Lange Beine – lange Wege

Durch folgende Kampagne http://www.kurzebeinekurzewege.de/ angeregt hat sich Bielefeld den Slogan zu Herzen genommen und auf unser Puddingtown umgedichtet.
Erst das Konjunkturpaket II, dann das Bielefeldgesicht, morgen die Weltherrschaft.

Aber erst graben wir noch sämtliche Hauptverkehrsstraßen um.

Was die Detmolder Straße problemlos in mehreren Jahren hinbekommt ohne zu einem großen Problem zu werden scheint in Schildesche, Gellershagen und der Innenstadt nicht mehr zu funktionieren.

Angeregt durch textexters Eintrag „E 10 tanken“ darf jetzt auch der gemeine Student der sich den Luxus eines Fortbewegungsmittels leisten kann in Zukunft häufiger tanken.

27km/h Durchschnittsgeschwindigkeit zeigte der Boardcomputer heute an – aber auch nur durch Überland- und Autobahnfahrten mit deutlich höherem Tempo sowie Fahrten in das Outback (Obstbau Hantke ist beispielsweise immer einen Besuch wert).
Die Fahrt aus der Innenstadt bis zur Uni dauert derzeit selten weniger als 50 Minuten für 5,1km.

Zurück schafft man es dafür schon in 40 Minuten, außer es ist Mittwoch, oder Montag oder Donnerstag oder Freitag oder Dienstag, da steht man dann mitunter auch mal in solchen Situationen:

Bielefelder fühlen sich sogar so wohl in ihrer Stadt, dass sie sogar im Stau miteinander kuscheln, oder zumindest die Autos.

Aber nicht nur Autos sehen rot an den Massen an Ampeln in Bielefeld (gefühlt alle 10 Meter eine), sondern auch der Motor vom benzinsparenden Kleinwagen für den Stadtverkehr (man beachte die grünleuchtende City Anzeige), das zeigt er mir dann durch eine orange leuchtende Lampe:

(im Übrigen an einer, na wer hätt’s gedacht?, roten Ampel)
Wieso schafft eine bedeutend kleinere Stadt wie Gütersloh eine grüne Welle (und damit ist nicht der Außenbereich des Freizeitbades gemeint) und Bielefeld nicht?

Mobi(e)l in Bielefeld könnte man dank Semesterticket sein, aber mit der Bahn ist man mit einmal umsteigen selten kürzer als 60 Minuten unterwegs und darf sich dann noch in überfüllten Zügen mit Massen an anderen Studenten solidarisieren. Ob man eine Fahrt mit der Linie 4 als Trainee Stelle anrechnen lassen kann? Zumindest gibt es für die Psychologie und anderen analytischen Studiengänge eine Menge zu lernen.  Gleisbauarbeiten an Rathaus und anderen Stellen machen das Ganze auch nicht unkomplizierter.

Ich fühl mich hier wie im Bermuda Dreieck. Sämtliche Ausweichrouten sind verschollen. Mogelt man sich an der dauerbesetzten Stapenhorststraße vorbei über Melanchton und Rolandstraße kommt man am Siggi raus. Nach links abbiegen Richtung Weststraße – Innenstadt nicht möglich: Baustelle. Wohin führt uns die Route dann also? Zurück auf die komplett stehende Stapenhorststraße. 4 Ampelphasen stehend bei Pörschke verbracht bis das Linksabbiegen möglich war.

Ausweichen über die Wertherstraße geht bis maximal zum Klösterchen: Baustelle am Anfang der Wertherstraße, mal spontan die komplette Straße erneuern und dafür dann die Rechts- und Linksabbiegespur der Artur-Ladebeck Straße sperren. Hat es dann noch auf der Linksabbiegerspur in Richtung Waldhof geknallt ist das Chaos perfekt.

Der Umweg über den Klosterplatz führte mich letztendlich durch die Altstadt, am Rathaus vorbei bis zur Hermannstraße wo es – oh welch Wunder – wieder einen Stau gab. Das zieht sich dann dank absolut fehlgeplanter Ampelschaltungen bis zur Oelmühlenstraße durch und staut sich dann wiederum in Sieker Mitte bis die Oldentruper am Großmarkt komplett zusitzt weil kaum einer das Prinzip des Reißverschlussverkehrs verstanden hat.

