Beim Schälen vonne Kattoffeln

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Heinrich Viersenkötter isn starken Mann. Beim Schälen vonne Ssandkattoffeln ausser Senne hat er so seine Chedanken. Aber übersetzen wir lieber sein Bielefeld-ostwestfälisches Geknöttere ins Hochdeutsch:

Beim Schälen der Sennekartoffeln für die westfälische Bohnensuppe kommt Heinrich Viersenkötter ins Sinnieren. Letzte Nacht hatte er einen starken Traum. Ständig fuhr er auf dem Fahrrad durch Versmold. Warum Fahrrad, warum Versmold, konnte er nicht verstehen. Wo er doch Bielefelder durch und durch ist. Hoch oben im Norden, wo der Frühling später beginnt, in Jöllenbeck, da kommt er her. Also, er lag in seinem Bett und träumte. Seine Frau Erna war nicht zu sehen. Und er fuhr und fuhr durch Versmold. Eine Stimme im knallbunten Radlertrikot rief: „Komm mit nach Bielefeld“. Heinrich legt sich in die Pedale, die rechte Hand am Griff des Bowdenzuges zum Hinterrad. Da reißt das Ding aus seiner Verankerung, die Straße geht bergab Richtung Bielefeld, Viersenkötter will bremsen….. da piept es an seinem rechten Ohr. Was nun? Er hört die Stimme des Bielefelder Oberbürgermeisters David durch ein Megaphon: „Bürger dieser Stadt, die Welt schaut auf Euch“. Wie, die Welt? Wieso David? Bis er begreift, das sich sein Radiowecker eingeschaltet hatte und Radio Bielefeld eine Eilmeldung durchgab: „Die Zukunft soll bereits Gütersloh eingenommen haben und noch 7 Kilometer vor Bielefeld-Ummeln stehen.“ Fanfaren, die Meldung wird von der „Internationalen“ unterbrochen. Dann gehts weiter mit der Übertragung vom Süsterplatz auf Radio Bielefeld: „Der Rat der Stadt fordert alle Bürger auf, sich in Sicherheit zu begeben. Die Tiefgarage unter dem Kesselbrink ist dafür bestimmt. Die besseren Leute werden auf die Hühnenburg gefahren“. Heinrich V. reibt sich die Augen, fährt mit der rechten Hand über die Linke, zählt die Finger. Alles noch dran. Schlagartig ist er wach: „Die Zukunft steht vor der Stadt. Gütersloh ist schon eingenommen“. Nichts wie weg……

„Zukunft. Das ist das Letzte, was wir hier brauchen können“, murmelt er, als sich die schweren Brandtore der Kesselbrink-Garage hinter ihm schließen. Geschafft. Bloß keine Zukunft. Schon gar nicht hier.