Wat sind die Bürger doch doof

Neulich, als die Räumung des Schnees in der Glitzermetropole das PR-mäßig so gut geölte Getriebe eines der größten Anzeigenkunden der größten Gazette der Metropole ein wenig von Bürgern kritisiert wurde, gab man sich weise, siegessicher und überlegen. Jetzt legt die NW noch eine Schüppe drauf und jagt Volontärin Indira Kley hoch zu Müllwagen durch Heepen. Bio-Müll entsorgen. Natürlich wird die ganze Orgie überaus positiv gestaltet und mündet in den Seitenhieb:

„….wofür die Autofahrer aber kein Verständnis haben“

Nun gut. Wenn „wir“ als Masse denn kein Verständnis für den schweren Beruf der Müllwerker haben, dann hat ja die NW jetzt mal schnell für eine Lobby gesorgt. Da fallen einem spontan eine Menge Berufe ein, die auch einmal eine ganzseitige Reportage mit leicht feuchten Augenwinkeln verdient haben. Die machen ihren Job aber tagein – tagaus und kein Mediengeschwader würde auch nur eine Sekunde auf die Idee kommen, darüber zu reportieren.

In die ähnlich gelagerte Schiene der morgendlichen Wügereize passt auch die „Impulsgeber“-Seite der NW. „Glück ist keine Glückssache“ wird da Management-Guru Reinhard K. Sprenger grossseitig promotet. Einfach am 17. März in die Stadthalle gehen und Sprengers Sätzen folgen. Dem Herrn bringts nettes Zubrot ein und Sie gehen beschwingt als völlig anderer Mensch aus der Veranstaltung. Wäre doch gelacht, wenn der Sprenger das nicht hinbekäme. Liegt doch nur an Ihnen. So wie Sie winters Schnee in Straßenbahnschienen schaufeln, damit die entgleisen, über Schneemassen an Haltestellen oder ungestreute Straßen maulen, wird der Sprenger und die NW ihnen schon beibiegen, woran das liegt. An Ihnen selbst! Da Sie ja pro „Motivationsvortrag“ nicht so um die 10 – 15.000 bekommen (Euro natürlich) machen Sie was falsch. Gucken Sie einfach treudoof in eine Kamera, erzählen Sie, im Himmel sei Jahrmarkt und holen Sie sich die Karte dafür bei der NW ab.

Dann klappt das auch mit dem Haushalt der Fastpleitestadt, dem Nichtabstieg der ARMinia und der „Marke Ich“, deren NW-Vortrag am 26. Mai eine Frau Krüll schon vorbereitet hat.

Es liegt also an Ihnen. Fahren Sie ruhig ab und zu mal Ihren Müll selbst ab, schaufeln Sie den Schnee an den moBiel-Haltestellen weg und helfen Sie der Stadt, indem Sie mehr Steuern zahlen und ein freiwilliges Helferjahr einlegen. Unbezahlt natürlich. Tut der OB mit seiner Junta doch auch. Wenn er einkaufen geht, zahlt ihm niemand seine Zeit. Halten Sie Ihre Klappe zu allem, was die Schildaeska am Niederwall oder Wolferl der Stadtwerker so machen. Es steht Ihnen als Bürger nicht zu. Sagt auch indirekt die NW.

Sollte das alles nicht klappen, schickt die NW als treuer Diener der Stadtoberen wieder Indira mit Fotograf Wolfgang Rudolf.

„Tjakka“, sagte mal ein gewisser Emil Ratelband und mutierte zur Witzfigur des Jahrzehnts. Mal sehen, ob ich irgendwo in dieser wunderbaren Fastpleitestaat einen verschlafenen Menschen („Die wollen nur nicht arbeiten“) aus dem vierten Hartz treffe, dem ich ein fröhliches „Tjakka, Du schaffst das“ zuwerfen kann.