Westfalenblatt nur brüllend naiv?

Man muss nicht Kassandra heißen, um hinter jeder guten Nachricht auch eine Gefahr zu wittern. Die trojanische Königstochter war in der Antike bekannt für ihre Schwarzseherei. Den Sieg der griechischen Belagerer konnte sie jedoch trotz ihrer fortwährenden Warnungen nicht verhindern. Heutige Kassandras melden sich vor allem dann zu Wort, wenn die Bundesagentur für Arbeit mal wieder ihre neue Monatsstatistik vorlegt. Seit Beginn der Krise sind die Zahlen stets besser als die Prognosen der weisen Volkswirte. Regelmäßig rufen dann die Schwarzseher: »Aber das nächste Mal ist die Arbeitslosenzahl höher.« Bislang behielten sie nicht Recht. Zum Glück! Dabei haben sie gute Argumente: die beängstigende Lage im Maschinenbau. Unsichere Perspektiven für die Autoindustrie. Die Lage der Staatsfinanzen. Der rückläufige Export. Die Kosten für Kurzarbeit und ihr abzusehendes Ende. Es wäre gut, wenn die Kassandras für eine Minute innehielten. Die Zeit ließe sich nutzen, um den Regierenden für ihre Umsicht und Unternehmern für ihre – sehr wohl eigennützige -Treue zum Personal zu danken.

Man muß sich fragen, ob der Kommentar des Westfalen-Blattes bewußt oder unbewußt erschreckend naiv ist. Die monatlichen Arbeitsmarktzahlen, die in so leuchtenden hellem Licht gezeichnet werden, werden nicht von irgendeiner Kassandra ausgewürfelt sondern nach dem Duktus der Politik geschönt, umgewidmet, etwas passend gemacht und so hingedeichselt, daß man in Berlin und Düsseldorf sagen kann: „Was wollt Ihr denn, es geht aufwärts“. Leute, die sich von Berufs wegen mit der Materie intensiv beschäftigen, gucken da schon hinter die Potemkinschen Mauern. Und siehe da, Dr. Joachim Jahnke, der sich mit globalen Entwicklungen befasst, sieht da für Deutschland etwas ganz Anderes:

Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit lassen Zeitphasenvergleiche und damit eine Beurteilung der Entwicklung kaum noch zu, weil immer neue Veränderungen und Manipulationen in der statistischen Basis erfolgt sind. Diese „Statistik“ ist inzwischen die bei Weitem verlogenste, die amtlich in Deutschland erstellt wird (siehe dazu Teil 8 unten).

Liebes Westfalen-Blatt. Das alles hat nichts mit Kassandra zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit Manipulation. Allerdings ist das keine Erfindung von SchwarzGelb allein, da hat schon der kleinste größte Kanzler alles Zeiten, jener GAZgerd, dranm rumfummeln lassen.

3 Gedanken zu „Westfalenblatt nur brüllend naiv?

  1. Berichte aus der Arbeitswelt

    In einer großen Firma, nur ca. 50 km weg vom Bielefeld, fahren sie seit Monaten eine erhöhte Produktionsleistung mit Sonderschichten und Überstunden, stellen aber nicht etwa mehr Leute ein, sondern haben diejenigen, die demnächst in Rente gehen zur Kurzarbeit angemeldet!

  2. AndreasK

    Weil’s mir zum 2. Mal auffällt: Der zitierte Mann hieß „Potemkin“, mit „n“ ;o)

    Ansonsten könnten man in der Tat die Schönrechnung bei einem solchen Thema erwähnen – selbst in einem Kommentar.

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