„Die Opfer waren selbst schuld“

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Seiten 2 und 3 der NW: Bilder einer Katastrophe

Es macht schon sehr wütend, die Horde der in Duisburg Verantwortlichen stammelnd und Schuld zuweisend in den Medien zu sehen. Da weist ein offensichtlich von Rendite, Rendite, Rendite getriebener Oberbürgermeister der Pleitestadt Duisburg nebst McFit-Inhaber und Veranstalter ebenso alle Schuld von sich wie die anderen Helden. Man versteigt sich in seinem hilflosen Wahn sogar in die Behauptung, „die Opfer waren selbst schuld“. Das schlägt ja nun wirklich dem Faß den Boden aus. Ist es nicht eher so, daß man in Bochum die Ausrichtung der Love-Parade absagte, weil man eben nicht die Sicherheit gewährleisten konnte und Duisburg blind und Profilierungswütig ein Gelände aussuchte und absperrte, das man andernorts vielleicht für Übungen „Weltkrieg II reloaded“ nimmt?

Hier im Blog wird auch darauf hingewiesen, daß schon länger im Vorfeld der Veranstaltung vor der Örtlichkeit und der völlig versagenden Organisation gewarnt wurde. Die aber hielt der schreckliche Oberbürgermeister für „Spinner“. Jetzt ist es Aufgabe der Medien, hinter die ganze schreckliche Geschichte zu leuchten und die Versager ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren.

Unter den Toten ist auch ein Mensch aus Bielefeld, dessen Identität wir aber nicht lüften möchten. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen.

15 Gedanken zu „„Die Opfer waren selbst schuld“

  1. rainman

    Interessante Auffasung über die Aufgabe der Medien, die du da vertrittst, textexter.

  2. textexter Artikelautor

    Auch das ist eine Aufgabe der Medien. Natürlich vor dem Hintergrund der Ermittler, also Staatsanwälten und Polizei.

  3. Wahl-Bielefelder

    Bevor man zu Schuldzuweisungen kommt, sollte man das Ergebnis der Ermittlungen abwarten.
    Es wird (vielleicht zu Recht) viel auf die Organisatoren draufgehauen. Aber man kann auch die andere Seite sehen: Zig vielleicht zugedröhnte Raver versuchen irgendwelche Zäune und Treppen zu stürmen und stürzen dabei; das Ergebnis: Massenpanik. Kann man damit rechnen? Vielleicht. Das muss aber die Justiz klären. Wie viele Leute haben vor der WM in Südafrika Sicherheitsbedenken geäußert, oder vor Terroranschlägen 2006 gewarnt? Es gibt immer kritische Stimmen vor Großereignissen. Wenn nichts vorfällt bleiben sie unerwähnt; wenn etwas passiert heißt es „Hab ich doch gleich gesagt“. Ich will mich aber weder auf die eine noch auf die andere Seite dieser schrecklichen Situation stellen und wiederhole mich: Man muss die Ermittlungen abwarten.

  4. Barbara

    Das ist wirklich unfassbar – die Bilder sahen aber schon sehr sehr heftig aus. Ich habe auch schon diverse Berichte aus erster Hand gehört – die „Sicherheitskräfte“ haben nichts gemacht. Die bewustlosen Leute wurden Stagediving-mäßig aus der Menge hinaus getragen. Teilweise wurfen Privatpersonen Seile runter,an denen sich eingie retten konnten.
    Es ist absolut verständlich, riseige Menschenmasse,Panik,dicht aneinander gedrängt – ich hätte den absoluten Ausraster bekommen. Dann die Schuld auf die Menge zu schieben ist einfach unfassbar.
    Wenn 1,5 Millionen Menschen in Panik geraten, ist nichts mehr machbar – Prävention ist die einzige Möglichkeit sowas zu verhindern.

    Ich hoffe da Rollen Köpfe dafür – ich bin so bestürzt darüber.

  5. J.M.

    Der Veranstalter meldet 500.000 Leute an. Jeder weiß, dass mindestens doppelt so viele kommen werden. Aber das Gelände ist nur für 350.000 Leute ausgelegt. — Noch Fragen? Todesursache: Hier wurde an allen Ecken Geld gespart, denn weniger Leute = weniger Personal, weniger Toiletten etc. Grausam. Die Schuld auf irgendwelche Drogen zu lenken ist zynisch, denn es macht Opfer zu Tätern. Außerdem muss jedes Volksfest bei den Sicherheitsstandards Volltrunkene einplanen.

  6. Kille

    „Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen.“
    Hat Eva Herman mit diesem Zitat eigentlich endgültig einen an der Waffel? Wie kann man angesichts dieser schrecklichen Bilder so eine zynische Aussage tätigen???

