Ausnahmsweise mal in Sachen „Andere Blogs“ unterwegs

Hans-Ulrich Jörges, an prominenter Stelle des Magazins „Stern“ stehender Journalist, beeindruckt einmal mehr mit seiner populistischen Art von „Dreckschleuder-Journalismus“. Wir zitieren aus dem Blog „sprechblase.org„, der aus einer Podiumsveranstaltung mit „Alpha-Journalisten“ vom 27. Juni diesen Jahres berichtet. Aber horchen wir rein:

“Die guten Redaktionen sollten ihre Siele geschlossen halten, damit der ganze Dreck von unten nicht durch ihre Scheißhäuser nach oben kommt.” Stern-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges ist in guter Form heute abend. Über die Blog-Szene, den “Dreck von unten”, lässt er sich ganz besonders gerne aus. Dazu hat er sich vor der Veranstaltung extra ein paar Worte zurecht gelegt, und die packt er jetzt aus, obwohl Moderator Hajo Schumacher ihn eigentlich etwas ganz anderes gefragt hat. Sein “loser generated content” erntet ihm prompt einen kleinen Szenenapplaus im Jungjournalistenpublikum, und Henryk M Broder schreibt sich diese neue Vokabel gleich ab – vielleicht kann er sie an passender Stelle auch mal anbringen. Die Stimmung ist gut. Die Journalisten haben jetzt auch einen Don Alphonso.

Obwohl Jörges nicht unrecht hat, was die Qualität des politischen Kommentars in der deutschen Blog-Szene angeht, lässt mich seine hysterische Abgrenzung gegen die Blog-Welt die Augenbrauen etwas hochziehen, zumal seine Tirade zwischen zwei längeren Episoden unangenehmer Selbstbeweihräucherung steckt. In der ersten erzählt Jörges mit Genugtuung von den Kampagnen der Bild-Zeitung und der Staatsanwaltschaft gegen ihn. Jörges hatte vor einiger Zeit die seiner Meinung nach extrem mutige These vertreten, dass 85-jährige Patienten ihre Hüfttransplantationen selber bezahlen sollten, und diese These mit Nazi-Anspielungen über die heutigen Rentner gewürzt. Für diese Story sollte Jörges nun, wie er lausbübisch erklärt, büßen. Natürlich hatten seine Gegner aber am Ende gar nichts gegen ihn in der Hand. Die Bild-Kampagne verpuffte trotz Nazirentnerpublikum, und die Ermittlung wegen Volksverhetzung wurde eingestellt. Jörges findet das alles super cool. In der zweiten Story lobt er sich selbst für seine Standhaftigkeit in einer anderen Kampagne gegen ihn (diesmal des Presserates und der taz), in der es um seine Stellungnahme zur Hartz IV-Reform ging. Er hatte vor etwa einem Jahr geschrieben, dass die Reform Züge des Kommunismus trägt, weil durch sie jeder erstens gleich viel und zweitens viel zu viel kriegt (“im günstigsten Fall fast 2000 Euro”). Auch dafür sollte er büßen etc. pp. Kurzum: Mutiger Kämpfer für die Freiheit des Wortes kämpft gegen dummen Mob; dummer Mob hat nichts gegen ihn in der Hand, Kämpfer gewinnt. Die alte Geschichte.“

Was kann sich Deutschland doch glücklich schätzen, nicht nur Journaille von der Qualität des ehemaligen Bielefelder Schülerzeitungsredakteurs Kai Dieckmann (BILD Dir deine Meinung ….durch uns) zu haben. Nein, es gibt auch bei ehemaligen Vorzeigemagazinen „verbale Dreckschleudern“. Eben diesen Jörges, der in den Anfangstagen und schon zuvor glühender Anhänger der Kanzleuse war, dann sein Fähnlein in jeden grad populären Wind hängte und heute in der Szene ganz einfach nicht mehr ernst genommen wird ob seiner Ausfälle und Tiraden.

So traurig es sein mag, ist es doch letztlich nur ein weiteres Beweisstück vom Verfall ehemals hohen journalistischen Könnens in dieser Republik. Die heutigen, kleinen aufgeregten Schreiberlinge, TV-Berichter oder Handy-Fotografen oder die tiradisierenden „Alpha-Journalisten“ stehen letztlich auf einer Stufe. Einer sehr niedrigen, wenn nicht schon der untersten. Da können sie dann gemeinsam die neue Pizza von Oetker aus dem PR-Pappkarton fressen und auf die „Schmarotzer“ des Volkes und andere eindreschen. Journalismus dieser Art nimmt der mündige Bürger schon lange nicht mehr wahr. Geschweige denn ernst. Siehe Auflagenzahlen „Stern“, Einschaltquoten „RTL usw.“. Auch Herr Jörges wird die meisten Blogger nicht hindern, weiter zu schreiben. Damit die „Scheiße von unten“ so richtig schön gegen den „Dreck von oben“ drückt. Ob das die neuen neoliberalen Rohre das aushalten?