Zum Niederknien

Einen rasanten Aufschwung des Einzelhandels erlebt in diesen Wochen die Landeshauptstadt Düsseldorf. Rund 150 neue Geschäfte mit zusammen über 30.000 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen gerade rund um die Königsallee. Viele bekannte Marken mit preiswerter Mode locken Einkäufer in einzigartige Konsumwelten. Und im Luxus-Segment ist mitten in der Finanzkrise ein beispielloser Wettbewerb ausgebrochen. „Der Düsseldorfer Shopping- Boom gibt uns für das Weihnachtsgeschäft volle Power“, freut sich Dr. Eva-Maria Illigen-Günther vom Stadtmarketing. „Wir erwarten mit sieben Millionen Besuchern einen Ansturm an Einkaufstouristen aus ganz Europa.“ Und die finden viel Neues: So haben Leseratten seit September in der größten Buchhandlung Deutschlands die Wahl zwischen 300.000 Werken. Ein schwedischer Bekleidungsriese eröffnete gleich zwei Filialen innerhalb von nur sechs Wochen. Hinzugekommen ist auch ein Shopping-Center auf drei Etagen mit direkter Straßen- und S-Bahnanbindung. Bekannte Designer machen eine Luxus-Boutique nach der anderen auf. Und ein weltbekannter Juwelier aus New York bringt seit Oktober mit glitzernden Diamanten die Schickeria in Verlegenheit. All das Treiben sorgt bei den bestehenden Flagship-Stores italienischer und französischer Luxusmarken für hektische Betriebsamkeit: Sie zeigen ihre Klamotten dank schriller Umbauten in noch größeren Schaufenstern. Der Düsseldorfer Einzelhandel erwirtschaftete im letzten Jahr über vier Milliarden Euro Umsatz. Damit liegt die NRW-Landeshauptstadt bundesweit mit an der Spitze. Jährlich informieren sich 250.000 Besucher auf acht Mode- und Lifestylemessen in Düsseldorf über neueste Kreationen und Trends.

Ja ist diese Düsseldorfer Pressemeldung nicht wunderschön? Bekommt man da nicht feuchte Augen? „Wettbewerb im Luxussegment“. Herrlich. das „Goldene Kalb“ kriegt neues Futter. Wahrscheinlich gibts es Ein – und Ausgangs der Düsseldorfer Kö Ganzkörperscanner und Ausweiskontrollen nebst Abgabe von Kontoauszügen. Hartz 4-Empfänger und Aufstocklöhner kommen da nicht rein. Nix mit „Einzigartigen Konsumwelten“. Man muß schon ziemlich einen an der Klatsche haben, eine solche Meldung zu verfassen. Wir hier in Bielefeld sollten uns schämen. Wir haben nur 1 x Ha und Emm, ein paar Douglase und ansonsten „Ostwestfälische Normalität“. Ob unsere Schickeria gemeinsam mit den neuen „Euro-Russen“ im Zobel über die Königsallee flaniert? Arm in Arm den neuen Zeiten entgegen? Die sonst so zahlreich vertretenen Investmentbanker von Lehman oder der WestLB. IKB oder KfW haben ja erstmal ein paar Tage. Ist ein bißchen Spielgeld weg. Bis Weihnachten wirds aber reichen.