  7. michi

    Ob man den A380 auch genehmigt hätte, wenn dieser nur eine Tür, die als Aus- und Eingang dient? Ich glaube nein, aber da geht es ja nur 850 Menschen.

  8. textexter Artikelautor

    Auf einer fünfstündigen Autofahrtin in den sächsischen Osten Deutschland hört man natürlich jede Menge Ansichten, Meinungen, Auslegungen und die Meinungen der Verantwortlichen, die nach wie vor glauben, alles richtig gemacht zu haben. Den Gipfel aber schoß wohl Rechtsmoderatorin Eva Herman mit ihrer Philippika gegen die „amoralische Welt der Love Parade, dieses Sodom und Gomorrha“ ab. Das macht noch fassungsloser.

  9. textexter Artikelautor

    Auf einer fünfstündigen Autofahrtin in den sächsischen Osten Deutschland hört man natürlich jede Menge Ansichten, Meinungen, Auslegungen und die Meinungen der Verantwortlichen, die nach wie vor glauben, alles richtig gemacht zu haben. Den Gipfel aber schoß wohl Rechtsmoderatorin Eva Herman mit ihrer Philippika gegen die „amoralische Welt der Love Parade, dieses Sodom und Gomorrha“ ab. Das macht noch fassungsloser. Auch in den großen Zeitungen des Auslandes wird mit der Katastrophe von Duisburg auf Seite 1 aufgemacht.

  10. textexter Artikelautor

    Auf einer fünfstündigen Autofahrt in in den sächsischen Osten Deutschland hört man natürlich jede Menge Ansichten, Meinungen, Auslegungen und die Meinungen der Verantwortlichen, die nach wie vor glauben, alles richtig gemacht zu haben. Den Gipfel aber schoß wohl Rechtsmoderatorin Eva Herman mit ihrer Philippika gegen die „amoralische Welt der Love Parade, dieses Sodom und Gomorrha“ ab. Das macht noch fassungsloser. Auch in den großen Zeitungen des Auslandes wird mit der Katastrophe von Duisburg auf Seite 1 aufgemacht.

    Im ARD-Brennpunkt wird soeben gemeldet, ein Schwerverletzter sei im Krankenhaus gestorben- das 20. Todesopfer.

  11. Madamef

    Rolf Cebin, Polizeipräsident von Duisburg, kämpfte erbittert gegen die Loveparade. Ein CDU-Funktionär aus Duisburg bat den damaligen Innenminister von NRW um einen personellen Neuanfang.
    Cebin ging in Pension. Der Nachfolger störte nicht mehr.

  12. Korrektikus

    Trauertourismus setzt ein, der WDR ist dabei …

    MACHT DIE SCHEINWERFER AUS! Lasst die Leute allein!!!

  13. BertiB76

    Unfassbar, dass sich da welche hinstellen, und behaupten, dass einige Besucher mit Schuld wären. Als ob man bei einem solchen Sicherheitskonzept nicht einbeziehen müsste, dass unter mehreren hunderttausend z.T. noch jugendlichen ein paar dabei sind die sich nicht haarklein an die Regeln halten.
    Obendrein gibt es genügend Belege dafür, dass die Leute bereits in Angst gehandelt haben, zumindest ist die Enge so groß, dass man auch ohne jeden weiteren Zwischenfall Angst haben muss, und das Gedränge wird jawohl kaum durch ein paar Abstürzende plötzlich auf dem ganzen Platz entstanden sein.
    Die Problematik scheint nach den meisten Berichten zu Urteilen ja auch nicht wirklich durch eine Massenpanik im Sinne von losrennenden Menschen entstanden zu sein.
    Wie man auf den Bildern ja auch sehen kann, war es stattdessen schon so eng, dass die Leute nicht mehr gehen konnten, und irgendwann gestürzt sind, und begraben wurden. Die Abstürzenden Besucher, wenn es Sie den gab, können somit kaum das ursächliche Problem gewesen sein.
    Selbst auf der Alm für nicht mal 30.000 Zuschauer sind die an und Abwege großzügiger ausgelegt, und da wird schon oft genug gelästert.
    In jedem Fall haben die örtlichen Gegebenheiten verhindert, dass die Leute ausweichen konnten, dass dies nicht mitschuld am Geschehen war kann mir keiner erzählen.

  14. textexter Artikelautor

    Danke Korrektikus. Jetzt beginnt das, was seitens der Medien immer nach Katastrophen geschieht. Jedes schmerzverzerrte Gesicht wird ausführlich gefilmt, jeder gibt seinen Senf ab. 24 Stunden lang „Betroffenheit“. Aus dem Fall Winnenden hat man erneut nichts gelernt. Oder ist es die Profilierungschance für Jungjournalisten? RTL kramt heute in der Früh eine Jungreporterin hervor, die so etwas in Innsbruck „schon einmal persönlich erlebt hat“. Nun ja.

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