Reinhard hat fertig

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Klar, Reinhard, es hat schon lange gedauert und man sah das Licht in Deinem Gehöfte häufig nachts brennen, wenn Du diktiertest und auf Konzernpapier ausdrucken liessest, die Stellen, in denen es um das tausendjährige Reich und die Verstrickung Eures Imperiums ging, sorgfältig ausstrichst und schwärztest. Vergeben. Vergessen. Die NW widmet Dir ja heute nicht nur einen Platz auf dem CSU-Titel sondern eine fast ganze Seite. Schreibt ja nicht jeder ein Buch. Verlegt ja auch nicht jeder selbst gedruckte Bücher. Verwandelt ja auch nicht jeder Steuerwasser mittels einer Stiftung in Wein. Kauft sich ja auch nicht jeder nahezu alle Politiker der Republik und macht willfährige „Wissenschaftler“ zu devoten Mietmäulern. Am schönsten fand ich im großen Abdruckdiener des lokalen Käseblättchens den Satz „…Während sich unser Sohn Christoph durch große Eigenständigkeit auszeichnet….“. Wieviele hunderte Millionen macht nochmal sein Lycos an Minus seit Jahren? Von all den anderen Bigotterieren um Liz usw. wollen wir hier mal schweigen.

Wenn alte Männer sich ausheulen, sollten sie es ohne Buch tun. Schon schlimm genug, wenn die Kanzlermimin in Kürze „das Buch verschlungen hat“ und der jetzige Präsident des Bundesverfassunsgerichtes in die Dienste Eurer Stiftung tritt. Er hat es ja bereits wunderschön formuliert, um was es in der Gütersloher Welt der Bigotterie, Traktatdruckerei, langer Verleugnung eines gewissen Reiches wirklich geht: eigene Macht mehren, nur die eigene Meinung zulassen. Alles andere zerstören. Sozusagen „Hartz 4 für alle Erfolglosen und die, die uns nicht anschließen wollen, können“:

„Der Staat kann nicht alles richten“, sagte er. „Der Staat kann sich nicht zum Vollversicherer für alle privaten und gesellschaftlichen Risiken entwickeln. Wir müssen die Selbstverantwortung stärken.“ Wenn der Staat immer mehr Aufgaben an sich ziehe, diese aber mangels finanzieller Mittel nicht zufriedenstellend erledigen könne, „schwindet noch mehr Vertrauen in die Demokratie“.

Deutschlands oberster Richter forderte eine umfassende Übertragung von Staatsaufgaben in private Hände: „Die Frage, was genauso gut von gesellschaftlichen Einrichtungen übernommen werden kann, stellt sich in vielen Bereichen. Wir müssen die Zivilgesellschaft stärken. Damit meine ich etwa Familien, karitative Einrichtungen, Sozialverbände, Bürgerstiftungen.“ Zu den Aufgaben, die nicht zwingend vom Staat übernommen werden müssten, zählte Papier beispielsweise die Kinderbetreuung oder die Pflege älterer Menschen.

Sagt der Träger des Bundesverdienstkreuzes, Papier. Nur richtig blöd und doof, wenn man in die USA schaut, wo der blöde unfähige Staaat grad blöden, gierigen, charakterlosen Bankern Milliarden in das Maul wirft, damit sie weiterzocken können.

Ersparen Sie mir den Vergleich mit Bertelsmann, lieber Reinhard. Sie können jetzt Ihre Hecken wieder schneiden lassen. Da sehen Sie auch schneller, wenn Liz anrollt und neue Weisungen abholt. Schließlich muß der Mohn am Hindukusch ja mit deutschen Soldaten gesichert werden. Und wer ist besser dazu geeignet, eine Bundeswehr halb zu verstaatlichen als Euer „arvato“. Der Staat kann ja schließlich nicht alles machen. Doch. Kann er und muß er. Weil der Neoliberalismus und der Kapitalismus Eurer Prägung mal wieder mal an die Wand gefahren ist.

4 Gedanken zu „Reinhard hat fertig

  1. herostratos

    Wer soll das lesen?

