„Warten mit ausgefüllten Schecks“

Ab und zu darf man mal den Blick über den Rand des kleinen Bielefelder Tellers richten, der sich in Schildesche ebenso minimal aufwölbt wie in der fast flachen Senne. Die Schreiber unserer Lokalzeitungen werfen darin ja häufig mit Bonmots und Kleinkariertem um sich. Aber wenn man liest, was eine Zeitung wie die Münchner „Süddeutsche“ mit bundesweitem Renommee losläßt, ist das auch nicht von verbaler Pappe.

Aufgrund der Unterlagen aus dem Bestand der LGT wurden nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ bisher die Wohnungen von mehr als einhundert Verdächtigen durchsucht. Zentrum sei der Großraum München mit etwa 40 Verfahren gewesen.

In einigen Fällen hätten die Verdächtigen noch vor der Ankunft der Fahnder Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung erstattet. Morgen will die Staatsanwaltschaft Bochum, bei der die Ermittlungen zusammenlaufen, eine erste offizielle Zwischenbilanz ziehen.

In Erwartung der Steuerfahndung haben viele Steuerschuldner nach einem Bericht der „SZ“ Blitzüberweisungen an die Finanzämter geschickt. Wie die Zeitung berichtet, wurde die Staatsanwaltschaft Bochum bei ihren Razzien in der vergangenen Woche vielfach schon erwartet. „Manche hatten die Schecks schon ausgefüllt“, sagt ein Ermittler dem Bericht zufolge.

Wer ein klein wenig Einblick in Finanzämter, die Steuerfahnung und die Abläufe hatte oder hat, wer Steuerberater und Wirtschaftsprüfer kennt, der kann ein Lächeln nicht unterdrücken. Lassen sich die Ermittler einen bankbestätigten Scheck geben oder bekommen sie die PIN-Nummer mit oder wie stellt sich die Zeitung, an der ich immerhin in jungen Jahren mal gearbeitet habe, das so im Ablauf vor ? Dieser Satz des zitierten Ermittlers passt nahtlos zur stupiden Fernsehvorführung des Steuerdelinquenten Zumwinkel seitens der Bochumer Staatsanwaltschaft. Kann aber auch sein, das da so ein nebenbei erwischter kleiner Fisch in vorauseilendem Gehorsam „einen Scheck hingehalten“ hat. Neoliberalo Peer Steinbrück sprach am Wochenende übrigens von „sehr wenigen Selbstanzeigen“. Heutige Journalisten scheinen aber schneller andernorts abzuschreiben, als sie zuhören können….

Ein Gedanke zu „„Warten mit ausgefüllten Schecks“

  1. anjatanja

    Die Medien haben meiner Ansicht nach in der ganzen Aktion bisher eine sehr unrühmliche Rolle gespielt. Nicht nur BILD hetzt, auch der sich doch als „Edelfeder“ einstufende Spiegel pustet mit populistischen Tönen ins Horn. Das mag „kleinen Leuten“ imponieren, denkende Menschen halten es schlicht für Regierungsgesteuerte Panikmache.

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