„Aus“ für Marmeladeschmackofatzin: Hero/Schwartau schickt Verona Pooth heim

Tut mir leid, wenn der Name Oetker hier ständig erwähnt wird. Irgendwie sind die aber auch momentan ziemlich aktiv. Jetzt haben sie (bzw. er: Arend Oetker) Verona Pooth als Werbefigur rausgeworfen. Das liest sich dann in der Werbefachpresse so:

Und weg ist der lukrative Werbevertrag mit einem großen Lebensmittelkonzern! Die „Schwartauer Werke“ haben die Zusammenarbeit mit Verona Pooth beendet. Dies bestätigte nun „Schwartau“-Geschäftsführer Sebastian Schaeffer gegenüber „horizont.net“. Erst in der letzten Woche wurde bekannt, die Münchner Brauerei „Paulaner“ sehe ebenfalls bis auf Weiteres davon ab, die mit Pooth bereits im September 2008 produzierten Fernseh-Werbespots auszustrahlen. Wegen der Ermittlungen gegen ihren Ehemann Franjo war die 40-Jährige im Laufe der letzten Monate immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Dies sei allerdings nicht der Grund für die Zurückstellung der Spots gewesen, wie „Paulaner“-Sprecher Christoph Bohning erklärte. Auch „Schwartau“- Geschäftsführer Sebastian Schaeffer besteht darauf, der Wirbel um die Person Verona Pooth habe nichts mit der ausgebliebenen Vertragsverlängerung zu tun.

Der rätselnde Leser wird sich jetzt erstaunt fragen, ob der Autor spinnt oder wo er den Bezug zu Oetker herstellt. Bitteschön:

Mit einer raffinierten Firmenkonstruktion verlagerte er (Arend Oetker) große Teile seines Besitzes in die Schweiz. Es ist eine Auswanderung auf Raten. Die entscheidende Holding – die FIM AG – sitzt im Kanton Zug, wo die Unternehmenssteuern besonders niedrig sind. 1995 übernahm Oetker die Mehrheit am Schweizer Lebensmittelkonzern Hero AG. Der nach Einschätzung der „Neuen Zürcher Zeitung“ „reichlich intransparente“ Deal gelang ihm über eine Beteiligungsgesellschaft, die dann die FIM AG in Zug übernahm – jene Holding, in der die Aktienmehrheit der Hero lag.

Geschäfte mit sich selbst

Fast zeitgleich mit dem Einstieg Oetkers beim Hero-Konzern kaufte dieser Auslandsgesellschaften der Schwartauer Werke – die Arend Oetker gehörten. Oetker machte also praktisch Geschäfte mit sich selbst. So auch 2002, als die Hero die Mehrheit am so genannten Markengeschäft der Oetkerschen Marmeladenwerke in Schwartau übernahm. Diese Aktivitäten, darunter Verkauf und Produktion von „Schwartau“, „Schwartau extra“ und „Corny“, waren zuvor in eine eigene Gesellschaft gepackt worden: die Schwartauer Werke GmbH & Co. KGaA. Für 51 Prozent an dieser Firma zahlte der Hero-Konzern, der von Oetker kontrolliert wird, 183 Millionen Euro an eine Oetker-Beteiligungsfirma in Deutschland.

Der Erlös war nach den von der rot-grünen Regierung geschaffenen Regelungen für Firmenverkäufe steuerfrei. Oetker schanzte der Hero zudem das Recht zu, ab 2009 auch den Rest des Schwartau-Markengeschäfts zu kaufen. Listig sorgte CDU-Mitglied Oetker sogar für den Fall vor, dass seine Partei die nächste Bundestagswahl im Herbst 2006 gewinnt und die Steuervorteile bei Firmenverkäufen streicht: Dann darf die Hero, die Oetker mittlerweile zu 100 Prozent kontrolliert, schon im Mai 2007 in Schwartau zuschlagen – also bevor Reformen einer neuen Regierung im Gesetzblatt stehen.

Der Schwartauer Betrieb zahlt zwar grundsätzlich weiter Steuern ans deutsche Finanzamt. Aber in internationalen Konzernen besteht die Kunst darin, die Gewinne da anfallen zu lassen, wo die Steuern am niedrigsten sind. Dazu gibt es viele Möglichkeiten – zum Beispiel indem man in Hochsteuerländern die Kosten für Zulieferungen und Dienstleistungen eigener Konzerngesellschaften in die Höhe treibt. („stern“ 9.9.2004)

Na, isser nich clever, der 70 jährige Schlingel? So macht man das, wenn man in den Präsidien der ach so wichtigen deutschen Industrie sitzt, ganz früh das noch nicht mal gesprossene Gras bereits wachsen hört, überall seinen Senf dazu gibt und wichtiger noch: Die Fäden so fein spinnt, daß sie exakt wieder in zwei Händen zusammenlaufen. Seinen eigenen.

Tut er aber wahrscheinlich alles nur, weil er ein Menschenfreund ist und alles auf einen Schlag demnächst dem Schweizer Staat schenkt, wenn der weiter von einem deutschen Kerl namens Peer „Hochstirn“ Steinbrück in die finanzielle Enge getrieben wird. Da kennt eine Krähe vor der nächsten keine Freunde und Verwandten mehr.

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