Ach, „Ehrenamtliche“ gibt es auch noch?

Millionen Menschen kennen die Situation: Im Verein stehen Vorstandswahlen an, aber viele Mitglieder kommen erst gar nicht oder suchen Ausflüchte, warum sie einen Posten nicht übernehmen können. Neben Verantwortungsscheu, Bequemlichkeit oder Zeitdruck bildete das Haftungsrecht bislang den Hauptgrund für die Enthaltsamkeit. Wer für Fehler mit seinem Privatvermögen geradestehen soll, überlegt es sich dreimal. Und wer es dennoch wagt, der sagt ganz offen, wenn auch überspitzt: »Mit einem Bein steht ein Vereinsvorsitzender immer im Gefängnis.« Diese Hürde für ehrenamtliches Engagement wollen Union und SPD beiseite räumen. Gut so! Der Bundestag sollte sofort zustimmen. Natürlich: Wer vorsätzlich oder grob fahrlässig handelt, muss zur Rechen – schaft gezogen werden. Aber doch nicht die, die nur das Beste für ihren Verein und die Mitglieder im Auge haben, sich aber in juristischen Fallstricken verheddert haben. Der Staat entlastet die Vorstände auch aus einem egoistischen Grund: Wer sich eine Rekordverschuldung aufbürdet, muss irgendwann bei Kultur-, Sport-, Brauchtums- oder Jugendförderung sparen. Und dann müssen Ehrenamtliche in die Bresche springen.

Liebes Westfalen-Blatt. Das habt Ihr klar erkannt. Ohne die „Ehrenamtlichen“ sähe es in dieser Republik mehr als mau aus. Aber die Berliner Junta hätte, ohne sich einen Zacken aus der überheblichen Krone zu brechen, durchaus noch mehr für die „Ehrenamtlichen“ und deren gesellschaftliches Engagement tun können. Aber die haben wohl keine Lobby wie „System-relevante“ Hütchenspielerbanken oder GM-Opel, die den staatlichen Almosenrahmen von 1,5 Mrd. Euro nicht mal ausschöpfen müssen. Die Frage ist allerdings, ob die verantwortlichen Ministerien überhaupt genau hingucken, wenn es um das Versenken von Steuergeldern geht. Hieß es nicht neulich noch, Opel habe nur Geld für „3 – 4 Monate“?