Märchenstunde

Was titelt also da ‚unsere‘ NW?: „Arbeitskosten liegen ein Drittel über EU-Schnitt“. – Und ‚meldet das, was genau so auch in anderen Zeitungen steht. Denn das zeichnet Pressevielfalt aus: einer schreibt vor, die anderen schmieren’s ab – zur Einfalt einer Presse’landschaft‘ und auch des Lesers, der andere Meinungen in den Medien kaum mehr findet, da gibt’s (fast) nur noch einen Einheitsbrei.

Und was denkt sich unbedarftes Leser nun? – Boah, ey, Arbeitskosten, ey, zu hoch, nicht mehr konkurrenzfähig, müssen runter …! Was also sagt uns der Artikel?: Dass da – wieder mal – wer fleißig Propaganda macht, auch mit Hilfe dieses Blattes, dessen Miteigentümer noch die SPD ist. Denn Arbeitskosten, für sich allein genommen, besagen: gar nichts.

Konstruieren wir mal den Fall: da seien die Arbeitskosten eines Bäckers in Hamburg sehr viel niedriger als in Bielefeld, weshalb die Brötchen in Hamburg dann auch sehr viel günstiger zu haben sind: da jettet natürlich jeder Bielefelder früh am Morgen nach Hamburg, sich dort seine Frühstücksbrötchen zu besorgen, und zurück, nicht wahr? – Es gibt also lokale oder regionale Märkte, in denen je verschiedene Arbeitskosten gar nicht stören.

OK: bei Fahrrädern zum Beispiel oder Autos sähe das nun anders aus. Denn nun gibt es sowas wie Konkurrenz von Herstellern, zwischen denen auch Ländergrenzen liegen mögen. Also konstruieren wir mal ein Beispiel. A und B seien Firmen, und die stellen Autos her, schweißen also auch die Karosserie zusammen. A hat nun schon Roboter, die das tun – da reicht ein Arbeiter, die zu überwachen. B ist noch nicht ganz so weit, da sind für denselben Vorgang noch 10 Schweißer nötig. Eine Milchmädchenrechnung, ich weiß: aber es geht ja ums Prinzip! – Denn eines ist nun klar: in dem selben Produkt stecken bei A die Arbeitskosten von 1 Arbeiter, bei B aber die Arbeitskosten von 10 – verdiente also 1 Kontrolleur bei A das 10-fache von 1 Schweißer bei B – wären die Arbeitskosten genau gleich. Klar auch: A produziert mit höherer Produktivität.

Es kommt also gar nicht darauf an, wie hoch einzelne Arbeitskosten sind. Sondern darauf, wie viel an Arbeitskosten in dem fertigen ‚Stück‘ steckt. Klar: Arbeitskosten selber sind hier auch ein Maß. Aber eben auch die Produktivität, und die ist entscheidend. Nun kann man berechnen, wie viel an Arbeitskosten (Lohn) in einem fertigen Produkt (Stück) steckt – und das dann anteilig auf 100 (Prozent) beziehen: so kriegt man Lohnstückkosten. Und die sind im Wettbewerb entscheidend.

Wer das verschweigt, aber von ach so hohen Lohn- oder Arbeitskosten faselt: betreibt Propaganda.