    Na, ob er das wohl alles selbst geschrieben hat…?!:-) Der Alte soll ja wohl geistig nicht mehr so ganz auf der Höhe sein…..Und wer die Textpassage liest, wo wieder einmal (!) seine erste, sehr feinsinnige Frau zu Gunsten seiner zweiten, weitaus unsensibler auftretenden Gemahlin, komplett totgeschwiegen wird… (eine anständige, investigative Tageszeitung wäre spätestens hier hellhörig und aktiv geworden, statt solche schleimige Hofberichterstattung völlig kritiklos abzudrucken…)

    Und wer die kapitellangen Superlative liest, die angeblich von Reinhard Mohn seiner ehemaligen Telefonistin angehängt werden… oh, ooooohhh…, der könnte rasch auf die Idee kommen, dass das Lizzy hier selbst schriftstellerisch tätig war bzw. dem Geisterschreiberling in die Feder diktierte (fehlt eigentlich nur noch der Zeugnis-Hinweis „hat zur vollsten Zufriedenheit gearbeitet“…;-)
    Ja, ja, Bildung & Wissen, das kann man halt nicht kaufen, auch nicht, wenn man eine flohmarkttaugliche Lexikothek truppenunterstützt in den Markt drückt…Das ist eine gute News für die Menschheit. Und die schlechte für Familie Bertelsmann ist die sich selbst beantwortende, rhetorische Frage:
    „Wer soll warum und mit welchem Genuss oder Erkenntnisgewinn ein solches Buch lesen…?“

  2. textexter Artikelautor

    Wer es Ghostgewrited hat, ist mir bekannt. Schweigen wir mal lieber über die schleimige, aber hoch bezahlte neoliberale Feder. Wir werden das Machwerk sicher demnächst erst im Bertelsfrau-Buchclub („Ich“ – eine Hymne ans Eigenlob) sehen und dann als Vorschlagsband und final mit Banderole als Weihnachtsgabe an all die, die den Thesen aus dem Landkreis Gütersloh anhängen. Mit handschriftlicher Widmung. So kommt das 1. Hunderttausend für arvatos Druckmaschinen zustande.

    Um Ihre Frage, wer das lesen soll, zu beantworten: „Wer mich nicht liest, findet nicht statt. Den negier ich einfach. der hat keinen Charakter und in unserem Konzern nichts zu suchen“. Konnte man sinngemäß irgendwann einmal in einer Betriebsversammlung hören….

    Simmel hat mal getextet: „Ansichten eines Clowns“. Allerdings eines gefährlichen…..

    Wer noch mehr über diese Mischung aus bigotter Frömmigkeit, Eiskälte und Opportunismus erfahren möchte, liest „Die Mohns“ von Thomas Schuler.

    Oder das hier:

    Elisabeth Beckmann lernte ihren Chef auf einem Betriebsfest im Jahr 1958 kennen. Sie war damals 17 Jahre alt und arbeitete erst seit sechs Wochen als Sekretärin bei der Bertelsmann AG. Er, Reinhard Mohn, war 37 Jahre alt und schneidiger Boss des Buchverlages seiner Familie.

    Mohn, verheiratet und Vater von drei Kindern, forderte den Teenager zu einem Walzer auf, wie es in Liz Mohns Autobiografie „Liebe öffnet Herzen“ aus dem Jahr 2001 steht. Die beiden waren die letzten bei dem Spiel „Reise nach Jerusalem“. Mohn gewann. In jener Nacht kam Elisabeth Beckmann erst um fünf Uhr morgens zu ihren Eltern nachhause. „Von dem Tag an“, schrieb sie später, „war nichts mehr wie vorher“.

    (Tagesspiegel. 8.12.2003)

    So ungefähr muß es der Physikerin Angela Merkel gegangen sein, als sie auf der Suche nach weiblicher Freundschaft entgegen aller Gesetze der Natur, der Schwer- kraft, der Quantenphysik und des Verstandes plötzlich Bundeskanzlerin und beste Freundin von Elisabeth Beckmann, genannt Liz Mohn, wurde. Solche Seilschaften halten einen eine Weile an der Macht, bis der Bankenskandal auch das beseitigt und der Wähler endlich das macht, was er leider meist zu spät macht: Tabula rasa. Die noch mächtigere Friuede Springer (BILd, stern, usw.) hat Güterslohs Lizchen allerdings eines voraus: Intelligenz und Dezenz im Umgang mit der Macht. Die Gütersloher Rosenballerin könnte also durchaus Knall auf Fall unter die Füße der Springer geraten, wenn es dem ehemaligen Kindermädchen der Axel Pringers nicht mehr passt, mit Schmuddelkindern aus der Uckermärker und Gütersloher Provinz zu spielen.

  3. anjatanja

    Oh my God, der Märchenonkel erzählt mal wieder. Das diese piefigen Westfälchen ständig den Drang haben, ihr krudes Leben auszubreiten. Absurd. Verlogen. Peinlich. Vor allem, wenn Elisabeth den Mund aufmacht und Dialekt herausläßt. Seit diese Tante Mitglied des „Club of Rome“ ist, habe ich weitaus weniger Ehrfurcht vor dem Verein.

  4. Onkel Otto

    Ach es ist traurig: Wer mal versucht hat im Antiquariat ungelesene Bücher loszuwerden, der hört die klare Ansage „Keine Bertelsmann und keine Readers Digest! Alles andere: Mal sehen.“

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