dougan

    Es war kein Vorwurf, nichts liegt mir ferner, als anderen ob ihrer Beiträge Vorwürfe zu machen, oder mich als Moderator eines Onlinetalks aufspielen zu wollen. Das darfst Du nicht falsch verstehen. Es war mehr ein Hinweis auf die etwaiige Gefahr solcher Ansichten, hat aber nichts mit Dir selbst, Kritiker, zu tun.

  11. textexter Artikelautor

    „…zur Schau gestellte Rassenidiologie“. Genau das ist es und findet doch millionenfachen Beifall. „Weil es in BILD stand, ist es wahr“. Traurig.

  12. omega

    Berechtigte Frage, die du da in deinem letzten Kommentar stellst, Kritiker.

  13. notepicker

    Dougan, mich würde einmal interessieren, was Du damit meinst: „…er übertreibt, hat aber teilweise auch recht:“ Sag doch bitte einmal womit Sarrazin recht hat. Für mich ist das alles haarsträubender, gefährlicher Unsinn.
    Hier eine Antwort auf die angeblich wissenschaftlich fundierten und seriös recherchierten Thesen dieses Hetzers. Mal reinhören:
    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/08/31/drw_201008311005_das_bestimmte_juedische_gen_thilo_ec88ab90.mp3

  14. notepicker

    Ja Dougan, wo liegt die Schuld? Ich glaube das ist nicht so leicht zu beantworten, wie manche sich das zur Zeit machen. Vielleicht findet man eine Antwort fernab von den großen Buchstaben. Ich will aus meiner eigenen Erfahrung berichten und deshalb kann ich auch hier nur zu den Türken in Deutschland etwas sagen.
    Am Anfang, in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, stand der immense Arbeitskräftemangel hier bei uns. Was war also einfacher für die Dreckarbeit, die hier keiner mehr machen wollte, Ausländer anzuwerben. Zuerst Italiener, dann Spanier, Griechen und Portugiesen. Als es aber in diesen Ländern auch immer mehr Arbeit und Wohlstand gab, wichen die Werber auf die Türkei aus. Die Leute dort in Anatolien lebten in bitterer Armut und so war es ein leichtes, zigtausende von Arbeitskräften anzuwerben.
    Das Wort Arbeitskräfte weist, so meine ich, schon auf den ersten und entscheidenden Fehler hin. Man wollte Arbeitskräfte und es kamen Menschen.
    Diese Menschen fanden sich plötzlich in einer für sie vollkommen fremden Welt wieder. Hier war es kalt, grau und unfreundlich. Sie wurden in baufällige Unterkünfte gesteckt, oft zu zehn und mehr Männer in einem Zimmer in den miesesten Stadtvierteln oder gleich direkt auf dem Werksgelände. Das Essen, das man ihnen gab, war fremd, für ihre Gaumen ungeniessbar für ihre Mägen unverdaulich und mit ihrer Religion unvereinbar. (Noch in den neunziger Jahren habe ich miterlebt wie man in einer großen Werkskantine in Bielefeld einem gläubigen Moslem den Teller mit Schweinefleisch verunreinigte und selbst auf meine Erklärung dem Mann keinen neuen Teller gab). Man betrachtete sie als menschliche Roboter, sie sollten arbeiten und sonst nichts. Sie besaßen keine Rechte. Auf der Arbeitsstelle wurden sie von den Kollegen bestenfalls wie Idioten behandelt und mit Ihnen wurde in einer Art pitchin Deutsch gesprochen: „Du hier machen sauber!“ In den Pausen wurden sie geschnitten und ausgegrenzt. Wer erinnert sich nicht an die liebevolle Bezeichnung Kanacken?
    Kein Mensch kümmerte sich um sie, geschweige denn, bemühte sich um ihre Eingliederung. Sie waren als Arbeitskräfte angeworben, sie sollten ihre Arbeit tun und danach wieder verschwinden. Am besten noch bevor sie einen Rentenanspruch erworben hatten. Offiziell wurde schnell eine Bezeichnung gefunden: Gastarbeiter. Fremdarbeiter, das hatte einen zu schalen Beigeschmack 20, 25 Jahre nach Adolf Hitler. Gastarbeiter, dass klang nach freundliche, nette Leute besuchen andere freundliche nette Leute und arbeiten ein wenig bei denen.
    Aber wir waren keine freundlichen nette Leute, wir waren keine guten Gastgeber. Wir behandelten unsere Gäste wie Sklaven.
