Nach Saab-Pleite: „Nu lyfter vi Sverige“

„Es wäre tragisch, wenn Saab dichtmachen müsste, und ich will es mir nicht vorstellen“, sagt Elizabeth Nyström. Die konservative Politikerin saß bis vor zwei Jahren im Verkehrsausschuss des schwedischen Parlaments und ist seither in ihrer Heimatstadt Trollhättan kommunalpolitisch aktiv. In den 60er- und 70er-Jahren fuhr sie oft in einem Saab als Co-Pilotin bei internationalen Autorallyes mit. „Ich bin privat immer Saab gefahren und weiß, dass die gute Autos machen, aber wenn sich das wirklich überhaupt nicht mehr lohnt, ist das doch nicht das Ende. Die Leute, die dort arbeiten, haben Spitzenkompetenzen, die in anderen Industrien gefragt sind.“ Die Zeitung „Aftonbladet“ sieht das ähnlich und startete am Montag die Kampagne „Nu lyfter vi Sverige“ – „Jetzt bringen wir Schweden voran“. Sie veröffentlichte eine Liste mit 11.629 offenen Stellen.

Das ist schon einmal ein Anfang, auch wenn viele der Stellen andernorts in Schweden liegen und erst nach Umschulung und Weiterbildung das richtige für Autobauer wären. Es ist aber zu befürchten, dass in Schweden schnell erheblich mehr Menschen als 11.629 arbeitslos werden. Die örtliche Metallgewerkschaft bietet sich schon einmal als Dienstleister an. Dank eines Organisationsgrads von über 90 Prozent hat sie viel Einfluss. „Im Falle des Falles würden wir uns mit Entlassenen und deren Banken zusammensetzen, um zu schauen, ob die Tilgung von möglichen Hypotheken ausgesetzt werden kann, und über Qualifizierungsmöglichkeiten sprechen“, sagt der Gewerkschaftsfunktionär Leif Håkansson. Auch die Arbeitsvermittlung hat schon Extrapersonal nach Trollhättan geschickt. Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, soll in Schweden bis zum nächsten Aufschwung zumindest niemand allein gelassen werden. Quelle: Financial Times Deutschland

Wäre eine derartige Einstellung und derartige Aktivität hier bei uns denkbar? Niemals. Nein. Stattdessen gibt auch noch der letzte Wichtigtuer aus irgenbdeinem alleingelassenen Tal der EDinfaolt seinen ungefragten Senf dazu. Und wie das Beispiel HSH Nordbank zeigt, machen die Politamateure genau so weiter, wie sie es bisher schon getan und alles in die Scheisse geritten haben.

„Nu lyfter vi Tyskland“ geht hier nicht. Sverige steht auch nicht ohne Grund bei der Pisa-Studie weit vor dieser verafften Republik. Was sie da oben auch nicht haben: Die Gnade der Bertelsmann-Stiftung aus unserem bigotten Nachbarstraßendorf Gütersloh. Offensichtlich eine Wohltat, die den Geist beflügelt und frei fürs Denken macht.