Sauerland unter Beschuß

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Nachdem gestern Abend in irgendeinem TV-Magazin die kindliche Vorfreude des Duisburger Chaoten-OB gezeigt wurde – „Wir haben alles phantastisch im Griff“ – , fällts es extremst schwer, mit dem komischen Männlein Mitleid zu haben.

Unsere Leserin und Kommentatorin madamef hat jetzt auf Mails hingewiesen, die man wohl bekommt, wenn man dem OB einen Kommentar schickt. Aber lest selbst…. „Sauerland bleibt eben Sauerland“, sagte schon Heinrich Lübke selig.

2 Gedanken zu „Sauerland unter Beschuß

  1. notepicker

    Nur damit man mich nicht falsch versteht: Auch ich bin der Meinung der Duisburger OB Sauerland sollte seinen Hut nehmen und seinen Amtssessel räumen. Aber warum immer nur Sauerland, klar der benimmt sich oberdämlich, aber warum fragt keiner nach den Leuten, die aus reiner Großmannssucht alles gar nicht groß genug kriegen konnten. Der längste Tisch der Welt auf der A 40, die größte Party der Welt, mit der größten Bühne der Welt und in kürze das größte Konzert der Welt mit dem größten Orchester der Welt und dem größten Chor der Welt. Fritz Pleitgen träumt schon von einer Großstadt Ruhr, dann die größte Stadt der Welt. Wer macht eigentlich die Herren Gorny und Pleitgen von der Ruhr.2010 verantwortlich, die die Stadt Duisburg massiv unter Druck gesetzt haben, denen alles egal war, Hauptsache die Party findet statt?
    Es lohnt sich einmal den offenen Brief des ehemaligen Bochumer Polizeipräsidenten Wenner, der letztes Jahr aus Sicherheitsgründen die Loveparade in Bochum scheitern ließ, zu lesen:
    „Was denken sich eigentlich Politiker und Journalisten, die die Metropole Ruhr als Monstranz ihrer Popularität vor sich hertragen, wenn es um die Verantwortung derer geht, die als Amtsträger für die Folgen ihres Handelns persönlich haften? Die mit ihrem Tun die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten haben? Die die Enge des Veranstaltungsraumes und die Disfunktionalität der Zu- und Abfahrtströme kennen, die wissen, dass es schon in Dortmund diesbezüglich heikle Situationen gegeben hat? Die wissen, dass ein Großteil der bis zu 1,5 Millionen jungen Teilnehmer erheblich unter Alkohol und Drogen stehen wird und die sich die Auswirkungen einer Panik unter so vielen Menschen unter solchen Umständen auf so engem Raum unverblendet von Wichtigtuerei vorstellen können? Alles nur unerhebliche Opfer für die Metropole Ruhr? Eine Metropole, die als solche überhaupt keine verantwortlich Handelnden kennt, weil die Politik dafür keine Voraussetzungen geschaffen hat. Wer manifeste Sicherheitsbedenken so wenig ernst nimmt, obwohl sie offenkundig sind, sollte sich von Verantwortung fernhalten, statt auf die einzuprügeln, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und sich ihr stellen. Wir wissen ja alle, dass es dieselben Menschen sind, die beispielsweise bei Kernkraft oder Gentechnologie genau wissen, dass alles, was geschehen kann auch geschehen wird und die, wenn es geschehen ist als erste pharisäerhaft auf die verantwortungslosen Verantwortungsträger zeigen, denen es dann auf der Anklagebank wenig hilft über die Metropole Ruhr zu schwadronieren. Denen werden dann die objektiven Fakten und ihr Wissen und Wollen vorgehalten, sonst nichts, weil Verantwortung so geht. Zu Recht, als ständige Erinnerung, körperliche Unversehrtheit und Leben anvertrauter Menschen so gut wie möglich zu schützen, auch wenn der Spaßfaktor auf der Strecke bleibt. Überleben ist wichtiger…“ Aber wie sagte schon Bert Brecht: „Aber die im Dunklen, die sieht man nicht.“

    Eine andere Frage scheint mir die Verantwortung der Journalie. Hätte z.B. der WDR seine Arbeit gemacht, hätten die Journalisten das ganze Treiben um die Loveparade kritisch begleitet, vielleicht hätte dieser Wahnsinn gar nicht stattgefunden. Aber der WDR hatte ja gerade RTL 2 und Visa die Übertragungsrechte abgejagt, wahrscheinlich für viel Geld. Da musste man ja trommeln, da durfte man ja nicht kritisieren, womöglich noch den offensichtlich absolut ungeeigneten Austragungsort als das bezeichnen was er ist, ein Abbruchgelände.
    Nein man hatte investiert und das musste sich schliesslich auszahlen. Darum wurde getrommelt über alle Kanäle bis hin zum Schunkelsender WDR 4. Geradezu besoffen war man von 50 Fernsehsendern aus aller Welt, die aus Duisburg berichten wollten und irgendein Schlaumeier hatte sogar einen Medienwert (was immer das auch ist) der Veranstaltung von 40 Mio. € errechnet.

    Nun werfen diese coolen Typen, die nie was mit irgendwas zu tun haben, den Sauerland, der nach Rache dürstenden Menge zum Fraß vor und zeigen mit dem Daumen nach unten, nachdem sie sich zuvor natürlich ihre Hände in Unschuld gewaschen haben.

  2. textexter Artikelautor

    notepicker, Du hast absolut recht. Das ganze Giganto-Ruhr-Gehampel, zu demn ja auch die Loveparade gehören sollte, geht einem gewaltig auf den Zeiger. Stündlich geht immer noch im WDR die Post ab, da werden Mikros in betroffene Gesichter gehalten, da wird wieder und wieder wiederholt, bis der gutmütigste Geist zur Fernbedienung greift und diese mediale Trauervermarktung abschaltet. Dann wird nochmals einer draufgesetzt, Merkel mit den Fingern zur Raute wie immer, Schmerz im Gesicht, der Bundeschristian mit stets medial präsentem Frauchen, der Bundestags- präsident. Sie alle versperren denen, die wirklich Grund zur Trauer haben und hatten, die Sicht auf die Kirchenfürsten, die endlich wieder die Verdammnis beschwören können. Eine furchbare Bilderorgie, angheiut von den Medien.

    Der Hype um den Selbstmörder Enke, der keine Hemmungen hatte, einem Lokführer das Leben fortan zu versauen, ist ja noch unvergessen. Was jetzt abläuft ist Massenhysterie.

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