Die unwürdige Posse um Hermannslauf und Buch

Das Westfalen-Blatt kommentiert die Provinzposse um das Buch „Tödlicher Hermannslauf“ und die Veranstalter des „Hermannslauf“:

Als kürzlich bekannt wurde, dass ein Sportverein gegen einen Buchtitel klagen wollte – hat da jemand laut gelacht? Diesem Impuls hätte man nachgeben können, aber das wäre falsch gewesen, denn die Angelegenheit ist nicht lustig. Sie ist peinlich. Sie ist gefährlich. Peinlich für jene, die die Justiz bemühen, weil sie glauben, zwei Wörter – »Tödlicher Hermannslauf« – könnten eine starke Leistung zerstören. Gefährlich aber wird dieses kindische Verhalten, sollte sich irgendwann der erste Richter auf die Seite solcher Kläger stellen. Dann wäre es vorbei mit der Freiheit der Kunst, dann könnte jeder Wichtigtuer des Schriftstellers Text ins Feuer werfen, dem Schauspieler einen Maulkorb anlegen und dem Maler den Pinsel aus der Hand schlagen. Die Begründung für den Klageverzicht macht nun die Affäre vollends zur Blamage: Man habe Gnade vor Recht ergehen lassen, weil der Verleger und die Autorin dem Sportereignis nicht hätten schaden wollen. Hat da etwa jemand – ernsthaft – etwas anderes geglaubt? Es heißt, die Läufer hätten gelassen auf den Titel reagiert, so dass sich die Klage erübrige. Das zeigt uns, dass der Funktionär vom aktiven Sportler noch viel lernen muss. Der Kulturschaffende aber, in unserer Gesellschaft ohnehin wie ein Paria behandelt, wischt sich den Angstschweiß von der Stirn. Das hätte ins Auge gehen können. Wir sind noch einmal davongekommen.

Richtig. Aber eines Tages ird es die Richter geben, die dem Kläger nachgeben. Vielleicht gehört er sogar dem veranstaltenden Verein an, fühlt sich von den Tausenden auf der Strecke gestört oder hat einfach am frühen Morgen was Unrechtes gegessen. Der Justiz in diesem Lande sind besonders in den letzten Jahren schon allerlei unglaubwürdige Urteile gelungen. Zuletzt der Fall „Gardasee-Klaus“ oder die „1,30-Euro-Bon-Geschichte“. Oder, oder. Die Frage bleibt: Ist es überhaupt Recht, was geklagt wird, gerichtet wird oder einfach nur noch „Lust und Laune“?

6 Gedanken zu „Die unwürdige Posse um Hermannslauf und Buch

  1. Peter Mahlmann

    Die Klage „Hermannslauf“ hatte von vornherein nicht den Hauch einer Chance. Schon gar nicht mit Bezug auf die markenrechtliche Eintragung; schließlich handelt es sich um eine völlig andere Dienstleistungs-/Warenklasse: Die „Organisation von Veranstaltungen“ ist kein Buch. Auch aus UWG oder Urheberrecht ist auf weiter Flur keine Anspruchsgrundlage erkennbar.
    Die offene Frage: Warum gibt sich ein Anwalt für eine solche Possenreisserei her?

  2. textexter Artikelautor

    Nehmen wir einfach einmal an, er folgte dem derzeit durchaus populären Trend, einfach mal „Auf den Sack zu hauen“. Schaum um des Schaumes Willen oder die infantile Hoffnung, es fänden sich schon ein paar potentielle Mandanten, die einen „so durchsetzungsfähigen Advocaten“ haben wollen. Sinnentleerte Streitereien vor überlasteteten Gerichten finden sich ja auch in OWL jede Menge.

  3. madamef

    Wahrscheinlich freut sich der Pendragon-Verlag aus Bielefeld sehr über diese Gratis-Werbung.
    Nur ein Verriß von Marcel Reich-R. wäre noch besser gewesen.

  4. rosmarin

    ich finde es fast schade, dass plötzlich vernunft über den vorstand hereingebrochen ist. irgendwie hatte ich mich darauf gefreut, einmal im leben, einem wirklich lustigen gerichtsprozess zu folgen.
    naja.

  5. Petra Meister

    Warum gibt sich ein Anwalt für eine solche Possenreißerei her?

    Der Anwalt des TSVE präsentiert ausgerechnet heute, am 31. März, sein EIGENES Buch mit dem Titel „Abenteuer Hermannslauf“. Ein Zufall?

  6. textexter Artikelautor

    Vielleicht ist sein zweiter, bisher verheimlichter Vorname N wie „Nachtigall“. Die hätte man allerdings schon länger trapsen hören müssen. Aber: Was Bankster und Hütchenspieler können, können die Winkeladvocaten schon lange.

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