Für Bankster wären das Peanuts

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Titelseite der NW vom 27. August 2010

Wenn jemand trotz einer Herzerkrankung, mit der wahrlich nicht zu spaßen ist, einen wichtigen beruflichen Termin wahrnimmt, ist er entweder verrückt oder leichtsinnig. Das mag auch für den ehemaligen Schieder-Chef Rolf Demuth gelten, der für den Auftakt im Schieder-Betrugsprozess einen Krankenhausaufenthalt im Herzzentrum Bad Oeynhausen unterbrach. Gegen den Willen der Ärzte setzte sich der 71-Jährige auf die Anklagebank. Demuth wollte nicht den Anschein erwecken, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Dafür gebührt ihm Respekt – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es wird Zeit, dass der Fall drei Jahre nach Bekanntwerden der Bilanzfälschungen juristisch aufgearbeitet wird. Und da ist es gut, dass Demuth den Prozess nicht schon vor Beginn platzen ließ. Vor allem die ehemaligen Mitarbeiter des Möbelriesen haben einen Anspruch auf Aufklärung. Sie haben am meisten unter der Pleite und den Betrügereien gelitten. Viele verloren ihren Job und machten zum Teil erhebliche Lohnzugeständnisse. Sie werden genau zuhören, wenn am 16. September Rolf Demuth aussagen wird.

Liebes Westfalenblatt. „Der Lipper an sich“ ist arbeitsam, verschwiegen, geiziger als ein Schotte und stolz wie Bolle. Da steht er nun, der alte Rolf und bekommt vom Gericht die Leviten gelesen. Natürlich sind Bilanzfälschungen in Höhe hunderter Millionen und Mitarbeiteraustricksereien kein Kindergeburtstag. Aber gemessen an dem, was die ehrenwerten Bankster veranstaltet und in Milliardenhöhe verursacht haben, sind das wirklich die berühmten „Peanuts“. Wie viele dieser Bankster stehen aktuell vor Gericht?

5 Gedanken zu „Für Bankster wären das Peanuts

  1. Kritiker

    öhm. Was soll das WB denn an diesem Bericht nun falsch gemacht haben?

    Ist das Versäumnis jetzt, dass es nicht erwähnt hat, dass es größere Gauner gibt? Oder wie?

  2. textexter Artikelautor

    Kritiker, bitte lies genau: Wo steht da, das Westfalenblatt habe etwas „falsch“ gemacht?

  3. Kritiker

    explizit steht das da nicht. Die Anrede „liebes Westfalenblatt“ mit der Endung „Wie viele Bangster…“ ließ diesen Schluß zu.

    Falls ich das schlicht und ergreifend falsch verstanden habe: Sorry.

  4. Dougan

    Dieser Prozeß ist lediglich einer von vielen. Er ist nur in so weit von Bedeutung, als daß die Schiedergruppe hier in OWL ein größerer Arbeitgeber war. Schlimmer ist die Insolvenz der Gruppe und der damit verbundenen Entlassungen bzw. nicht verlängerter Arbeitsverträge. Bei mir in der Nähe gab es von Schieder eine Polstermöbelagentur, ein Bekannter von mir, fast 50, konnte den Gang zum Amt antreten. Zweifelhaft, daß er je wieder in angemessener Stellung zu Lohn und Brot kommt. Das ist die größte Frechheit. Nicht der Betrug selbst, wie er ohnehin so häufig passiert, daß einen das so nicht mehr aus der Fassung bringen kann, außer der Geschichte mit diesem …. von Peter Hartz, sondern daß ganze Firmen und Arbeitsplätze den Bach runter gehen nur für die Profitgier anderer Leute. Und da wundern sich manche über die zunehmende „Extremisierung“ in der politischen Szene, daß es immer mehr „verfassungsfeindliche Elemente“ gibt, und das gemeine Volk nach gesellschaftlichen Alternativen sucht. All diese Sachen, wie die Montagsdemos, die jährliche LLL-Demo in Berlin, Sternmärsche usw., zeigen, daß es so nicht weitergehen kann und daß es am System an sich liegt. Diese Aufregung übers Westfalenblatt lenkt nämlich eigentlich auch nur von den eigenen Problemen ab. Ohne textexter kritisieren zu wollen, aber anstelle solcher Sachen sollte er mal lieber einen Thread eröffnen in Bezug auf die politische Situation an sich, in Bielefeld, wie auch in Deutschland.

  5. textexter Artikelautor

    Hallo Kritiker, macht doch nichts. Kommentare jeglicher Art – so lange sie wie bei Dir immer im Rahmen der Nettikette sind – ergeben doch das Salz in der Blogsuppe. Viele Themen möchte ich hier nur anreißen und damit zur Diskussion stellen.

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