Bundesagentur für dämliche Kuriosa

Das ist die deutsche Gründlichkeit, über die sich das Ausland kaputtlacht. Wegen läppischer 20 Euro setzt die Bundesagentur für Arbeit (BA) ihren bürokratischen Apparat in Gang und fordert von ungezählten Hartz-IV-Empfängern Kindergeld zurück. Dies nur, weil es sich die Bundesregierung anders überlegt hat, keine Übergangsfrist mehr akzeptiert und nicht möchte, dass Hartz-IV-Empfänger von der Kindergelderhöhung zum 1. Januar profitieren. Und so sollen denen die 20 Euro wieder weggenommen werden, deren Bescheid noch im Dezember nach alter Rechtslage erstellt worden war. Das ist Bürokratiewahnsinn, bei dem Aufwand und Ertrag in einem krassen Missverhältnis zueinander stehen. Fehlt nur noch, dass die BA anschließend den Betroffenen einen weiteren Schrieb schickt mit der Benachrichtigung, dass jetzt wieder alles ausgeglichen ist. Es verstärkt sich einmal mehr der Eindruck, dass die Hartz-IV-Gesetze voller Mängel und Ungereimtheiten stecken. Sie sind eine Jobmaschine für Anwälte, ein kaum zu bewältigendes Arbeitspensum für Sozialrichter und ein Ärgernis für die Empfänger selbst geworden. Spätestens jetzt sind sie auch reif fürs Kuriositätenkabinett.

Liebes Westfalen-Blatt. Das ist schon richtig, was Ihr da schreibt. Aber wer hindert Euch als „Vierte Gewalt“, diese Themen jeden Tag, jede Woche, jeden Monat anzuprangern? Schließlich sind es Steuergelder, die von diesen grandiosen Helden der Arbeit und der geballten Intelligenz an die Wand gefahren werden. Wer so wunderbar Zahlen zurechtbiegen kann wie die BA, der kann eigentlich auch noch andere Dinge. Zum Beispiel für ein Millionenporto einen Schrieb schicken: „Nun ist alles ausgeglichen. Ihre 100.000 überflüssigen Verwalter des Nichts“.

12 Gedanken zu „Bundesagentur für dämliche Kuriosa

  1. omega

    Neue Rechtslage, neue Dämlichkeiten.

    Besonders dämlich sind aber die HartzIV-EmpfängerInnen, die das alles mit sich machen lassen.
    Die schweigend hinnehmen, dass sie nicht von der Kindergelderhöhung profitieren sollen.Die sich höchstens noch mit ihren FallmanagerInnen auseinandersetzen und ihre Rechte vereinzelt und wenig öffentlichkeitswirksam einklagen, -nie gemeinsam.

    Ich erwarte auf einen kollektiven Aufschrei von Millionen und – ich höre und sehe hier in Bielefeld immer nur die gleichen 10 Personen, die tapfer die Montagsdemo/ Kundgebung
    fortführen.

    Die vierte Gewalt soll diese Mißstände anprangern, ja, soll sie. Aber viel lauter, offener und öfter sollen die Betroffenen sich endlich äußern!

  2. witheboard

    Bin zwar zum Glück nicht selbst betroffen, werde mich aber ab sofort solidarisch zeigen. Nur immer vom bequemen Stuhl aus darauf warten, dass andere aktiv werden, reicht mir nicht mehr aus. Ich will kollektiv mit aufschreien!

    Darum bitte her mit der Info:
    Wann und wo treffen sich die unermüdlichen?
    Ich will dabei sein, denn dann sind es schon 11 Personen.

    Gruß witheboard

  3. omega

    Die Kundgebungen finden nach wie vor jeden Montag um 18:00 Uhr am Jahnplatz bei der Bronzeuhr statt.

  4. rainman

    Hab mir die sog. Montagsdemo heute mal angetan.

    Gesehen hab ich eine handvoll frierender Leute, die sich untereinander kannten.
    Es dudelte in sehr schlechter Wiedergabequalität eine Art Karnevalsschlager über Hartzer Käse, dann gab es wenig informative und wenig kämpferische dafür floskelhafte Redebeiträge.
    Enttäuschend!!!

  5. sambucus niger

    Na, was erwartest Du denn von den Leuten, die seit Jahren als Versager, als gesellschaftlicher Schrott abgestempelt und in die Ecke gedrängt worden sind? Gerade eben ist es ja schon wieder passiert.
    Von den eher Schwachen in der Gesellschaft den Aufstand zu fordern, finde ich etwas vermessen. Wo bleibt denn die echte Solidarität derer, die etabliert sind? Na, wer hat denn das Elend da oben gewählt? Ja klar, keiner will Westerwave & Co gewählt haben. Und was passiert bei der kommenden Landtagswahl?

  6. witheboard

    Und genau deshalb stellen wir uns zukünftig auch dort hin.
    Die zur Zeit sehr überschaubare Menge muss grösser werden.
    Die Schüler- und Studentendemos haben es doch gezeigt:
    Man muss nicht nur artikulieren können, man muss auch in entsprechender Anzahl auftreten.

  7. omega

    @rainman
    das Mikro bei den Montagsdemos ist für jeden offen. (Außer verlogene Sozialdemokraten)
    Komm nächsten Montag hin und sag, was Du zu sagen hast.

    @sambucus niger
    Ich finde es überhaupt nicht vermessen den Aufstand der Verarmten zu fordern. Und schwach sind die Hartz IV Empfänger auch nicht. Sie sind eine der größten Gruppen in unserer Gesellschaft. Sie sollen sich endlich zeigen und zu Wort melden. Zusammen! Laut! Und immer öfter!
    Auf die Solidarität der „Etablierten“ können sie verzichten.

  8. herostratos

    Eben Omega! Solange die Verarmten und Verelendeten noch so zurückhaltend sind, kann’s ja so schlimm nicht sein…Revolutionen sind immer aus bitterster Not entstanden. Auch wenn die schleichende Verarmung eine unübersehbare Schande für die Regierenden ist – es herrscht in deutschen Landen offenbar keinerlei Leidensdruck. Und wohin Revolutionen führen, die von Intellektuellen angeführt werden, hat man ja in Russland und der spießigen DDR erleben dürfen – zur Herrschaft der kleinbürgerlichen Gartenzwerge über die ewig verarschtwerdenden Habenichtse!

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