Sommerfestrest

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Eine gläserne Gartenleuchte. Sie diente wohl der Aufnahme eines Teelichtes und der Illumination eines Sommerfestes. Jetzt dümpelt das November-Regenwasser darin, die Kerze schwimmt und der Sommer ist weit weg. Selbst das Lachen damals hat sich im ostwestfälischen Garten mit den modernden Blättern am Boden verkrochen. Nur ein Hauch Rilke hängt noch in den kahlen Büschen. Vielleicht hat ja am Rande des Sommerfestes jemand rezitiert:

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Einen Hauch Rilke in Ostwestfalen kann auch erleben, wer Gut Böckel in Rödinghausen bei Herford besucht. Da schrieb der Dichter an seinen „Duineser Elegien“.