    Was also sollten die Fremden tun. Kein Mensch half ihnen in dieser für sie absolut fremden Welt sich zurecht zu finden. Sie mussten von einem Tag auf den anderen mehrere hundert Jahre Entwicklung überspringen. Sie hatten Heimweh. Aber sie konnten auf absehbare Zeit nicht zurück in ihre Heimat. Zum einen hatten sie einen mehrjährigen Vertrag unterzeichnet (den die meisten nicht einmal verstanden hatten), zum anderen warteten ihre Angehörigen und Verwandten auf das Geld aus Deutschland.
    Sie kamen in einer Zeit zu uns, als unsere Mütter und Väter sich gerade vom verlorenen Krieg erholt hatten und sich schon wieder, bestärkt durch das Wirtschaftswunder, für die Herren der Welt hielten. Gerade war man dabei sich die Schlächterei des Nationalsozialismus schön zu reden. Die Bürger der Sowjetunion waren schlicht „Der Iwan“ alle anderen Völker jenseits des Eisernen Vorhangs waren Pollacken, jenseits der Alpen, das waren die Itackas. Unsere Mütter warnten uns vor Zigeunern: „Halt dich fern von denen, die stehlen Kinder!“, und die Jugend hörte Negermusik. Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen einen dieser Kameltreiber zu sich nach Haus einzuladen oder sich ernsthaft mit der Kultur ihrer Heimatländer zu befassen.
    Was blieb den Leuten anders übrig, als zusammen zu halten, wenn sie denn nicht vor die Hunde gehen wollten vor Heimweh, Frust und Wut. Sie holten ihre Frauen und Kinder zu sich. Sie bezogen Wohnungen die nebeneinander lagen. Die Deutschen flohen aus den Häusern in denen Türken einzogen. so wurden andere Wohnungen frei und so besiedelten sie nach und nach erst ganze Mietshäuser, dann ganze Straßenzüge und schließlich ganze Stadtviertel. Diese Viertel und mochten es auch die miesesten der ganzen Stadt sein wurden ihr zu Hause. Hier entstand eine Subkultur., ein in sich geschossenes Milieu.
    Es ist wissenschaftlich erwiesen, das Volksgruppen in der Diaspora zur Radikalisierung neigen. Keine Deutschen sind z.B. so Deutsch wie die Wolgadeutschen oder die Banater Schwaben. Und so wurden auch die Türken in ihren Ghettos oftmals zu glühenden Nationalisten und Muslimen. Sie lehnten es ab Deutsch zu lernen (in ihren Augen die Sprache der Unterdrücker, der Ausbeuter) und sie lehnten den westlichen Lebensstil immer entschiedener ab, während ihr Heimatland sich immer mehr öffnete.
    Multi-kulti hat es nie gegeben, nicht mal in den Köpfen der Grünen. Was die für Multi-Kulti hielten, war die Dönerbude in der sie sich noch spät in der Nacht, nachdem sie sich bei etlichen Flaschen Rotwein die Köpfe heiß geredet hatten, etwas zu Essen holen konnten: „Mit alles, auch mit scharf!“
    Vergangenheit? Heute ist alles ganz anders? Heute steht den Migranten die Welt offen, nur das verdammte Pack will nicht? Ein persönliches Erlebnis: Vor knapp zwei Jahren bin ich mit meiner Freundin zusammengezogen in eine nun größere Wohnung. Ich musste für meine kleine drei Zimmer Wohnung in einem Mehr-Parteien-Haus in Bielefeld Mitte einen Nachmieter suchen. Das erste, was mein Vermieter und meine damaligen Nachbarn mir aufgaben: „Keine Ausländer!“

  15. Dougan

    Ich kann es nachvollziehen, was Du erlebt und durchgemacht hast. Es kommt auch wieder das klassische Bild vom kriminellen Ausländer hoch. Begeht ein Deutscher einen Mord, steht es auf Seite 3 oder 4 der Bild. Stiehlt ein Ausländer, steht es auf vielen Titelseiten oder wenigstens auf Seite 2. Womit wir wieder bei der Verantwortung der Medien wären.

    Wehrt man sich als Deutscher, wird man gleich als „Nazi“ oder „Fascho“ betitelt. Aber wie wäre es im Ausland? Ist es da nicht genauso wie hier? Damit wären wir auch gleich wieder bei der Völkerverständigung.

    Und was machen wir jetzt?

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