Begegnung mit Wegelagerei

Verehrter Herr Oberbürgermeister Peter Clausen,

ich hätte da mal eine Frage. Es ist heute nachmittag. 15:11 Uhr. Angenommen, zart wie Sie sind, liegen Sie im Fond Ihres Dienst-BMW und plötzlich werden Sie gradezu nach vorne geschleudert. Ihr Fahrer, seit vielen Jahren ein Muster an Beachtung von Geschwindigkeits- und sonstigen Vorschriften, haut in die Eisen. Linkerhand Höhe Queller Feuerwehr erschrickt er über eine Ansammlung von vielen Fahrzeugen, einer grünen „Minna“ und ca. 8 Bielefelder Wachbediensteten. Verzeihung Polizeibeamten. Eben noch saloppe 50 sollen Sie nun angesichts eines 30-Schildes schlagartig abgebremst werden, was Ihnen die Zähne herausschlagen würde. Sie bekommen nur noch ein muffiges „Hmmmmpfsassa“ heraus und greifen instinktiv zum roten Parteibuch der ziemlich unbedeutenden Anti-Sozialpartei. Ein Reflex einfach. Vor Ihrem Fahrzeug leuchtet eine rote Kelle und ein freundlich grinsender Schwarzblauer winkt Sie nach links heraus. Klar, links. Rechts würden Sie übel nehmen. „Guten Tag Herr Oberbürgermeister“, wirft der Kelleur Ihnen zu, der Sie aus dem hinteren Seitenfenster lugen. „Aber beim Oberhaupt der Stadt machen wir eine Ausnahme. Gute Fahrt noch“. Weiter gehts mit der OB-Fuhre.

War dann leider doch nicht so bei mir. 100 Euro „Verwarnung“, 1 Punkt in Flensburg. Man muss eben schlagartig bremsen, auch wenn der nachfolgende 40-Tonner einen aufgegabelt hätte. Erschrecken ob einer solchen Ansammlung (1 hält die Pistole, 1 kellt links, 1 fragt nach, ob alles ok ist mit den Papieren, 5 gucken, ob es was zu gucken gibt) darf man natürlich auch nicht. Ging aber ein paar hundert „Verkehrsgefährdern“ auch so.

Nun gut, der bebrillte Mittfünziger in der etwas wurstig sitzenden Montur war ausgesprochen höflich und ließ keinen der bekannten Sätze wie „Sie wissen doch….“ heraus. Sei es drum. Wir spenden doch gerne für die Pleitestadt. Wie die Hunderttausende am Bielefelder Berg, denen das Käffchen tief im Tal als „Hauptstadt des Blitzes“ in Erinnerung bleibt.

Was aber richtig ärgerte, war das:

Breitestraße. Du wirfst nen Euro in die Parkuhr. Drückst den grünen Knopf. Parkschein kommt nicht. Du ermahnst ihn. Nichts. Dann wirfst Du 50 Cent rein, drückst den grünen Knopf und der Parkschein kommt.Wir hätten jetzt gerne den Euro zurück, Herr Oberbürgermeister.

Wieder ein paar Sympathiepunkte weniger für das seltsame Gemeinwesen im Tal des Teuro. Hat sich schon ganz schön was angesammelt auf dem Minuskonto. Hat nicht mal was mit ARMinia zu tun. Aber ganz viel mit der Junta dieser Stadt.

Hatte fast vergessen: Die schönere und bessere Hälfte wurde gestern ebenfalls von Wegelagerern mit Pistole geblitzt. Scheint ein neues Spiel zu werden, um das Stadtsäckel aufzufüllen. Nicht die Stadt ist für die Bürger da sondern die Bürger für die Stadt. Oder so. Deshalb muss ja jetzt auch das „Technische Rathaus“ her, um all die Blitzverwalter zu beheimaten.

9 Gedanken zu „Begegnung mit Wegelagerei

  1. primula vulgaris

    Ochottochott, ochottochott, ochottochott, wie isset nur möchlich?

    > Eben noch saloppe 50 sollen Sie nun angesichts eines 30-Schildes schlagartig abgebremst werden,
    Brille kaufen und tragen, dann ist das 30-Schild auch rechtzeitig zu erkennen. Ansonsten §1 der StVO.

    > was Ihnen die Zähne herausschlagen würde.
    Dumm gelaufen, denn das kostet dann nicht nur die Zähne sondern auch zusätzliches Bußgeld, weil §21a, Abs. 1, erster Satz, gilt.

    >Man muss eben schlagartig bremsen, auch wenn der nachfolgende 40-Tonner einen aufgegabelt hätte.
    Dann vielleicht besser gleich bis zum anderen Ende des Ortes mit 50 durchziehen, denn wer weiß, ob der 40-Tonner überhaupt gewillt ist, langsamer zu fahren? Oder besser sogar 60 fahren, um den 40-Tonner abzuhängen?

    > “Aber beim Oberhaupt der Stadt machen wir eine Ausnahme. Gute Fahrt noch”
    Belege oder Polemik auf Niveau des Prekariats-VerBLÖDungsblattes?

    So sehr es auch grämen mag, in so kurzer Zeit gleich zwei Mal zur Kasse gebeten worden zu sein, so zeigt die Polemik hier doch eindeutig, dass es noch an der Einsicht mangelt, die Gefahr der Verhängung eines Bußgeldes durch die eigene, konforme Fahrweise positiv beeinflussen zu können.

    Morgen scheint wieder die Sonne und bis dahin ist noch etwas Zeit alles noch einmal zu überdenken. Mein ja nur so.

    1. textexter Artikelautor

      Zweiter Taufname „Klugscheisser“? Wenn man so absolut nichts zu einer Satire beitragen kann, mach lieber den Dieter Nuhr 🙂

  2. Helga

    Nu sei doch mal nicht so sauer. Irgendwann hat sich die Investition in die teure Blitzerausrüstung „gerechnet“ und dann lässt auch der Eifer der Bediensteten wieder nach – wollen wir jedenfalls hoffen.

  3. primula vulgaris

    Herr Textexter, der Schuh steht Ihnen ganz ausgezeichnet!

    (Sobald er eingelaufen ist, können wir gern zum Inhalt zurückkehren.)

  4. textexter Artikelautor

    Meine Schuhgrösse wird Dir leider nicht passen 🙂 Grade 1000 Kilometer „unauffällig“ absolviert. Aber es lauerte auch niemand mit einer scharfen „Pistole“

  5. LaraLaura

    Ich kann mit 13 mein Taschengeld aufbessern. Viele tun das Geld und ein paar Minuten kommt das Geld zurück. Wenn ich mit der Mutter im Parkhaus bin nach dem Einkaufen, dann nutze ich die Gelegenheit in der Schlitze das Geld zu suchen. Einmal fand ich 3Euro.

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