Wie die Bundesagentur manipuliert

Als die DDR noch stand und von hier mit politischen Breitseiten wie „Verbrecherstaat“, „Manipulierender Parteiapparat“ und „Spitzelstaat“ bedacht wurde, grausten wir uns, die wir damals drüben zu tun hatten. Bloß schnell wieder raus. Heute, wo die 60 Jahre alte Bundesrepublik das alles übernommen, verfeinert, vertieft und perfektioniert hat und eine ehemalige FDJ-Agitpropsekretärin und damit „staatlich beauftragte Abwehrerin des Klassenfeindes“ diese Republik „lenkt“ (so sieht sie das zumindest) regten wir uns kaum noch auf, wenn wir so nebenbei erfahren, wie die Arbeitslosenzahlen manipuliert werden und die gleichgeschaltete Regierungspresse von BertelsmannMohnSpringer von „Aufschwung am Arbeitsmarkt“ faselt.

Tatsächlich sieht es so aus:

Wie die BA einräumen musste, wird die offizielle Arbeitslosenzahl durch eine zum Jahresbeginn in Kraft getretene statistische Änderung erheblich gedrückt. Nach bisheriger Zählung seien im Mai 3,47 Millionen Menschen statt der offiziell genannten 3,46 Millionen arbeitslos gewesen, sagte eine Sprecherin. Der Rückgang würde sich unter der alten Zählweise lediglich auf rund 100.000 belaufen. Grund ist eine Vorgabe der Bundesregierung. Sie hatte sich darauf verständigt, Jobsucher, die von privaten Vermittlern betreut werden, in Zukunft nicht mehr als arbeitslos einzustufen. Dies war von Sozialverbänden heftig als Verzerrung der Statistik kritisiert worden. Quelle: Die Zeit

Erinnert verdammt an die Pankower Militärparaden und „Neues Deutschland: Plan übererfüllt“.

Ein Gedanke zu „Wie die Bundesagentur manipuliert

  1. blitzmerker

    Der schlechte Witz dabei ist ja, dass sie 100.000 verschwiegene Fälle kleinlaut einräumen, Millionen andere Schicksale aber sowieso ungenannt bleiben.

    Sollen sie sich doch mal trauen, bei der nächsten Volkszählung zu fragen:
    – Suchen Sie aktuell einen Arbeitsplatz?
    – Können Sie und Ihre Angehörigen vom Erwerbseinkommen ohne Transferleistungen leben?

    Diese Art von Statistik müsste mal ungeschminkt auf den Tisch.

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