Zensurulla macht das Fahrtenbuch gar nicht erst auf

Man darf nun gespannt sein, ob Angela Merkel den Tagesausflug mit dem Steuerzahler-Jet von Südtirol nach Sylt auch privat aus der eigenen Tasche bezahlen wird. Historiker sollten da später einmal nachschauen. Denn die Qualitätsmedien erwähnen diese teure Privatreise bislang mit keinem Wort.

Nun gibt es parallel zur „Dienstwagen-Affäre“ der Ulla Schmidt (SPD) noch eine weitere äußerst pikante „Dienstwagen-Affäre“ – und zwar bei der Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Diese kontrollfreudige Dame, die von ihren Gegnern nur noch „Zensursula“ genannt wird, verweigert weiterhin die Einsicht und Kontrolle der Fahrtenbücher ihrer Dienstwagen. Unter anderem wegen der „Vielzahl von personenbezogenen Daten“ in diesen Fahrtenbüchern argumentiert die Ministerin, sei eine Einsicht leider nicht möglich. Der Datenschutzbeauftragte des Bundes ist entsetzt. Das Argument der Frau von der Leyen können künftig dann wohl all jene, die Dienstreisen abrechnen müssen, unter Berufung auf die angeblich so seriöse Frau gegenüber dem Finanzamt nutzen: Einsicht ins Fahrtenbuch? Aus Datenschutzgründen abgelehnt! Frau von der Leyen, eine Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht, hat offenbar vor der Wahl ein Interesse daran, dass manche Dinge nicht an die Öffentlichkeit kommen: Früher fuhr sie mit der Bahn vom heimatlichen Niedersachsen in ihr Büro nach Berlin, heute hat sie vom Steuerzahler finanzierte Limousinen mit Chauffeur. Ihre Familie ist eine der großen EU-Agrarsubventions-empfänger in Deutschland. Und ihr geschätzter Bruder, Hans-Holger Albrecht, der Schwarze öffentlich bei einer Ansprache als „Nigger“ titulierte, verdient sein Geld unter anderem mit Online-Kasinos und Pay-TV-Sexfilmchen. Vor der Wahl möchte die Familie aber eher nicht, dass Journalisten da im Familiennetzwerk einmal genauer hinschauen. Wohl auch nicht bei den Fahrtenbüchern. Deutsche Qualitätsjournalisten verstehen das offenbar – ducken sich und schauen brav weg. Quelle ist der von mit ansonsten nicht sonderlich geschätzte Kopp-Verlag.

Erstaunlich aber am Tun der ansonsten ebenso blindwütig wie fachlich wertfrei mit Zensur umgehenden Dame aus Hannover ist die Großkotzigkeit, mit der sie zu Werke geht. Kein Wort über das Tun der Niedersächsin mit der Familiennähe zum rechten Rand in den SpringerMohnBertelsmannBurda-Blättchen der Republik.