Arzneimittel – Sterbehilfe vor Gericht

Ein 67-jähriger Mann aus Braunschweig hat beim europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage eingereicht, ob jeder Mensch ein Recht auf Selbsttötung besitzt und der Staat dieses Recht beispielsweise mit der Herausgabe bestimmter Medikamente unterstützen kann.

Grund für die Klage ist der Sterbefall seiner Ehefrau, die vor mehreren Jahren durch einen Genickbruch fast vollständig gelähmt wurde. Der damals sterbewilligen Frau war dennoch vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn die Herausgabe eines Schlafmittels verwehrt worden.

Daraufhin suchte der Mann Hilfe bei der umstrittenen schweizer Organisation „Dignitas“, die Sterbehilfe anbietet. Dort wurde der Frau dann das gewünschte Mittel verabreicht, worauf diese starb. „Dignitas“ hat sich mittlerweile der Klage des Braunschweigers angeschlossen.

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Dougan meint:

In erster Linie geht es ja auch darum, daß der Staat, vertreten durch das Bundesamt für Arzneimittel die „Hilfe“ verweigert hat. Natürlich könnte man argumentieren, daß die moderne Medizin den Patienten solange am Leben erhält, bis vielleicht ein Heilmittel gefunden ist.

Jedoch ist die Gesellschaft zwar verpflichtet das Leben zu erhalten, gleichzeitig ist aber die Würde des Menschen unantastbar. Wenn also jemand seine Würde durch den Freitod bewahren will, sollte man dem keine Steine in den Weg legen.
Die Verweigerung des Amtes beruht auf dem Verbot der aktiven, also direkten Sterbehilfe.  Wohl auch um etwaigen Straftaten vorzubeugen (kein Tötungsdelikt einer unliebsamen Person, sondern Sterbehilfe).

Die aktive ist außer in Benelux in ganz Europa verboten. Nach meiner Meinung sollte sie dennoch erlaubt werden, mit den gleichen rechtlichen Vorrausetzungen wie bei der passiven.

Aus Gründen der Humanität. Denn es kann nicht sein, daß der Einsatz zur Lebensrettung in Qualen gekehrt wird. Menschen, welche gegen ihren Willen durch ungewollte Maßnahmen möglicherweise gefoltert werden – unvorstellbar. Leben ja, aber nicht wenn die betreffenden Leute es nicht wollen.