In Richtung Uni ist es auch nicht anders. Ab August-Bebel-Straße steht man dank topgeplanter Ampelphasen im Stau, über den Jahnplatz gefahren (Achtung, rechte Spur dank Baustelle komplett gesperrt) kann man dann bis zur Friedenstraße (Oh, dank Baustelle komplett gesperrt) weiter bis zur Stapenhorststraße (Ups, Stau).

Alternative: Hermannstraße, Niederwall/Breite Straße usw., Artur-Ladebeck-Straße und schwupps, Stau.

Morgen probier ich es dann über Sieker, Brackwede, Gütersloh und dann von Werther aus zur Uni – die Hoffnung stirbt zuletzt.

4 Gedanken zu „Lange Beine – lange Wege

  1. blitzmerker

    60 Minuten mit der Stadtbahn von der Innenstadt zur Uni?
    Das scheint mir, mit Verlaub, eine Legende zu sein, die den Individualverkehr im Sportwagen aufwerten soll.

    Ab 2014, wenn die Stadt komplett pleite ist, gibt es keine Baustellen mehr. Die Stadtbahn wird wegen verfallener Gleise eingemottet, und traditionelle Lehmpisten ersetzen Bodenversiegelung und Geschwindigkeitswahn. Der Klimawandel tut ein übriges, und ein Hauch von Kalahari weht durch das lange versiegte Lutterbett. Endlich sind SUV, Jeep und Hummer in der Metropole wirklich sinnvoll!

  2. Krümel

    Der City Modus der Fiat Modelle (und dies entnehme ich der Form der Scheinwerfer und dem Tachodesign) ist nach meinem letzten Wissensstand eine Einstellung der Servolenkung und nicht der Motorabstimmung.
    Außer man braucht weniger Sprit, wenn man weicher durch die Kurven fließt und in einem Rutsch einparken kann… 🙂

  3. Studentenleben Artikelautor

    Durchaus Krümel, aber durch weniger lenken auch weniger hin und herrollen und weniger Benzinverbraucht.

    blitzmerker: Fahr mal mit der Linie 2. Knappe 5 Minuten zur Haltestelle, 7 wenn sie mal wieder verlegt wurde. Warten auf die Bahn, im Idealfall null Sekunden. Im schlimmsten Fall stehst du aber gute 8 Minuten weil die Weichen umgestellt werden müssen oder die Bahn Richtung Sieker noch irgendwo unterwegs ist. Erst wenn die am Nadelöhr der Teutoburger vorbei ist geht es auch Richtung Innenstadt weiter. Die ersten 20 Minuten Uniweg sind um.
    Rathaus ausgestiegen und gemerkt, dass die Linie 4 grundsätzlich vor der 2 abfährt, also nochmal 5 Minuten laut Anzeige warten, tatsächlich kommt angekündigte Bahn aber nicht und man nimmt die 8 Minuten spätere.
    Fast 30 Minuten geschafft und erst die Hälfte des Weges.
    Dann noch Jahnplatz und Hauptbahnhof wo die meisten Zustiege zu verzeichnen sind, Platzkrieg weil keiner mehr so recht reinpasst, keiner durchgehen will und die Tür schließt nicht.
    Wenn doch hagelt es Anklagen.
    Siggi (ab hier 10 Minuten Fahrt) und Oetker lassen weitere Studenten reinrauschen und die Lage entspannt sich erst leicht am Bültmannshof.
    In der Uni angekommen strömen sämtliche Passagiere dann auf Treppe, Rolltreppe und Aufzug zu, nur ein verschwindend geringer Teil geht unten lang. Bis zur Uni hat man weitere 5 Minuten „verbraucht“.

    Summasumarum: gute 50 Minuten q.e.d.

  4. blitzmerker

    Ich verneige mich vor der arithmetischen Beweislast und muss erkennen: wer an der „Detmolder“ wohnt, ist derzeit zu bedauern.
    Als kleine Aufmunterung mag die Reminiszenz dienen, dass es früher auch im Bus oft eng war, als es noch keine Stadtbahnlinie 4 gab.

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