Majestät treten beleidigt zurück.

Komisch, die Erde in BI und OWL hat nicht gewackelt, es tat sich kein Spalt auf. Stattdessen Kopfschütteln, leises Lächeln und die Frage, was Figuren wie Köhler, Merkel, Westerwelle, früher Schröder in solchen Ämtern zu suchen haben. Das war die erste Pressemeldung, die Köhlers „Ähhbääbbäää, ich will nicht mehr“ berichteten:

Das hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben: Bundespräsident Horst Köhler ist überraschend zurückgetreten. Als Grund nannte er die Kritik an seinen Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz – er vermisse den Respekt vor seinem Amt.

In Gagaland darf man als Regierungschef, Minister und andere „staatstragende Gestalt“ Menschen beleidigen, diffamieren, als Schmarotzer und Volksschädling bezeichnen. Wird aber eine tatsächlich in einem Rundfunkinterview geäußerte, sehr bedenkliche Aussage öffentlich kritisiert, sind Majestäten beleidigt. Ein Kerl mit Arsch in der Hose hätte sich vor der Presse aufgebaut und mit Hilfe seiner Heerscharen im Presseamt markig klargestellt, was er wirklich meinte. Der blasse, von Merkel und Westerwelle da hingehievte Typ aus der neoliberalen Ecke aber schmollte.

Geh Horst. Geh schnell und gut ist. „Fähige“ Sparkassendirektoren haben wir weiß Gott genug in diesem Land. Wie wärs zur Abwechslung mal mit einem richtigen Präsidenten/in, zu dem/der alle aufschauen könnten? Das wird allerdings nahezu unmöglich sein, eine derartige Person zu finden. Oder kann sich jemand Herrn Pofalla, Herrn Gabriel oder Herrn Brüderle ernsthaft als Präsidenten vorstellen? In Hessen sagt man „Labbeduddel“ zu solchen Typen.

Wie dem auch sei. Gaga ist in diesem Lande hoch angesagt. Wir wünschen uns Heinrich Lübke zurück. Denn: „Sssauerland bleibt Sssauerland and we are heavy on wire“. Da konnten wir wenigstens herzhaft lachen. Heute bleibt das Lachen im Halse stecken. Aber NRW ist gerettet: Jürgen Rüttgers wird Bundespräsident und Hannelore Kraft Ministerpräsidentin einer großen Koalition. Alle freuen sich, klatschen wie wild und das Land geht herrlichen Zeiten entgegen. Beide haben „ihr Gesicht gewahrt“ und die CDU in rot ist es auch zufrieden.

Ihr könnt die Mundwinkel wieder hochziehen 🙂

Blogger „Feynsinn“ hat das Thema mal feinsinnig analysiert und die in manchen Medien bereits „zensierte“ Aussage dokumentiert:

“Meine Einschätzung ist aber, daß insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, daß ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muß, daß im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern , die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg”.

Was war daran mißverständlich?

7 Gedanken zu „Majestät treten beleidigt zurück.

  1. Wahl-Bielefelder

    Meiner Meinung nach hätte er nicht wegen der Kritik an seiner Aussage, sondern wegen der Aussage an sich zurücktreten sollen. Er hat seinen Eid auf die Verfassung geschworen, die nunmal nicht vorsieht, dass die Bundeswehr für Wirtschaftsinteressen kämpft. So hätte er sich nicht äußern dürfen. Wenn er es trotzdem tut, kann man die Aussage ja immer noch entschuldigen und zurücknehmen. Aber jetzt wegen Kritik an der Aussage zurückzutreten ist lächerlich.

  2. textexter Artikelautor

    Happydigger: Horst las ja nur ab vom Blatte. Den Text kannte er vielleicht nicht? Dann muß sein Redenschreiber hingerichtet werden. Wie früher :-))) Dabei hat er als ehemaliger IWF – Chef doch nur die neoliberale Kante vertreten.

  3. Happydigger

    Die richtigen Worte finden ist schon schwer:
    Merkel: „Ich bedaure diesen Rücktritt aufs Allerhärteste.“

  4. Happydigger

    Westerwelle war „wie vom Donner getroffen“

    Treffen sollte ihn der Blitz!

  5. notepicker

    @ Wahl-Bielefelder: Ich denke, dass die Rücktrittsgründe unseres Bundeshorstes, nur vorgeschoben sind. Er wußte, dass in den nächsten Tagen noch einiges auf ihn zugekommen würde. Hat er, oder einer seiner Beamten doch schon recht frühzeitig gemerkt, dass er, als oberstes Verfassungsorgan diesen Landes, zum Bruch des Grundgesetzes aufgerufen hat. Wer, bitte schön, hat denn wohl dafür gesorgt, dass die kritische Passage des Interviews, wie von Geisterhand, auf der Seite des Deutschlandfunks gelöscht wurde. (Einige Gedanken zur Pressefreiheit in dieser „Demokratie“ sollte man sich vielleicht machen)
    Es ist ausschließlich den Bloggern zu verdanken, dass diese ungeheueren Aussagen, die von den Mainstream-Medien über Tage totgeschwiegen wurden, endlich an die Öffentlichkeit kamen und ein massiver Druck aufgebaut wurde.
    Als Beispiel hier:
    http://bundeshorst.wordpress.com/strafanzeigen-gegen-den-bundespraesidenten-der-bundesrepublik-deutschland/

  6. Berichte aus der Arbeitswelt

    Was Horst gesagt hat ist wohl nichts anderes als die Nato-Doktrin von 1999 und 2003 hat sich auch die Bundeswehr ein Papier gegeben, das den Parlamentariern bekannt ist und das ebenfalls solche Einsatzziele definiert und DAS wird in den Medien tunlichst verschwiegen.

Kommentare sind geschlossen.