Ach Barbara, die spielen doch nur

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Liebe Barbara, wer Hartz 4 und die Agenda 2010 erfindet, wie ein gewisser Hans Eichel die hemmungslose Freigabe der Finanzmärkte oben draufsetzt, der wird eben am Ende abgestraft. Selbst wenn gewisse „Siegerparteien“ das alles fröhlich mitgetragen haben. Es wird mehr als Zeit, daß Franz ausm Sauerland und die Seeheimer Truppe der SPD begreifen, daß sie nicht Original CDU/CSU sind. Die plumpen Tiraden eines Peer Steinbrück kamen eben offensichtlich nicht an.

Blogger Feynsinn bringt das Versagen des lippischen Spitzenkandidaten und müden Abklatsches des Gummistiefel-Napoleons auf den Punkt: Steinmeier aber ist der Weiter-so-Mann. Er will nichts an der Agenda kritisiert wissen, er will sich nicht endlich vom Acker machen und sich schämen, er hält sich vielmehr für berufen. Dem Mann ist nicht mehr zu helfen. Und auch seiner Partei nicht. Die einzige Hoffnung für sie besteht in einer Palastrevolution, bei der keine Gefangenen gemacht werden. Wenn sie jetzt nicht diese zynischen abgehobenen Versager los wird, ist sie auf Jahrzehnte erledigt.

Eben. Es war in der Geschichte häufig die Tragik der SPD und ihren so häufig nicht motivierbaren Wählern oder Sympathisanten, sich selbst zu zerstören. Sie hat sich allerdings auch über Jahrzehnte neu erfinden können. Bis der andere Lipper kam. GASZgerd. Der allerdings war niemals das, was man mal Sozialdemokrat nennen konnte. Er war der Verräter und Verkäufer seiner Wähler. Ohne ihn gäbe es die Linkspartei nicht. Ohne ihn gäbe es den Sieg von Merkel/Westerwelle eher nicht. Meinen ureigenen, sehr negativen Erfahrungen mit den Lippern wurde gestern eine weitere Episode angefügt. Hätte ich nicht unbedingt benötigt, bin aber auch kein SPD-Wähler und sehe die SPD lediglich als eigentlich notwendiges Korrektiv gegen ein rechtes schwarzgelbes Lager. Genau da hat sie kläglich versagt.

Jetzt können wir sehr gespannt sein, wie SPD-Neu-OB Peter „Pit“ Clausen in der Metropole den Spagat schaffen will.

Auf den „Nachdenkseiten“ hat Wolfgang Lieb eine kluge und kühle Analyse der Wahl und des seltsamen Verhaltens der Wähler geliefert. Hier ein Ausschnitt:

Es war schon eine merkwürdige Wahl: 60 Prozent der Befragten sind der Meinung, man wisse nicht genau was die CDU vorhabe. Und nicht viel weniger wissen das von der FDP. 60% glauben nicht, dass die Steuern gesenkt werden sondern eher erhöht. 68 Prozent meinen, dass die CDU nicht ehrlich sei und gegenüber der FDP ist das Vertrauen nicht größer. Merkel wird weder zugetraut, dass sie die Wirtschaft in Schwung bringt (nur 34% meinen das) noch dass sie für mehr soziale Gerechtigkeit sorgt (nur 20% glauben das). Und dennoch haben die Wählerinnen und Wähler für eine Mehrheit derjenigen Parteienkonstellation gesorgt, die diametral gegen die politischen Ziele steht, für die eine Mehrheit in der Sache eintritt, angefangen vom Atomausstieg, über die Erhaltung des Sozialstaats bis zum Abzug aus Afghanistan. Weil die Bürgerinnen und Bürger keine Alternative gesehen haben und deshalb zum Teil gar nicht mehr zur Wahl gingen und damit die politischen Kräfte nicht stark genug gemacht haben, die dem selbsternannten „bürgerlichen Lager“ etwas entgegensetzen hätten können, ist es zu Schwarz-gelb gekommen. Ein rot-grünes Lager hat wegen der dramatischen Verluste auf absehbare Zeit keine Perspektive mehr und eine linke Mehrheit liegt, solange es in der SPD keine Palastrevolution gibt, in den Sternen.

Bemerkenswert war, wie pfleglich am Wahlabend Gregor Gysi und Oskar Lafontaine mit der SPD umgingen. „Wir wollten eine linke Mehrheit und keine Schwächung der SPD“ (Lafontaine).

6 Gedanken zu „Ach Barbara, die spielen doch nur

  1. Ausgebürgter

    Kluger Beitrag. Sollten – was anzunehmen ist – die vollmundigen Wahlversprechen nicht eintreffen, wird es wohl oder übel im Laufe dieser Regierungszeit zu einer Revolte kommen. Es darf nicht vergessen werden, daß Merkel/ Westerwelle zwar im Bundestag die Mehrheit haben, aber ein fast ebenso großer Teil diese Konstellation in den harten Folgen wird ausbaden müssen. Sprach nicht Anwaltssohn Westerwelle kürzlich von den „Schmarotzern der Gesellschaft“. Verkannte allerdings, daß er auf eine gewisse Art selbst letztlich dazu gehört. Ich persönliuch traue nach Kdenntnis des vorhandenen Personals der FDP sehr wenig zu außer billigem Populismus, dem offensichtlich auch junge Leute erlegen sind, die nicht einen einzigen Satz des Parteiprogramms gelesen haben.

  2. omega

    Interessante These!
    Revolte?
    Von wem sollte die denn ausgehen, gegen wen wird sie gerichtet sein, welche Ziele wird sie verfolgen?
    Und dann bitte noch das Datum nennen, dann nehme ich mir frei und mache mit.

  3. herostratos

    Revolte – im Land der vollgefressenen nachkriegsdeutschen Salonproletarier???! Sehr humorvoller Beitrag, ts, ts, ts…. ;-)))

  4. rainman

    echt witzig, Ausgebürgert.
    Wie wärs, wenn wir schon mal einen Termin für die Revolte festlegten?
    Wir könnten uns beispielsweise alle am 06.01.2010 8:30 Uhr treffen. Die beiden Bullis fahren von der Oetker-Halle aus nach Berlin.
    Oder hast Du eher die Weltrevolution im Blick? Bist Du ein trotzkistischer global player?

    Wenn omega sich für zwei Stunden frei nimmt, dann mache ich das auch!

  5. textexter Artikelautor

    Yeaahhhhhhhhhhhhhh- Flashmob zur Inthronisation in Berlin-Mitte.

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