Bei Jagertee und Reststollen

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Ein älterer Herr, der sich über einen Haufen noch funktionierender Handys freute, mit denen er in Afrika ein kommunkativ-gutes Werk vollbringen wird, erzählte von einer Zeit, als es hier noch richtige, gespurte Loipen gab. Leider seien die Skihaserln heute „stockertsteif“ und würden lieber irgendwo hinfliegen zum Skaten. Abgesehen vom ästhetisch eher breitärschigen Stil des Skatens könnte man hier auch kaum so breite Schneefelder räumen dafür.

Bei aller Phantasie, die ihm noch innewohnt, konnte er sich aber nicht vorstellen wie das aussieht, wenn am frühen Abend die fixen Queller Skilehrer in einer Anmutung von Telemark die Diretissima von der Hünenburg hinunterwedeln, die brennende Fackel in der Rechten und diesen zarten, lustvollen Zug um die Mundwinkel, der verrät: Bei Olsson warten sie schon, die Skihaserln. Anoraks ausgezogen, Jagertee vor sich und die Alterskontrolle hinter sich. Ab „vollendetem 70ten“ dürfen sie an den Stammtisch, wo die guten alten Geschichten erzählt werden aus der Zeit, als Quelle noch „das St. Moritz der tiefen Wallachei“ war. Ein geheimer Geheimtipp. Nur einer verschworenen Gemeinschaft bekannt. Nie nahmen sie an Deutschen Meisterschaften, Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften teil. Allzu groß war der Leistungsabstand zur angeblichen Elite dieses unseres Landes. Rosi M. hätte hier wohl nur die goldene Ananas aus Jibi-Anbau gewonnen- Sie, mit dem „An der Quelle liegt die Ruh´“ vorne auf den breiten Brüsten hätten alles in Grund und Boden getelemarkt, was auf Ski stand.

Ach so, was ich vergaß. Apropos St. Moritz. Das, was die da so stolz mit der Massivgold-Rolex am Arm „Polo spielen“ nennen, gab es damals auf dem zugefrorenen Lutterkolk schon lange. Nur waren die Pferde wohltrainierte Rennkühe aus edler Westfalenzucht. Mittags Spurt mit Reiter, abends „Melken für den guten Zweck“.