Wieviel trash erträgt der Mensch?

Die Debatte über den Bundeshaushalt ist eigentlich die wichtigste im parlamentarischen Jahr. Wenn über den Einzelhaushalt des Kanzleramtes debattiert wird kommt es traditionell zu einer Generalabrechnung mit der Politik der jeweiligen Regierung. Nun ist das Humanmaterial, dass sich da zur Zeit im Berliner Parlament mehr oder weniger abmüht, nicht gerade die Creme de la Creme. Um so wichtiger wäre es, dass die Presse dem selbstgerechten Haufen ein wenig auf die Füsse hilft.
So könnte doch einmal die Gelegenheit genutzt werden über die Neuordnung der Bundeswehr und deren künftige Aufgaben zu schreiben. So sollen Laut Kriegsminister Guttenberg 10.000 Mann für zwei große internationale Einsätze bereitstehen. Was sind das für Einsätze.? Wie sind diese mit dem Paragraphen 87 a des Grundgesetzes vereinbar?
Bleibt Deutschland ein Teil Europas, ein verlässlicher Partner, oder begreifen wir Europa zukünftig als eine Art Protektorat, so wie es viele Partner befürchten?
Wie definieren wir in Zukunft Bürgerrechte und innere Sicherheit?
Wollen wir ein Sozialstaat bleiben oder uns weiter in Richtung Raubtierkapitalismus entwickeln?
Wollen wir eine nachhaltige Wirtschaft oder  dem großen Kapital so viel Profit wie möglich garantieren?
Das alles hätten Journalisten, die ihren Beruf ernst nehmen, die den herrschenden auf die Finger klopfen statt im Cafe Einstein auf deren Schoß sitzen, thematisieren können. Statt dessen langweilt uns das ostwestfälische Massenblatt mit dem Scherenschnitt einer etwas dicklichen Mutter-Beimer-Karikatur. Dazu boulevardeske Sätze wie: „Sie (Mutti) spricht freier als sonst,holt weit mit den Armen aus, ballt schon mal die Rechte zur Faust, während sie die Linke lässig in der Hosentasche vergräbt.“ Oder wir erfahren das die Grüne, Renate Künast, nach oben schaut und bedauert, dass sich niemand in der Glaskuppel des Reichstags aufhält, – wegen Terror.
SPD-Steinmeier runzelt die Stirn. Die FDP hat eine Hauptstossrichtung, und zwar gegen Grün, mehr erfährt man nicht.
An der Linken arbeitet sich die Autorin, dann aber richtig ab. Gesine Lötsch liest vom Blatt ab was Gregor Gysi nicht gefällt, weswegen er nicht klatscht. „Vielleicht ist er aber nur schlecht gelaunt. Gestern wurde die Trennung der Eheleute Gysi bekannt gegeben.“ (interessant, besonders im Zusammenhang mit dem Bundeshaushalt).
Zum Schluss erfahren wir noch, das die Sozialdemokraten vermuten bei der falschen Veranstaltung zu sein.
Als Zeitungsleser hat man es doch eigentlich gut. Niemand belästigt einen mit Problemen, wenn man das bedruckte Papier unter den Kaffeebecher legt, kleckert man nicht auf’s Tischtuch und wenn man Besitzer eines Kaminofens ist, lässt sich ganz einfach Feuer machen.

Ein Gedanke zu „Wieviel trash erträgt der Mensch?

  1. textexter

    Als Zeitungsleser hat man es doch eigentlich gut. Niemand belästigt einen mit Problemen, wenn man das bedruckte Papier unter den Kaffeebecher legt, kleckert man nicht auf’s Tischtuch und wenn man Besitzer eines Kaminofens ist, lässt sich ganz einfach Feuer machen.

    🙂 Wobei festzustellen ist: Weder NW noch Westfalen-Blatt haben Vorteile, wenn es um die schnelle Entzündung geht. Wie auch, besteht doch der Inhalt meist aus lokaler Langeweile ohne „Zündstoff“. Früher mal hieß es: Nichts brennt so gut wie die Gazette von gestern.

    Denkste.

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